Warum ich Soziologe werden möchte.

Ehrliche Reflexion… gar nicht so einfach. Irgendwie traue ich mich nicht, offen und ehrlich zu sein. Wieso auch. Im schlimmsten Fall wird alles, was man sagt und denkt, gegen einen verwendet. Oder man wird verspottet.

Oder ihr erkennt, inwiefern ich mich teilweise durch Auslassungen oder vielleicht sogar kleine Lügen taktisch verhalten habe, um mich besser zu positionieren und macht mir daraus einen Vorwurf.

Was für ein Gefühl es wohl ist, alle Karten auf den Tisch zu legen und mehr von den Sachen zu erzählen, die ich mich bislang nicht getraut habe zu sagen? Wie gehen andere damit um? Verkraften sie es? Sind sie reflektiert genug, um die subjektive Wahrheit einer Person, jedenfalls eine Momentaufnahme davon, anzunehmen, ohne Kurzschlussreaktionen auszuführen? Macht es mich vielleicht sogar zu einer stärkeren und besseren Person?

In diesem Beitrag geht es um mich und meine Ziele, sowie um meine Motivation, diese Ziele zu erreichen. Und um Euch bzw. um uns eben… aus meiner Sicht. Thematisch geht es mir um Bildung, das ist das Thema, dem ich mich widmen möchte. Die Gründe dafür entspringen meiner persönlichen Biografie.

Ich möchte mit offenen Karten spielen und Euch meine Motivation darlegen. Vielleicht können wir uns gegenseitig helfen – wenn die Chemie stimmt und Ihr meinen Vorstellungen von vertrauenswürdigen Partnern entsprecht. Oder ich erkenne anhand Eurer Reaktion, dass das nicht der Fall ist. Dann könnte ich mir Zeit und Mühe sparen, mich mit Euch abzugeben. Das wäre ebenfalls ein Gewinn. Wichtig ist mir auch, dass ich Euch nichts vormachen möchte. Es ist mir nicht egal, weshalb Ihr Euch mit mir abgebt.

Mein Zehnjahresplan sieht vor, im Sommersemester 2014 meinen Bachelorabschluss in Sozialökonomie, Schwerpunkt Soziologie, zu erhalten. Anschließend strebe ich ein Masterstudium in Soziologie an. Dies sollte ich 2016 abschließen können.
Inhaltlich hat der Fachbereich Soziologie an der Universität Hamburg, was die örtlichen Forschungsschwerpunkte angeht, bezüglich des Masterstudiums, leider relativ wenig für mich zu bieten.

Ein besonderer Foschungsschwerpunkt scheint sich hier durch das CGG – das Centrum für Globalisierung und Governance zu manifestieren. Inhaltlich interessieren mich die dort behandelten soziologischen Themen wenig bis gar nicht.
Eigentlich würde ich gerne hier bleiben, weil es mir hier sehr gut gefällt und ich sehr froh über Freunde und Bekannte bin, die ich hier habe.

Neben diesen persönlichen Gründen finde ich aus fachlich-inhaltlicher Sicht auch das Universitätskolleg und das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung sehr interessant für mich. Wie sehr ich davon während eines soziologischen Masterstudiums profitieren könnte, lässt sich für mich aber noch kaum abschätzen.

Augsburg erscheint für mich bezüglich Studienplatzwahl im Master ebenfalls sehr interessant. Qualitative Diskursforschung beispielsweise passt methodisch sehr gut zu dem, was ich wissenschaftlich untersuchen möchte.
Letztlich ist die lokale fachliche Ausrichtung von soziologischen Masterstudiengängen aber nicht entscheidend. Ich habe keine eigene Familie und keine Kinder und bin damit relativ ungebunden und werde notfalls überall hingehen um einen Masterstudienplatz in Soziologie zu ergattern. Nach dem Masterstudium soll die Promotion, im Rahmen einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im soziologischen Bildungsforschungsbereich, folgen,  anschließend gerne auch die Habilitation. Bis etwa 2023 (es ist ein 10-Jahres Plan… falls nötig hänge ich ein paar Jährchen hintenan) bin ich dann Prof. Dr. Michael Karbacher. Jedenfalls wenn es nach mir geht und mir das Schicksal keinen Strich durch die Rechnung macht.

Inhaltlich interessiert mich im Kern ein bestimmtes Thema aus der sozioökonomisch-, soziologisch-wissenschaftlichen Sichtweise: Bildung. Egal ob als wissenssoziologische Bildungsdiskurse, Bildungssoziologie, Schuldidaktik, Hochschuldidaktik, Wissenskanon oder Lehrpläne. Soziologie und Sozialökonomie scheinen mir die passenden Betätigungsfelder dafür zu sein, auch wenn ich in diesem Studium und Studienschwerpunkt aus gänzlich anderen Gründen gelandet bin. Wenn ich dieses Ziel wirklich erreichen will, werde ich das auch schaffen. Ich bin mir dessen sicher. Motiviert genug bin ich meines Erachtens. De facto bin ich schon seit etwa zwei Jahren inhaltlich in diesem Thema verankert. Neu ist, dass ich jetzt bereit bin, mich vollständig auf Bildungsforschung einzulassen und auch bereit, bin die Konsequenz zu ziehen und andere Beschäftigungsfelder (Medienproduktion, eLearning, technischer Support, etc.) zurückzudrängen und ggf. auch ganz einzustellen.

Aber wie komme ich eigentlich dazu? Als ich Sozialökonomie begonnen habe, hatte ich keine Ahnung, was Soziologie eigentlich beinhaltet oder bedeutet. In der Schule hatten wir zwar “Sozialkunde” (ein Fach, in dem ich auch eine Abiturprüfung abgelegt habe), aber das hatte eher mit Politik und demographischer Entwicklung zu tun, als mit klassischen soziologischen Themen.
Das liegt möglicherweise daran, dass ich in Bayern zur Schule gegangen bin. Einem konservativen Bundesland, in dem Wörter wie “Links”, “Marxismus”, “68er” oder “Studentenrevolte”, die in meinem Studium durchaus eine Rolle spielen und die auch in der Soziologie Größen sind, gleichbedeutend sind mit “Volksverhetzung”, “linke Propaganda” und “Weltuntergang”. Jedenfalls war das in meinem Umfeld durchaus so. Überhaupt gibt es in meiner alten Heimat sehr viele Ansichten, die ich für fragwürdig halte. Das denke ich schon lange – spätestens seitdem ich Dank des Internets, bei mir zuhause ab 1998, überregionalen und weit weniger lokal geprägten Austausch mit anderen Menschen haben konnte. Die anarchischen Anfangszeiten des Internet und auch teils illegale Aktivitäten darin waren für mich Alltag. Auch Chatrooms, Podcasts (manche wissen nicht, dass es beispielsweise das Chaosradio schon seit Mitte der 90er Jahre gab! Ich kann mich nicht genau an meine erste Folge erinnern, aber Ende der 90er Jahre war ich regelmäßiger Hörer)  und Foren… das Internet hat mich sehr geprägt. Computer und das Internet bildeten für mich eine erweiterte, eine bessere Realität. Dementsprechend habe ich so viel Zeit wie möglich mit dieser Erweiterung verbracht. Über den Zeitraum vieler, vieler Jahre. Von 1998 etwa  bis 2006/2007… ziemlich exzessiv… danach hat sich mein Leben geändert.

Erklären kann ich mir mein ungesundes Mediennutzungsverhalten damals auch. Natürlich ist das nicht auf eine zentrale Ursache zurückzuführen, sondern auf unterschiedliche, die zusammengewirkt haben. Eine Rolle dürfte spielen, dass etwa in meinem Vorschulalter (und etwas darüber hinaus, wir reden hier ca. von 1988 bis 1994) der Zugang zu einem Computer (ein Amiga500) ein sehr positiv konnotiertes und  begrenztes Gut war. Meine Großeltern (bzw. ein Onkel, der nur zehn Jahre älter ist als ich, und damals noch bei seinen Eltern wohnte) hatten diesen Computer bei sich zuhause. Sie lebten etwa 3 Stunden von meiner Familie entfernt, dementsprechend selten konnten wir sie auch nur besuchen. Mein Onkel spielte gerne Computerspiele und wenn ich zu Besuch war spielten wir gemeinsam bzw. abwechselnd.

So weit, völlig unproblematisch, aus meiner Sicht. 1996 bis 1998 war ich von Computern (auch Fernsehern und anderen Medien) stark abgeschottet, da ich diese Zeit in einem Internat verbracht habe. Fernsehabende gab es einmal die Woche. Zugang zu Computern gab es in der Schule selbst nur stark reguliert. Für mich waren diese nicht zugänglich, da ich dieses Internat nur bis zur siebten Klasse besucht habe, damit war ich für die Nutzung eines Computers aus Sicht der Internatsleitung zu jung (mit 12 Jahren wohlgemerkt).

Diese Form der erzwungenen Medienvorenthaltung finde ich problematisch. Niederträchtig, schädlich und verachtenswert trifft es eigentlich besser.

Mit einem gesunden Umgang zu neuen Medien hat diese Praktik jedenfalls nichts zu tun. Beholfen haben meine Schulkameraden und ich uns durch den Aufenthalt vor N64-Konsolen in Kaufhäusern oder vor Computern beim lokalen Computerfachgeschäft (teils bis zur Aussprache von Hausverboten, weil es den Geschäften zu viel wurde). Am Wochenende habe ich versucht die “verlorene Zeit” nachzuholen, insbesondere nachdem mir meine Eltern etwa 1996/1997 einen Computer schenkten, den ich dann eben an Wochenenden (ca. jedes 2-3 Wochenenden) genutzt habe (u.a. für WingCommander Prophecy, aber ich war nicht nur von Computerspielen, sondern auch immer vom Betriebssystem und Gerät als solchem fasziniert), an denen ich zuhause zu Besuch war. “Leider” war mein Aufenthalt im Internat nicht von schulischem Erfolg gekrönt. 1998 bin ich, zum ersten Mal, in der 7. Klasse sitzengeblieben. Obwohl wir uns hier über einen 12 jährigen Stöpsel unterhalten, der ich damals war, war meine Schullaufbahn bereits zu diesem Zeitpunkt ein Fiasko. So darf das Schulsystem nicht sein.

Meine Eltern haben 1992, zeitgleich mit meiner Einschulung, eine Handwerksfirma gegründet, sich also selbstständig gemacht.
Beide stammen von Landwirtschaftsbetrieben ab, und zählen, unabhängig von diesem Umstand, zu dem, was beispielsweise in der PISA-Studie als “bildungsfern” charakterisiert wurde.
Den Wunsch sich über die eigene Herkunft hinwegzusetzen, die meiner Einschätzung nach beide mit einer gewalttätigen Umgebung verbinden, die sich dadurch Kennzeichnen lässt, dass Kinder ein Betriebsmittel darstellen, also in erster Linie zum arbeiten dienen, mussten meine Schwester und ich mitausbaden.
Der ehrgeizige Plan meiner Eltern beinhaltete insbesondere hohen ökonomischen Wohlstand und hohes Ansehen. Das, was sich ambitionierte, aber relativ ungebildete Menschen vom Land eben unter “Erfolg im Leben” so vorstellen.
Und nur weil ich weiß, dass meine Eltern diesen Text auch lesen, und ungebildet mit dumm gleichsetzen, werden: Mit Intelligenz oder Wissen hat mein Verständnis von Bildung nichts zu tun. Bildung beinhaltet für mich Weltoffenheit, Toleranz, soziale Kompetenz, eine humanistische Weltanschauung, die mit dem Satz Goethes: “edel sei der Mensch, hilfreich und gut” auf den Punkt gebracht wird.

Zum Erfolgskonzept meiner Eltern gehörte dann beispielsweise auch das Abitur für den eigenen Sohn – koste es, was es wolle (bei meiner Schwester, 1,5 Jahre später, war das dann schon nicht mehr wichtig). Nötigenfalls auch mit (psychischer und physischer) Gewalt und/oder Geld…
Soziale Kompetenz, Freundschaften, Beziehungen eingehen und pflegen… all das gehörte leider nicht so sehr zum Erfolgskonzept meiner Eltern.
Wie dem auch sei.
Schon in der Grundschule lief es in den entscheidenden Phasen schulisch nicht so gut.
Also hatte ich Nachhilfe um den Übertritt auf das Gymnasium zu schaffen. Leider ist es zum Zwischenzeugnis in der vierten Klasse ein relativ später Zeitpunkt um mit Maßnahmen zur Notenverbesserung anzufangen. Dementsprechend hat mein Zeugnis in der vierten Klasse nicht zum Übertritt auf das Gymnasium genügt.
Da ich in Gesprächen festgestellt habe, dass das außerhalb Bayerns (und dort vielleicht heute mittlerweile auch nicht mehr) nicht verstanden wird: Wenn man den Übertritt in der vierten Klasse nach Noten nicht schafft, kann man es nochmals nach der fünften Klasse schaffen (bei entsprechender Noten und auch nur, wenn man die Fünfte dann auf dem Gymnasium wiederholt).  Oder man versucht eine Aufnahmeprüfung auf das Gymnasium (2 oder 3 Tage, sehr intensiv, sehr umfangreich).
Diese Aufnahmeprüfung habe ich dank sehr intensiver Vorbereitung (Nachhilfe und Lernen mit meiner Mutter… selbst im Urlaub auf Lanzarote täglich) auch bestanden…
Anschließend im Internat (wohl in der Hoffnung meiner Eltern, dass dann schon alles gut geht bis zum Abitur – und sicher auch, weil ein Sohn in einem namhaften Internat ja auch kein schlechtes Statussymbol ist) lief es dann aber schulisch von Anfang an nicht besonders…

Trotz kleinerer, nicht unbeachtlicher Erfolge zwischendurch (insbesondere nach intensivem, betreutem Lernen, bzw. Vokabeltraining mit meinen Eltern in den Ferien – klassische Lernfächer (Latein) waren schon immer mein größtes Problem – im Gegensatz zu Deutsch, Erdkunde, Religion und dergleichen… wobei deren Status auch niedrig ist, wegen Religion und Erdkunde ist vermutlich noch niemand sitzengeblieben) war meine gesamte Zeit dort eher ein Hängen und Würgen, was das schulische angeht.
Was soziale Kontakte im Internat angeht, kann ich mich eigentlich nicht beschweren.
Zwar hat die Aufteilung nach Postleitzahl in den einzelnen Zimmern (im ersten Jahr war ich in einem Zimmer mit 6 anderen Jungs) dazu geführt, dass ich mit Kindern aus sozial starken Schichten aus München und dem Umland zusammenwohnte, was ich unterschwellig durchaus negativ zu spüren bekam…
Insgesamt kamen die Schüler (hier ganz bewusst die männliche Form, es war ein Internat ausschließlich für Jungs) aber aus ganz Deutschland – auch wenn es ein namhaftes Internat war, bei anderen Regionen war die soziale Herkunft weit weniger exklusiv bzw. weniger deutlich spürbar… sicher mit einer von vielen Gründen, wieso ich, ein gebürtiger Münchner, viele Aspekte meiner alten Heimat nur noch abstoßend finde.
Auch meine Pubertät, dann am Wittelsbacher Gymnasium in München von der siebten bis zur neunten Klasse, konnte meine schulische Laufbahn nicht verbessern. Wieder habe ich mich ein paar Jahre durchgehangelt… wieder bin ich gescheitert (in der 9. Klasse).
Zusätzlich zu den schulischen Problemen (die für mich zu diesem Zeitpunkt natürlich schon ein Dauerbegleiter waren, was kein gutes Gefühl ist) habe ich in dieser Phase auch mein Verhältnis zu meinen Eltern überdacht…
Wie dies vermutlich die meisten in diesem Alter so machen. Was mich von anderen unterscheiden dürfte, ist, dass unser Verhältnis danach distanziert geblieben ist. Emotional jedenfalls allemal. Bis zu diesem Zeitpunkt.
Dementsprechend haben meine Eltern dann auch erst reichlich spät erfahren (in diesem Zeitraum haben wir etwa 9 Monate im selben Haus gelebt, ohne ein Wort zu wechseln), dass auch das zweite Mal 9. Klasse (dieses Mal mit Französisch statt Altgriechisch… wesentlich besser lief das nicht) scheitern würde.
Für mich ist bereits vorher, beim ersten Scheitern in der neunten Klasse, eine Welt zusammengebrochen, denn ein zweites Mal zu wiederholen hat mir die Hoffnung genommen, noch jemals eine reguläre, erfolgreiche Schullaufbahn zu absolvieren… das erste Mal in der siebten Klasse war dagegen noch verschmerzbar, ohne Wiederholen schaffte es schließlich kaum jemand zum Abitur.
Danach habe ich resigniert.
Nachdem ich auch beim zweiten Durchgang in der 9. Klasse nicht die erforderlichen Noten hatte, war aus institutioneller Sicht erst einmal kein Voranschreiten mehr für mich vorgesehen. Es gibt keine Möglichkeit an einem bayerischen Gymnasium zu bleiben, wenn man zweimal innerhalb einer Stufe das Klassenziel nicht erreicht hat.
Es sei denn, man bezahlt mit Geld dafür! Für staatlich genehmigte Gymnasien (Privatschulen) gelten Sonderregeln, die für normale, staatlich anerkannte Gymnasien nicht gelten. Einziger Nachteil ist, dass man dort für den Unterricht bezahlen muss.
Also haben mich meine Eltern auf das Privatgymnasium Dr. Florian Überreiter geschickt.
Das alleine hat mir das Abitur jedoch auch noch nicht verschafft. Auch an staatlich genehmigten Gymnasien kann man durchfallen und scheitern. Bis zur Oberstufe geht es dort zwar verhältnismäßig locker zu, aber vor der entscheidenden Abiturphase wird auch dort aussortiert.
Insbesondere weil die letzte Prüfung eben das Abitur ist, das normale, zentrale, staatlich-bayerische Abitur.
(Mit Ausnahme kleiner Sonderregeln – wenn man extern das Abitur ablegt, kommen diverse schriftliche Prüfungen für die hinteren Fächer dazu)

Geschafft habe ich das, indem ich mich etwa 2 Jahre, fast täglich, Montag bis Samstag, nach der Schule in das Gasteig (Stadtbibliothek von München) zum Lernen begeben habe.
Das war eine sehr intensive Zeit, die ich nur dank zweier Freunde, die mich entscheidend zum Lernen motiviert haben, mit einem erfreulichen, persönlichen Erfolg beendet habe.
Letztlich habe ich nicht nur das Abitur bestanden, sondern sogar als Bester unter den externen Teilnehmer_Innen dieses Jahres abgeschnitten, mit einem Notendurchschnitt von 2,4 – für ein bayerisches Abitur schon nicht ganz schlecht, insbesondere wenn man nicht von den eigenen Lehrer_Innen, sondern eben extern von Fremden geprüft wird.
Ständige Motivation war zum damaligen Zeitpunkt neben Lernpartnern auch der Konflikt mit meinen Eltern. Letztlich ging es auch mir darum, mich durch einen höheren formalen Bildungsabschluss von meiner Herkunft zu distanzieren.
Das ist mir wohl auch gelungen. Gut ist das aber nicht unbedingt. Bildung hat dazu beigetragen, dass ich von meiner Familie sehr distanziert bin. Zusätzlich zu dem Umstand, dass der radikale Ehrgeiz meiner Eltern schon für sich alleine genügt hätte, um diese Distanz zu bewirken, wie das Verhältnis meiner Schwester zu meinen Eltern beweist.
Kaum war die schulische Last, mit Erhalt des Abiturs, von meinen Schultern gefallen, fühlte ich mich völlig unbesiegbar.
Das hat sich unter anderem daran gezeigt, dass ich innerhalb kürzester Zeit etwa 40 Kilogramm Gewicht verloren habe (ja, 40kg: von einem Höchststand von 124 Kilogramm etwa 2007 bis etwa 85 Kilogramm im Januar 2009).

Mein Studium der Rechtswissenschaften, welches ich schon aus den völlig falschen Beweggründen unmittelbar nach dem Abitur gewählt habe, ist dann zwar ebenfalls  im Sand verlaufen, aber die Gründe dafür sind ganz andere als bei meinen schulischen Misserfolgen.
Ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was ich eigentlich studieren sollte, bzw. ganz grundsätzlich mit meinem Lebe anzufangen habe.
Jura habe ich wohl gewählt, weil es als Massenstudiengang relativ präsent war in meinem damaligen  Bewusstsein, weil Jurist ein angesehener Beruf ist, der auch finanziellen Wohlstand verspricht und weil die Perspektive, ein solcher, angesehener Jurist zu werden, auch die vorangegangenen schulischen Erfolge wettgemacht hätte und den Plan meiner Eltern, einen gebildeten Vorzeigesohn heranzuzüchten, entsprochen hätte.
Die stark motivierenden (negativen) Beweggründe, die mich vorher durch die Abiturvorbereitung getragen haben, sind jedoch während des Jurastudiums verblasst.

Auch wenn es mich Studienerfolg gekostet hat, bin ich meinen Freunden, die diesen Wechsel in mir hervorgebracht haben, dankbar. Erst durch die guten Freunde und die vielen persönlichen Begegnungen, die ich außerhalb des Studiums, insbesondere zu meinen damaligen Arbeitskolleg_Innen im Meininger Hostel München erfahren habe, haben mich letztlich auf einen Weg gebracht, der mich zu selbstständigen Entscheidungen für mein Leben befähigt haben. Zwar ist auch die Wahl auf die Sozialökonomie fast ausschließlich aus pragmatischen Gründen erfolgt, aber über diesen zufälligen, glücklichen Fund bin ich ebenfalls sehr dankbar.

Sozialökonomie habe ich zum einen wegen der räumlichen Distanz zu München, weil es nun einmal einer der wenigen Studiengänge ist, der im Sommersemester beginnt, weil die Zulassungsvoraussetzungen (NC) unproblematisch waren und aus einem anderen, sehr persönlichen Grund, der ebenfalls nichts mit dem Fach zu tun hat, gewählt.
Der entscheidende Vorteil, den die Sozialökonomie beinhaltet, ist der, dass man im ersten Studienjahr nicht auf einen Schwerpunkt festgelegt ist, sondern diesen im dritten Semester wählt.

Erst weil ich in den ersten beiden Semestern in meinem interdisziplinären Grundkurs mit hochschuldidaktischen Methoden aus Teilnehmersicht vertraut gemacht wurde (ePortfolio), und weil sich direkt berufliche Perspektiven ergeben haben – meinen Job im Zentralen eLearning-Büro – habe ich lernen können, was Soziologie ist, und dass es mir ermöglicht, mich aus einer wissenschaftlichen Sicht sehr intensiv mit institutionellen und gesellschaftlichen Gründen für schulischen Erfolg oder Misserfolg auseinanderzusetzen. Ein größeres Geschenk, als eine Tätigkeit entdecken zu können, die als persönliche Berufung für das eigene Leben geeignet erscheint, kann man von einem Bachelorstudiengang kaum erwarten. Insofern hat es sich mehr als ausgezahlt, zufällig in der Sozialökonomie gelandet zu sein.

Soweit sei Euch erst einmal erklärt, wieso Soziologie für mich nicht nur eine Schwerpunktwahl seit zwei Semestern ist, sondern wieso es für mich zur Berufung wird. Der Bezug zu soziologischen Themen (insbesondere im Bereich Bildungsforschung) in meiner Biografie ist in meinen Augen sehr offensichtlich. Auch die Frage, welche Rollen moderne Medien hier spielen können ist, für mich relevant und lässt sich aus meiner Biografie (und meinen Kompetenzen) erklären.

Das war der Anfang.

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