Welches Problem löst Twitter?

In vielen Organisationen ist es zur Gewinnmaximierung der Unternehmung, ausgelöst durch zunehmende Rationalisierung, üblich geworden, ad hoc Kommunikation zwischen Unbekannten stattfinden zu lassen.

Call Center, Onlineshops, ausdruckbares Porto, etc. lösen das Problem, dass physische Dienstleistungseinrichtungen in der Nähe des Kunden, durchgeführt von vorzeigbaren Angestellten kostenintensiv sind. Für Nachfragende ergibt sich der Vorteil der Zeitsouveränität und einer besseren Vergleichsmöglichkeit der Preise.

Nach nunmehr jahrelanger intensiver Nutzung dieser, auf Unpersönlichkeit basierenden Kommunikationsstruktur, sind wir so konditioniert, diese Form der Kommunikation als Normalität zu begreifen.

Lediglich für die nicht spezifisch funktionale Kommunikation zwischen Unbekannten stand keine entsprechende, niedrigschwellige, Infrastruktur zur Verfügung.

Dieses Problem löst Twitter.

Ein Gedanke zu „Welches Problem löst Twitter?

  1. kusanowsky sagt:

    “Lediglich für die nicht spezifisch funktionale Kommunikation zwischen Unbekannten stand keine entsprechende, niedrigschwellige, Infrastruktur zur Verfügung. Dieses Problem löst Twitter.”

    Dieser Punkt ist wichtig. Twitter ermöglicht niedrigschwellige Kontaktaufnahme, Kontaktanbahnung. Aber: Warum sollte das bislang ein Problem gewesen sein?
    Versuchen wir uns vorzustellen, dass Kommunikation zwischen Unbekannten deshalb kein gößeres Problem war, weil sie im strengen gar nicht möglich war, deshalb nicht, weil alle Begegnung zwischen Unbekannten hauptsächlich durch Interaktion in Organisation oder vermitttelt durch Organisation stattfand. Organisationen machen, dass sich zwar Unbekannte treffen können, aber sie wissen von einander schon immer etwas Entscheidendes, das sie über einander nicht wissen mussen, nämlich, einfach gesagt: Gründe für Erscheinen, Gründe für Anwesenheit, Gründe für Kontaktaufnahme. Das macht, dass sich Unbekannte begegnen können, aber unter Voraussetzung, dass wenigstes ausreichende, weil zurechenbare Gründe bekannt sind, die vielleicht auch irrtümlich zugerechnet werden können, aber darauf kommt es nicht an. Denn wenn man Irrtum herausfindet, läuft das Gespräch ja schon. So formuliert: Organisationen machen, dass Personen für einander nicht mehr ganz unbekannt sind, auch, wenn sie fast nichts von einander wissen. Aber Weniges reicht völlig aus, solange die Organisation selbst genügend Referenzen herstellt.

    In allen anderen Fällen, wo keine Gründe für Erscheinen, Anwesenheit oder Kontaktaufnahme doppelt kontingent beobachtbar werden, kann Kommunikation entweder nicht gelingen, oder sie zerfällt nach Erreichung ihrer Zwecke.
    Beispiel 1: Zufällige Begegnung im Zug. Zwei Menschen können nur schwer mit einander ins Gespräch kommen, weil sie keine Gründe für die Eröffnung eines Gesprächs finden und weil man ja auch was anderes machen könnte als sprechen, man könnte lesen, schlafen, sonst was tun.
    Beispiel 2: Gelingt Kommunikation unter diesen Bedingungen dennoch, so zum Zweck des Zeitvertreibs. Und sind schließlich Reiseziele erreicht kann es nicht weiter gehen.
    Das selbe gilt im Prinzip für Kommunikation auf Märkten, wobei Märkte es jedoch ermöglichen, Wiederholungen von Kontaktaufnahmen herzustellen, wodurch nach mehrmaligem Durchlauf sich zuerst die Gründe verschieben und schließlich auf verschwinden können und trotzdem noch Kommunikation statt findet, in dem sich bspw. neue Organisationen durch Marktbeziehungen gründen.

    Für Twitter gilt nun, dass die Gründe für Kontaktaufnahme nicht mehr so einfach erkennbar werden. Es fehlen eindeutige Adressen (Mehrfachbeteiligung), es fehlen Referenzen der Adressablität, der Personalität und der Reliabilität der Fortsetzung von Kommunikation.
    Das hat zur Folge, dass durch social media keine oder nur eine sehr seltene und folgelnlose Vergesellschaftungsleistung erbracht werden kann. Es bringt eigentlich nichts. Twitter ist grundlos, nutzlos, zwecklos. Weshalb die Kommunikation via Twitter marginal ist.

    Das eigentlich Interessante scheint mir die Grundlosigkeit, Nutzlosigkeit und Zwecklosigkeit zu sein. Und außerdem hat diese Niedrigschwelligkeit zur Folge, dass alle Beteiligten mehr oder weniger über alles was kommuniziert wird, schlecht bis gar nicht informiert sind. So erklärt das Zustandekommen der Trollerei.

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