Zum Begriff der sozialen Bewegung

Dieses mal eine Textzusammenfassung für den Kurs Politische Soziologie I.

Der Text: Raschke, Joachim (1987): Zum Begriff der sozialen Bewegung. In: Roland Roth und Dieter Rucht (Hg.): Neue soziale Bewegungen in der Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt/M.; New York: Campus, S. 19–29.

Im Text „Zum Begriff der sozialen Bewegung“ liefert Joachim Raschke sozialwissenschaftliche Definitionsvorschläge für den Begriff der „sozialen Bewegung“ und grenzt diesen zu anderen, ähnlichen, Erscheinungen ab.

Ursächlich für die bis heute unzulängliche Definierung des Begriffs der sozialen Bewegung sei der umfassende Anspruch der Arbeiterbewegung auf den Bewegungsbegriff, sowie die Inhumanität der NS-Bewegung, die diesen Begriff geprägt haben und eine abstrahierende sozialwissenschaftliche Definition erschwert haben (vgl. S. 19). Erst durch neuere Bewegungsformen wie die Anti-Atomenergie Bewegung, sowie Bürgerinitiativen wird ein sozialwissenschaftliches Definitionsbemühen ermöglicht (vgl. S.19).

Als Grundlage für eine neue Definition von sozialer Bewegung verwendet Raschke eine frühere selbstentworfene Definition, welche die soziale Bewegung als kollektiven Akteur kennzeichnet, der in den Prozeß sozialen Wandels eingreift (vgl. S. 20). Kulturelle Unterschiede, beispielsweise zwischen den USA und Deutschland, sowie das eigene Erkenntnissinteresse sind üblicherweise ausschlaggeben für die verwendete Definition des sozialen Bewegungsbegriffs. Als Ergebnis dieser Erkenntnisse schlägt Raschke die Definition „Soziale Bewegung ist ein mobilisierender kollektiver Akteur, der mit einer gewissen Kontinuität auf der Grundlage hoher symbolischer Integration und geringer Rollenspezifikation mittels variabler Organisations- und Aktionsformen das Ziel verfolgt, grundlegenderen Wandel herbeizuführen, zu verhindern oder rückgängig zu machen.“ (S. 21) vor.

Als Gründe für die gewählte Formulierung erläutert R. die Mobilisierung als Machtgrundlage jeder sozialen Bewegung, Kontinuität als Abgrenzungsmöglichkeit zu kollektiven Episoden, das ausgeprägte Wir-Gefühl sozialer Bewegungen, die geringe Ausdifferenzierung einzelner Rollen in Bewegungen, sowie die für soziale Bewegungen charakteristischen Ziele, auf strukturelle Veränderung von Staat und/oder Gesellschaft hinzuwirken (vgl. S. 21-22).

R. erläutert weiter, dass sich sein Definitionsversuch auf Mobilisierung und Ziele sozialer Bewegungen, anstatt auf Ursachen und Aktionsformen stützt. Auch andere mögliche Hauptelemente, wie Rationalität oder eine Verknüpfung mit gesellschaftlicher Bewegung lehnt R. ab (S. 22-23).

Ab wann von einer sozialen Bewegung gesprochen werden kann, ist häufig nicht eindeutig, wobei eine Konstituierungsphase, die durch verstärkte Aktivitäten gekennzeichnet ist, häufig am Anfang steht (vgl. S. 24). Das mögliche Ende einer sozialen Bewegug lässt sich in Auflösungen, Transformationen und Institutionalisierung unterteilen, wobei Ruhephasen verfälschend wirken können, und Auflösung, sowie Institutionalisierung sich gegenseitig bedingen können (vgl. S. 24-25).

Abschließend unternimmt R. den Versuch den Begriff der sozialen Bewegung zu verwandten Phänomenen, der kollektiven Episode, der Organisation und der fluiden kulturellen Phänomene, abzugrenzen (vgl. S. 26).

Kollektive Episoden, welche als spontane Massenverhalten betrachtet werden können, unterscheiden sich von sozialen Bewegungen hinsichtlich ihrer längeren Dauer, stärkerer Kommunikations- und Rollenmuster sowie stärkere Strukturierung von Zielen bei sozialen Bewegungen (vgl. S. 26).

Hinsichtlich Organisationen fällt eine Unterscheidung zu sozialer Bewegung schwer, weil auch diese starke Organisationsformen aufweisen können, obgleich diese notwendigerweise durch spontane und unregelmäßige Aktionen außerhalb der Organisation ergänzt werden müssen (vgl. S. 27).

In Abgrenzung zu den kulturellen Phänomenen, für die exemplarisch die Romantik, Sturm und Drang, der Expressionismus, Popper und Punker genannt werden, heben soziale Bewegungen auf relevante strukturelle Veränderungen der Gesellschaft ab (vgl. S. 28).

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