Sozialstrukturanalyse: Haushaltsformen und Familienstruktur

Dieser Blogbeitrag ist etwas irregulär, eigentlich sind es eher Live-Notizen und eine Mitschrift aus einer Veranstaltung an der Universität… daher kann es möglicherweise etwas chaotisch aussehen 😉

Zunächst eine kurze Wiederholung der letzten Woche. Thema war das Modell des demographischen Überganges.

(Sehr) kurz zusammengefasst:

Zu einem ersten starken demographischen Wandel kam es um 1900. Durch verminderte Sterblichkeit (aufgrund von besserer Hygiene und besserer medizinischer Versorgung) sank das Geburtenniveau (zeitgleich fand Verstädterung, Industrialisierung statt).

2. Phase: Lokalisiert, Phasenspezifischer (1965) – Rückgang der Geburten (Wandel des Frauenbildes, Schwangerschaftsverhütung)

Folge: Bevölkerung altert und schrumpft.

Heutiges Thema: Wie leben Menschen zusammen? (Haushaltsformen und Familienstrukturen)

Zunächst gilt es einige Begriffe zu klären:

Familie: “Haushalte, in denen Erwachsene mit Kindern zusammen wohnen, wirtschaften und diesen sozialisieren.” Familie ist die zentrale Produktionsstätte sozialer Ungleichheit (für mich erstmal starker Tobak, weil ich daran glaube, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen kann… auch wenn es eigentlich klar ist – in welche Familie ich hineingeboren werde, ist relevant), weil sie die Chancen/Ressourcen beim Aufwachsen, die Chancen für Erbschaft, das Armutsrisiko, sowie die Verwirklichung von Lebensplänen bestimmt (materiell und immateriell).

Nach dieser Definition fallen Eltern, die nicht mit ihren Kindern zusammen Wohnen nicht unter diesen Familienbegriff… Bemerkenswert.

Funktionen: der Familie Sozialisationsfunktion; Platzierungsfunktion (Zuweisung einer sozialen Position in der Gesellschaft durch sozio-ökonomieschen Status der Herkunftsfamilie).

Früher war die Definition von Familie eher auf Produktion, Reproduktion, etc. abgestellt.

Haushalt: Zielt auf Zusammenwohnung ab (nicht auf verwandtschaftliches Verhältnis) -> Damit lassen sich auch WGs abbilden (war früher wohl schwierig).

Entwicklung:
“ganzes Haus” (Mittelalterliche Ständegesellschaft) -> Familie -> Pluralisierung von Lebensformen

Wobei die “bürgerliche Kleinfamilie” im 18./19. Jahrhundert nur ein Modell unter mehreren ist. In der Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs der 60er Jahre erfolgte eine Generalisierung dieses Modells.

Empfehlung der Dozentin: Museumsdorf Volksdorf

Moderne These: These vom Funktionsverlust (allg. “Verfall”) der Familie.
Ursache könnte sein, dass Familienaufgaben (Kranken- und Altersversorgung, Erziehung und Ausbildung) ausgelagert werden und Familie zur privatisierten Lebensform geworden ist, in der Emotionalisierung und Intimisierung das entscheidende Kernelement ist (“von der Not- zur Liebegemeinschaft”).

Es kommt zu einer großen Diskussion… ist die Auslagerung von Familienaufgaben ein Auslaufmodell? Kann es erfolgreich sein? Trifft dieses Modell überhaupt zu… da mir die subjektiven Sichtweisen der TeilnehmerInnen nicht sehr wichtig sind, lasse ich die Einzelmeinungen hier aus. Ergebnis der Diskussion: Spannende Entwicklung, mal sehen wie’s wird.

Es wird eine Untersuchung (eher Umfrage) vorgestellt. Antwort auf Frage “Braucht man eine Familie zum Glück?” (welchen Familienbegriff die TeilnehmerInnen der Umfrage im Auge haben bleibt unklar, bzw. ist jeweils unterschiedlich). Die Ergebnisse sind nach West- und Ostdeutschland aufgeteilt, kurz nach der Wiedervereinigung haben im Osten diese Frage mehr Menschen bejaht, als im Westen, der Unterschied hat sich in den darauffolgenden Jahren angeglichen. Einen großen Unterschied zwischen West und Ost gibt es bei der Frage, ob man bei dauerhaftem Zusammenleben heiraten sollte (wurde wohl auch abgefragt).

Eheschließungen und Ehescheidungen

Wir diskutieren Zahlen. Absolute Zahlen (wieviele Ehen werden geschlossen) sind relativ nichts sagend – Aufgrund des demographischen Wandels und aufgrund der Vermutung, dass es heute mehr Scheidungen gibt als früher, ist die Anzahl der jährlich geschlossenen Ehen wenig aussagekräftig, bzw. es lässt sich kein “Verfallsszenario” der Ehe ablesen.

Bildungshomogamie und -heterogamie von Ehen

Wir diskutieren eine Studie von 1997 – Man erkennt, dass sich die homogame Heirat bei Frauen ausgeweitet hat (Man unterscheidet zwischen Aufwärtsheirat, homogamer Heirat und Abwärtsheirat – homogame Heirat ist also eine Heirat im gleichen sozialen Milieu denke ich). Frauen heiraten weniger nach oben, als früher.

Scheidungen

Scheidungstransmission (Dieckmann): Scheidungskinder lassen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit einmal selber scheiden.
Scheidungsspirale (Dieckmann): Je akzeptierter Scheidungen werden, desto größer werden Zweifel an Dauerhaftigkeit von Beziehungen.

Man könnte auch anders argumentieren: negative Erfahrungen von Trennungen könnte auch dazu führen, dass man selbst eine besonders feste Beziehung wählt?

Pluralisierung der Lebensformen

Brainstorming-Runde: Patchworkfamilie, Commuter, Alleinerziehende, “Homosexuelle” (bzw. gleichgeschlechtliche) Lebenspartnerschaften. Binukleare Partnerschaft, Mehrgenerationenhaushalte, Wohngemeinschaften, und viele mehr.

Manche dieser Lebensformen sind schwer statistisch zu erheben, wie z.B. Wohngemeinschaften – schwer in Fragebogen zu pressen und die Durchführung derartiger Umfragen ist ebenfalls schwierig.

Alleinerziehende: Es ist ein Anstieg zu verzeichnen (präsenter in neuen Bundesländern). Alleinerziehende sind häufiger in Großstädten anzutreffen. Alleinerziehende Väter sind seltener (i.d.R. haben diese nur 1 Kind). Die mit Alleinerziehung zusammenhängenden Probleme, bzw. mögliche negative Konsequenzen (u.a. Frauen-Altersarmut) sind vielfältig.

Sind allein Lebende immer Singles?

Vor allem ein Phänomen bei älteren Personen (mehrheitlich Frauen). Ca. ein viertel der 18-55 Jährigen Alleinlebenden in Deutschland hat eine feste Beziehung, häufig ist dies eine Übergangsphae im Lebenslauf. Studie Nave-Herz 1997: Wir leben in einer Paargesellschaft, nicht in einer Singlegesellschaft. Die Dozentin gibt zu bedenken, dass es inzwischen zusätzliche Pluralisierungstendenzen gegeben haben könnte, gegenüber Ende der 90er Jahre (Zeitpunkt der Nave-Herz Studie).

Kinder(losigkeit)

Es wird scheinbar gesellschaftlich unterschätzt, dass es einen sehr starken Rückgang von Familien gibt, die mehr als 2 Kinder haben. (Das Thema war in früheren Sitzungen ausführliches Thema, daher nicht zuviel Input dazu in dieser Sitzung).

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