Was ist ein Spiel?

Sandkasten Spiel

“Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen in Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des Andersseins als das gewöhnliche Leben.”

Johan Huizinga (Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. 1939)

Leben wir in einer Wissensgesellschaft?

Kann man unsere Gesellschaft wirklich als Wissensgesellschaft bezeichnen?

Kann man unsere Gesellschaft wirklich als Wissensgesellschaft bezeichnen?

Professor Dr. Rudolf Kammerl hat zu diesem Thema, bzw. zu der Frage ob der Begriff “Wissensgesellschaft” auf unsere derzeitige Gesellschaft anwendbar ist, oder ob es sich dabei um einen Mythos oder eine Utopie handelt, im Rahmen einer Ringvorlesung (“Medien und Bildung“) einen Vortrag gehalten.

Die Aufzeichnung des Vortrages findet sich hier auf Lecture2Go. Im nachfolgenden kann man nachlesen, was ich persönlich besonders wichtig fand und aus dem Vortrag mitgenommen habe.

Um es vorneweg zu nehmen: Prof. Dr. Kammerl ist der Auffassung, dass “Wissensgesellschaft” keine zutreffende Beschreibung unserer Gesellschaft ist (seiner Meinung nach wäre der Begriff “Mediatisierte Gesellschaft” zutreffender), was für Diskussionsstoff während, bzw. nach dem Vortrag sorgte, weshalb man seine Begründung etwas genauer unter die Lupe nehmen muss, um diese Behauptung beurteilen zu können.

Prof. Dr. Kammerl geht bei seiner Argumentation von der Bedeutung des Begriffes “Wissensgesellschaft” aus, wie er durch seine Urheber geprägt wurde.

Der Begriff ist wohl zuerst (ca. 1966 “knowledgeable societies”) beim Politikwissenschaftler Robert E. Lane gefallen (andere Namen: Drucker, Bell, Stehr). Dieser verband mit diesem Begriff eine vorangig wissenschaftlich geprägte Gesellschaft (was sich mit dem Wissensbegriff, wie wir ihn verstehen könnten, bzw. wie er umgangssprachlich gebraucht wird, doch deutlich unterscheidet).

Bei Bell steht insbesondere die Ökonomie im Fokus der Betrachtung, die in einer Wissensgesellschaft nicht mehr von Industrie, sondern von Dienstleistungen abhängig ist. Berufsausbildungen würden in einer Wissensgesellschaft kaum noch eine Rolle spielen, weil eher die spontane Anpassung an ökonomische Bedürfnisse und lebenslanges Lernen wichtiger seien.

Das könnte man (wenn man wollte und entsprechenden Studien verwendet) wohl bereits von unserer Gesellschaft behaupten. Die Bildungsexpansion und der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft könnten vielleicht bereits als Begründung genügen, Deutschland als Wissensgesellschaft zu bezeichnen (obgleich auch der Ruf nach einer re-industrialisierung in Europa in den Medien präsent ist, wie Prof. Dr. Kammerl im Epilog seines Vortrages erwähnt).

Die, nach der Prognose zur Wissensgesellschaft, verlaufene Nutzung des Internets, die eher auf Unterhaltungs- und Kommunikationszwecke abzielte (Star Treck Newsgroups, Pornografie) anstatt auf eine wissenschaftlich geprägte Nutzung, sei dann nach Prof. Dr. Kammerl Grund, eher von einer “Mediatisierten Gesellschaft” statt einer Wissensgesellschaft zu sprechen.

Das ist meines Erachtens nachvollziehbar und schlüssig, obgleich wohl auch andere Interpretationen und Argumentationsstränge zulässig wären, womit ein endgültiges Urteil darüber ob der Begriff “Wissensgesellschaft” nun zutreffend sei oder nicht, letztlich nicht getroffen werden kann – es ist schlichtweg nicht eindeutig bzw. nicht exklusiv schlüssig (es gibt eine Reihe anderer Begriffsvorschläge zur Bestimmung unserer Gesellschaftsform).

Prof. Dr. Kammerl zieht auch noch andere Begründungen heran. Die Wertschöpfung des Wissenssektors in unserer Gesellschaft (20 OECD Länder) ist nach einer Studie von Dr. Daniela Rohrbach-Schmidt von 1970 bis 2002 von 14% auf 22% gestiegen. Das bedeutet, dass eine der ursprünglichen Thesen (Wissenssektor > 50%) für die Bestimmung einer Wissensgesellschaft bis heute nicht erreicht wurde.

Also. Zusammenfassend ist für mich entscheidend, dass mir der Vortrag einige wertvolle Hinweise geliefert hat, woran man den Begriff “Wissensgesellschaft” festmachen könnte und wo sein Ursprung lag. Des Weiteren, dass die Diagnose, ob er nun auf unsere Gesellschaft zutrifft oder nicht, durchaus streitbar ist. Persönlich schwierig, aber letztlich nachvollziehbar, finde ich die Fokussierung auf ökonomische Aspekte bei der Bestimmung unserer Gesellschaftsform da ich mir wünschen würde, dass ökonomische Faktoren nicht die entscheidende Größe bei der Bestimmung unserer Gesellschaft sein sollten. Letztlich gilt auch hier, dass die Verwendung ökonomischer Faktoren bei einer Begriffsbestimmung, die Assoziationen zu Wissen und Bildung zulässt (“Wissensgesellschaft”), zu einem funktionalistischen Bildungsverständnis beiträgt.

Hier geht es zum offiziellen Blogbeitrag zur Veranstaltung (im Blog der Veranstaltungsreihe Medien & Bildung).

Hypermedialisiertes Video: “Studieren und Lernen mit dem iPad”

In diesem Blogbeitrag möchte ich einige Hintergrundinformationen geben, wie ich dieses Video technisch erstellt habe.

Update 11. Januar: Ich habe gerade von der Anwendung “Reflectorapp” erfahren, mit der man die iPad Oberfläche auf den PC/Mac übetragen kann, ohne die Notwendigkeit zusätzliche Hardware zu verwenen! Das scheint eine funktionierende und kostengünstigere Alternative zu sein. Die Anwendung ermöglicht wohl auch mehrere iPads gleichzeitig auf einen PC-Desktop zu übertragen (siehe dieses Video).

Die Besonderheit liegt dabei insbesondere in der Verwendung von anklickbaren Kapitelmarken innerhalb des Videos sowie in der Tatsache, dass ein iPad-Screen abgefilmt ist.

Das Video ist in verschiedenen Schritten entstanden.

Zunächst habe ich die reine Bildschirmaufnahme erstellt. Dazu habe ich ein iPad 2 mit einem original “Digital AV Adapter” von Apple mit einem HDMI-Kabel an eine interne AVerMedia AverTV CaptureHD Karte, die in meinem Computer verbaut ist angeschlossen (dieses Modell).

In der bei der AVerMedia Karte mitgelieferten Software (AVerMedia Center 3D) ist dann allerdings lediglich die Anzeige des iPad-Bildschirminhaltes möglich. Für die Aufzeichnung des Screencasts habe ich die Software Fraps verwendet.

Der Bereich rechts im Video mit den Kapitelmarken und den Autoreninformationen ergab sich von der Größe automatisch (iPad-Screen + Kapitelmarken = 720p). In Adobe Photoshop habe ich entsprechend der Kapitel 7 Grafiken erstellt, die sich lediglich anhand der Postition eines Kapitelpfeiles unterscheiden.

Die mündlichen Erklärungen habe ich über ein Behringer X1204-Mischpult mit t.bone SC 400 Mikrofon (+Popfilter) über die Software Audacity aufgezeichnet.

In Adobe Premiere habe ich dann den Screencast, die Audiodateien und die Kapitelgrafiken zusammengefügt.

Das fertige Video habe ich zunächst ungelistet auf Youtube hochgeladen um ausreichend Zeit zu haben die einzelnen Kapitellinks hinzuzufügen, bevor das Video aufgerufen wird. Die Links sind dabei lediglich verlinkte “Anmerkungen”, wobei der Link immer auf das Video selbst zeigt und lediglich die Startzeit dann entsprechend unterschiedlich ist.

Die Idee das Video auf diese Art und Weise zu produzieren ging auf ein Seminar zurück, welches ich an der Universität Hamburg besucht habe (Hypermedialisierung von Bewegtbildinhalten) und wurde mit inspiriert durch das Video “Ink Wars” von Julian Fietkau.

Zum Stand der Blogosphäre…

Das Internet verändert sich und wie das mit Veränderungen so ist: manche gehen unbemerkt vonstatten und werden mir erst vollständig bewusst, wenn die Auswirkungen abgeschlossen sind und der vorherige Zustand spürbar nicht mehr vorhanden ist…

Für mich verhält es sich so mit der Blogosphäre. An anderer Stelle habe ich dieses Gefühl bereits vor einiger Zeit versucht zu artikulieren: “Blogs sind tot.” (im SocioEconomics Blog).

Besser ist dies im Spreeblick Blog ausgedrückt worden (zum Artikel: “2013: Das Web zurückerobern”).

Die Auswirkungen sind schon enorm, denn anstatt den NutzerInnen Kompetenzen abzuverlangen, nämlich die Kompetenz, die technischen Anforderungen zu erlernen/meistern, die notwendig sind um mitspielen zu können – in früheren Zeiten noch häufiger mit den Worten “RTFM!” (“Read the Fucking Manual”) ausgedrückt, kauen uns heute Facebook, Google+ oder Twitter alles so weit vor, dass wir kollektiv zu unmündigen Anwendern degradiert werden und eigentlich nur noch den Input liefern müssen.

Selbst wenn man sich selbst nicht zu den unmündigen Anwendern zählt, kann man sich der Konsequenzen letztlich nicht entziehen, weil man, um mitspielen zu können, dort präsent sein muss, wo die Masse ist (und die ist nicht verstreut in der Blogosphäre, sondern zentriert auf Facebook).

Das spielt aus meiner Sicht eine große Rolle. Zwar könnte man sagen: Es kommt auf die Inhalte an, ist doch egal ob ich meine Gedanken bei Facebook mit meinen Kontakten teile oder im eigenen Blog, aber aus meiner Sicht ist das überhaupt nicht egal.

Internetplattformen sind den Inhalten gegenüber nicht neutral.

Das ist eine wesentliche Erkenntnis, die meines Erachtens völlig verkannt wird. Um einen Aspekt hervorzuheben (der auch im Spreeblick-Blogpost genannt wird): Früher oder später wird einer der vielen URL-Shortener Dienste wie tiny.url, bit.ly oder wie sie alle heißen seinen Dienst einstellen. Daran habe ich keinen Zweifel. Mit dem Untergang eines dieser Dienste werden große Mengen an Tweets ihren Inhalt verlieren.

Wir wissen also bereits, dass wir hier eine Art Bibliothek von Alexandria haben, die früher oder später abbrennen wird, aber obwohl möglich, unternehmen wir nichts dagegen, stapeln weiter mit Kerosin getränktes Papier und hoffen, dass schon alles gut gehen wird.

Dass das Internet nichts vergessen würde ist eine Illusion, die manche Menschen glauben, die nicht verstehen, warum sie ältere Sachen von sich selbst in Suchmaschinen finden.

Facebook und co. erfüllen einfach einen anderen Zweck. Viele Leute haben früher auf ihren Blogs exakt das gemacht, was Facebook leistet. Die Leute brauchen jetzt natürlich kein Blog mehr, weil Facebook für manche Sachen halt einfacher ist.
(von Julian Fietkau als Kommentar im SocioEconomics Blog)

Jepp, es ist einfacher. Meine Meinung mit meinen Facebook-Freunden zu teilen ist sehr viel einfacher, weil ich dann wesentlich flapsiger, umgangssprachlich und weniger differenziert schreiben kann, als wenn ich in einem weltöffentlichen Blogbeitrag meine Gedanken ausdrücken möchte. Außerdem hat sich auch ein gewisser Konsenz herausgebildet, sich auf Facebook über seine Bekannten auf dem laufenden zu halten, anstatt deren RSS-Feeds zu abonnieren.

Nunja…

Es lässt sich jedoch jede Menge tun, um dies zu verhindern. Wir können – und das geht zu allererst an mich selbst – wieder mehr bloggen, auch wenn es sich nur um einen kleinen Link handelt, den man postet. Wir können – und das geht zu allererst an mich selbst – wieder mehr Blogs verlinken und wieder mehr auf Blogs kommentieren statt auf Facebook oder Twitter.

Ein schöner Vorsatz für das neue Jahr, dem ich mich selbst anschließen möchte.

Wer übrigens mehr darüber erfahren möchte, wie innerhalb der Blogosphäre Meinungen und Ideen (technisch) ausgetauscht werden können der sollte sich dringend dieses Video von Julian Fietkau über “Interaktionsformen in der Blogosphäre” ansehen:

Update 16.00 Uhr: Bin gerade auf diesen Artikel gestoßen, der in der pessimistischen Sichtweise des Spreeblick-Artikel ein Generationenproblem erkennt, herrlich zu lesen 🙂

Pilotprojekt: Bewertete ePortfolios an der Uni Hamburg

Vor wenigen Tagen ist im Hamburger eLearning-Magazin, Ausgabe Nummer 9 mit dem Titel “Mobile Learning” (zur PDF) ein Artikel von Helmut Hausner, Lehrbeauftragter “Vertriebsmanagement” an der Universität Hamburg (UHH) und mir erschienen (S. 65 f.).

Die Zusammenarbeit zwischen Herrn Hausner und mir begann mit einem ePortfolio-Workshop, den ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Mitarbeiter im Zentralen eLearning-Büro der UHH gebe.

Speziell für alle ePortfolio-Interessierten möchte ich hier noch einige ergänzende Informationen hinterlegen. Die restlichen eLearning-Bestandteile (Videoaufzeichnungen mit Veröffentlichung auf der Lecture2Go-Plattform und der Kurs im Learning-Management-System OLAT) sind denke ich ausreichend im Artikel erklärt, bzw. falls noch Informationsbedarf herrscht kann man ja auch hier kommentieren oder uns eine E-Mail zukommen lassen.

Wie im Artikel dargestellt, diente das ePortfolio im Seminar auch zur Bewertung (Benotung!) der TeilnehmerInnen.

Wie sich sowas grundsätzlich mit einer Prüfungsordnung vereinbaren lässt, habe ich mir bereits vor längerem überlegt (siehe hier). Erfreulicherweise lehrt Herr Hausner an meinem eigenen Fachbereich (Sozialökonomie), was erheblich erleichtert hat, ein maßgeschneidertes eLearning-Konzept für die auftretenden Bedürfnisse zu erarbeiten.

Ich bin der Auffassung, dass man derartige Veränderungen an den Prüfungsmodalitäten mit den Studierenden aushandeln kann (und sogar muss!), was die Legitimation der Bewertung steigert und Partizipation von den Studierenden einfordert.

Wenn ein offener Diskurs über die Form der Bewertung im Seminar herrscht, ist erwartungsgemäß auch die Gegenwehr gegen die spezielle Art der Prüfung gering (eine kleine Seminargröße ermöglicht diesen Diskurs dabei erst – im Seminar Vertriebsmanagement waren es unter 30 TeilnehmerInnen). Dementsprechend spielt es dann schon fast keine Rolle mehr, ob harte Kriterien vorhanden sind, die als Bewertungsmatrix die Benotung eines ePortfolios festlegen. Genauso wie die Benotung/Bewertung von Referaten in der Regel keinen harten Kriterien folgt.

Soweit mir bekannt, war die ePortfolio-Implementation im Seminar Vertriebsmanagement die erste Implementation eines notenrelevanten elektronischen Portfolios an der Universität Hamburg, außerhalb des Masterstudienganges “Master of Higher Education” des Zentrums für Hochschul- und Weiterbildung.

Es freut mich außerordentlich und ist mir eine große Ehre, dass ich dazu beitragen konnte, dieses Pilotprojekt zu ermöglichen.

Link zum Hamburger eLearning-Magazin “Mobile Learning” (PDF Dokument).

 

Implementationsstrategien für ePortfolios an Hochschulen (Teil1)

An der Universität Hamburg finden zur Zeit diverse Workshops für die MitarbeiterInnen im neuen Universitätskolleg statt.

Gestern fand der erste von zwei Terminen zum Thema ePortfolio statt. Marij Veugelers (@marijveugelers) von der Universität Amsterdam und Community Managerin der SURF Foundation, einem nationalen, holländischem, wissenschaftlich verankertem Projekt (mit dabei über 60 Hochschulen!), zur Verbesserung des Hochschulwesens im Bereich der Lehre und wissenschaftlicher Forschung allgemein erzählte etwas zum Thema Implementationsstrategien für Portfolios an Hochschulen.

Was mir zunächst auffiel: Die inhaltliche Spanne der SURF Foundation scheint breiter gefächert zu sein, als ich das von deutschen eLearning-Einrichtungen gewohnt bin. Es geht um Learning Spaces, Cloud Computing, ePortfolios eben, aber wohl auch, in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, um außeruniversitäre Problemstellungen, wie Schulabgänger ohne formale Qualifikationsabschlüsse (und ob die Kompetenzdarstellung in Portfolios hier nicht eine gute Alternative darstellt).

Auch ist die internationale Orientierung und Kooperation der holländischen Portfolio-Akteure beachtlich. Bereits seit 2004 kooperiert man dort mit dem United Kingdom, seit 2006 mit den skandinavischen Ländern. Selbstkritisch frage ich mich, ob wir in deutschen Bildungseinrichtungen zu oft, mit dem Hinweis auf die Besonderheiten des deutschen, föderalen Bildungssystems, Datenschutzbestimmungen oder sonstigem Käse, im deutschsprachigen Raum verbleiben wenn es um den Austausch über gute Lehr-Lern Arrangements geht. Spontan fällt mir hier erstmal nur Prof. Dr. Schulmeister ein, der wohl regelmäßig im anglo-Amerikanischen Raum unterwegs ist und sehr gut über hiesige Konzepte informiert ist. Es mag sich hier aber ein persönliches Defizit handeln. Daniel Spielmann z.B. scheint sehr gut zumindest über englischsprachige Portfolio-Koferenzen informiert zu sein.

Wie dem auch sei… Warum eigentlich ePortfolios?
Es ist für mich keine Überraschung, aber dennoch grausam anzuhören, dass Marij Veugelers jedes Jahr aufs neue Diskussionen mit Insititutionsangehörigen führen muss um zu erklären, dass das Portfolio vielleicht besser nicht als Überwachungstool (also ausführliches, digitales Studienbuch) eingesetzt werden sollte um besser kontrollieren zu können wann Studierende welche Prüfung nicht bestanden haben, welche Lernfortschritte sie im Portfolio nicht abgearbeitet haben, etc.

Ivo van den Berk (@ivo_vandenberk), vom Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung der Universität Hamburg, hat im Rahmen des Fachforum eLearning in Potsdam vor einiger Zeit ein Projekt der Universität Utrecht vorgestellt, das ein Stück weit in diese Richtung gegangen ist. Der relevante Teil findet sich etwa von Minute 20-30 in diesem Video.

Ok… Jetzt wo wir wissen, was wir nicht wollen… Was wollen wir eigentlich?

Diese Frage (die Frage nach dem Ziel der Portfolioarbeit) ist nach Marij Veugelers gegenüber den anderen Bereichen (Management, Anwender und Infrastruktur als äußere Rahmenbedingungen, sowie Lernaktivitäten und Lernumgebungen als innere Elemente) zentral.

Das Ziel der Portfolioarbeit lässt sich dabei, je nach gewünschter Funktion, zwischen den Bereichen “Planning”, “Showing” und “Reflecting” verorten. Diese Systematisierung entspricht den Grundtypen wie ich sie von Baumgartner kenne (Reflexionsportfolio, Entwicklungsportfolio, Präsentationsportfolio), wobei ihr sympatisch ist, dass die unterschiedlichen Einordnungen nicht streng getrennt voneinander betrachtet werden (was als idealtypische Betrachtungsweise sinnvoll sein kann), sondern je nachdem wo man den Punkt im Dreieck setzt, jeweils mehr vom einen, als vom anderen Element enthalten ist:

Planning – Showing – Reflecting

Planning – Showing – Reflecting

Zwischenfrage: Wie sieht das aus mit Portfolio-Standards?

Auch hier etwas, wo man in den Niederlanden weniger engstirnig zu denken scheint. Wie Marij Veugelers berichtet ist die aktuelle Diskussion teilweise auf dem Standpunkt, dass die “Cloud” vielleicht die Diskussion um Eigenheiten spezifischer Softwaresysteme überflüssig macht. Einen Ansatz den ich sehr gerne höre, weil er einen Gegenpool zur Diskussion im deutschsprachigen Raum darstellt (Jemand sinngemäß bei der Eröffnungskeynote auf der CampusInnovation: Praktiken US amerikanischer Firmen sind ein “Angriff auf europäische Datenschutzbestimmungen”… genauso war wohl Coca Cola  mal ein Angriff auf den Sozialismus).

Fortsetzung folgt…

 

Sozialstrukturanalyse: Haushaltsformen und Familienstruktur

Dieser Blogbeitrag ist etwas irregulär, eigentlich sind es eher Live-Notizen und eine Mitschrift aus einer Veranstaltung an der Universität… daher kann es möglicherweise etwas chaotisch aussehen 😉

Zunächst eine kurze Wiederholung der letzten Woche. Thema war das Modell des demographischen Überganges.

(Sehr) kurz zusammengefasst:

Zu einem ersten starken demographischen Wandel kam es um 1900. Durch verminderte Sterblichkeit (aufgrund von besserer Hygiene und besserer medizinischer Versorgung) sank das Geburtenniveau (zeitgleich fand Verstädterung, Industrialisierung statt).

2. Phase: Lokalisiert, Phasenspezifischer (1965) – Rückgang der Geburten (Wandel des Frauenbildes, Schwangerschaftsverhütung)

Folge: Bevölkerung altert und schrumpft.

Heutiges Thema: Wie leben Menschen zusammen? (Haushaltsformen und Familienstrukturen)

Zunächst gilt es einige Begriffe zu klären:

Familie: “Haushalte, in denen Erwachsene mit Kindern zusammen wohnen, wirtschaften und diesen sozialisieren.” Familie ist die zentrale Produktionsstätte sozialer Ungleichheit (für mich erstmal starker Tobak, weil ich daran glaube, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen kann… auch wenn es eigentlich klar ist – in welche Familie ich hineingeboren werde, ist relevant), weil sie die Chancen/Ressourcen beim Aufwachsen, die Chancen für Erbschaft, das Armutsrisiko, sowie die Verwirklichung von Lebensplänen bestimmt (materiell und immateriell).

Nach dieser Definition fallen Eltern, die nicht mit ihren Kindern zusammen Wohnen nicht unter diesen Familienbegriff… Bemerkenswert.

Funktionen: der Familie Sozialisationsfunktion; Platzierungsfunktion (Zuweisung einer sozialen Position in der Gesellschaft durch sozio-ökonomieschen Status der Herkunftsfamilie).

Früher war die Definition von Familie eher auf Produktion, Reproduktion, etc. abgestellt.

Haushalt: Zielt auf Zusammenwohnung ab (nicht auf verwandtschaftliches Verhältnis) -> Damit lassen sich auch WGs abbilden (war früher wohl schwierig).

Entwicklung:
“ganzes Haus” (Mittelalterliche Ständegesellschaft) -> Familie -> Pluralisierung von Lebensformen

Wobei die “bürgerliche Kleinfamilie” im 18./19. Jahrhundert nur ein Modell unter mehreren ist. In der Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs der 60er Jahre erfolgte eine Generalisierung dieses Modells.

Empfehlung der Dozentin: Museumsdorf Volksdorf

Moderne These: These vom Funktionsverlust (allg. “Verfall”) der Familie.
Ursache könnte sein, dass Familienaufgaben (Kranken- und Altersversorgung, Erziehung und Ausbildung) ausgelagert werden und Familie zur privatisierten Lebensform geworden ist, in der Emotionalisierung und Intimisierung das entscheidende Kernelement ist (“von der Not- zur Liebegemeinschaft”).

Es kommt zu einer großen Diskussion… ist die Auslagerung von Familienaufgaben ein Auslaufmodell? Kann es erfolgreich sein? Trifft dieses Modell überhaupt zu… da mir die subjektiven Sichtweisen der TeilnehmerInnen nicht sehr wichtig sind, lasse ich die Einzelmeinungen hier aus. Ergebnis der Diskussion: Spannende Entwicklung, mal sehen wie’s wird.

Es wird eine Untersuchung (eher Umfrage) vorgestellt. Antwort auf Frage “Braucht man eine Familie zum Glück?” (welchen Familienbegriff die TeilnehmerInnen der Umfrage im Auge haben bleibt unklar, bzw. ist jeweils unterschiedlich). Die Ergebnisse sind nach West- und Ostdeutschland aufgeteilt, kurz nach der Wiedervereinigung haben im Osten diese Frage mehr Menschen bejaht, als im Westen, der Unterschied hat sich in den darauffolgenden Jahren angeglichen. Einen großen Unterschied zwischen West und Ost gibt es bei der Frage, ob man bei dauerhaftem Zusammenleben heiraten sollte (wurde wohl auch abgefragt).

Eheschließungen und Ehescheidungen

Wir diskutieren Zahlen. Absolute Zahlen (wieviele Ehen werden geschlossen) sind relativ nichts sagend – Aufgrund des demographischen Wandels und aufgrund der Vermutung, dass es heute mehr Scheidungen gibt als früher, ist die Anzahl der jährlich geschlossenen Ehen wenig aussagekräftig, bzw. es lässt sich kein “Verfallsszenario” der Ehe ablesen.

Bildungshomogamie und -heterogamie von Ehen

Wir diskutieren eine Studie von 1997 – Man erkennt, dass sich die homogame Heirat bei Frauen ausgeweitet hat (Man unterscheidet zwischen Aufwärtsheirat, homogamer Heirat und Abwärtsheirat – homogame Heirat ist also eine Heirat im gleichen sozialen Milieu denke ich). Frauen heiraten weniger nach oben, als früher.

Scheidungen

Scheidungstransmission (Dieckmann): Scheidungskinder lassen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit einmal selber scheiden.
Scheidungsspirale (Dieckmann): Je akzeptierter Scheidungen werden, desto größer werden Zweifel an Dauerhaftigkeit von Beziehungen.

Man könnte auch anders argumentieren: negative Erfahrungen von Trennungen könnte auch dazu führen, dass man selbst eine besonders feste Beziehung wählt?

Pluralisierung der Lebensformen

Brainstorming-Runde: Patchworkfamilie, Commuter, Alleinerziehende, “Homosexuelle” (bzw. gleichgeschlechtliche) Lebenspartnerschaften. Binukleare Partnerschaft, Mehrgenerationenhaushalte, Wohngemeinschaften, und viele mehr.

Manche dieser Lebensformen sind schwer statistisch zu erheben, wie z.B. Wohngemeinschaften – schwer in Fragebogen zu pressen und die Durchführung derartiger Umfragen ist ebenfalls schwierig.

Alleinerziehende: Es ist ein Anstieg zu verzeichnen (präsenter in neuen Bundesländern). Alleinerziehende sind häufiger in Großstädten anzutreffen. Alleinerziehende Väter sind seltener (i.d.R. haben diese nur 1 Kind). Die mit Alleinerziehung zusammenhängenden Probleme, bzw. mögliche negative Konsequenzen (u.a. Frauen-Altersarmut) sind vielfältig.

Sind allein Lebende immer Singles?

Vor allem ein Phänomen bei älteren Personen (mehrheitlich Frauen). Ca. ein viertel der 18-55 Jährigen Alleinlebenden in Deutschland hat eine feste Beziehung, häufig ist dies eine Übergangsphae im Lebenslauf. Studie Nave-Herz 1997: Wir leben in einer Paargesellschaft, nicht in einer Singlegesellschaft. Die Dozentin gibt zu bedenken, dass es inzwischen zusätzliche Pluralisierungstendenzen gegeben haben könnte, gegenüber Ende der 90er Jahre (Zeitpunkt der Nave-Herz Studie).

Kinder(losigkeit)

Es wird scheinbar gesellschaftlich unterschätzt, dass es einen sehr starken Rückgang von Familien gibt, die mehr als 2 Kinder haben. (Das Thema war in früheren Sitzungen ausführliches Thema, daher nicht zuviel Input dazu in dieser Sitzung).

Minecraft Reflexion: Konzept für die zweite Staffel

Bevor ich mit der Umsetzung beginne wollte ich Euch gerne meine Ideen für meine zweite Educraft Staffel vorstellen.

Hier meine grundsätzlichen Überlegungen:

Die Idee für meine Minecraft-Serie war ursprünglich, ein breiteres Publikum außerhalb von Hochschulen zu erreichen und mit Themen aus der Universität (in meinem Fall eLearning, Sozialökonomie, Soziologie) zu versorgen.

Das hat bislang nicht funktioniert, was ich daran festmache, dass ich vorwiegend Feedback aus meinem universitären Umfeld erhalte. Ferner stelle ich fest, dass die Videos nur sporadisch angesehen werden. Ein festes Stammpublikum. welches regelmäßig die Inhalte verfolgt besteht aus maximal 2-3 Personen.

Ferner sollte die Minecraft-Serie mir selbst als Reflexionsportfolio dienen, also ein Medium sein, in dem ich meinen (Studien-)Alltag reflektiere und so Erkenntnisse über mich selbst gewinne.

Soweit ich das beurteilen kann, hat das ganz gut funktioniert, wobei es nach meinem Empfinden hier und da ein Stück weit daran mangelt, dass ich die nötigen Konsequenzen ziehe (das ist aber eher mein Problem und hat wenig mit dem Konzept/der Serie zu tun).

Ursachen:

Mein Eindruck ist, dass insbesondere im deutschsprachigen Raum die Unterscheidung zwischen dem persönlichen, privaten sowie dem öffentlichen Auftreten extrem strikt ist.

Nach Durchsicht diverser deutschsprachiger Minecraft Let’s Plays habe ich kein Beispiel dafür gefunden, dass in den öffentlich einsehbaren Youtube-Videos persönliche Erfahrungen oder Informationen preisgegeben werden. Es steht regelmäßig das Spiel oder oberflächliche eher lapidare Kommunikation im Vordergrund (soll nicht abwertend gemeint sein).

Die Ursachen dafür kenne ich nicht. Aufgrund der Art und Weise der Kommunikation in den deutschsprachigen LPs, die mich immer wieder an Formate wie TV Total erinnert, ist meine persönliche Vermutung, dass die deutschsprachigen Massenmedien (Fernsehen) die deutschsprachige Spielevideolandschaft prägen.

Bei englischsprachigen Minecraft Let’s Plays finde ich eher Beispiele für einen selbstreflexiven Inhalt (was damit zusammenhängen könnte, dass ich nur englischsprachige Let’s Plays auch regelmäßig verfolge). So reflektiert Guude in vielen seiner Videos, wie wenig Zeit er für Minecraft hat, seit seine Tochter zur Welt gekommen ist oder wenn eine Bedienung im Restaurant unhöflich zu ihm war. Kurtjmac, das perfekte Beispiel für ein Projekt mit Bildungscharakter, weil er an Wissenschaft interessiert ist, und zudem seine “Far Lands or Bust” Serie dazu nutzt Geld für einen wohltätigen Zweck zu sammeln, reflektiert in seinen Videos beispielsweise wie er unter seiner Pubertät gelitten hat. Bei BdoubleO100 konnte man dabei sein, als er sich dazu entschieden hat, mit der Tradition in seiner Familie zu brechen, den elterlichen Zimmermanns-betrieb einzustellen und stattdessen in Vollzeit Youtube-Videos zu produzieren.

Mir fallen noch viele weitere Beispiele dafür ein, wie Minecraft-Spieler ihren Alltag oder ihre persönliche Situation reflektiert haben. Darin liegt meiner Einschätzung nach ein großer individueller Gewinn für diese Personen und das ist ja letztlich auch das, was ich in meiner Serie umsetzen möchte (wenn auch mit etwas stärkerem Bezug zur Universität).

Wie kann ich das erreichen? Die Maßnahmen die ich angepeilt habe sehen so aus:

1. Das war der letzte Beitrag in deutsch. Das deutschsprachige Umfeld auf Youtube ist mir für dieses Projekt zu schwierig. Meine Videos werde ich also versuchen zukünftig exklusiv auf englisch zu produzieren.

2. Aufsplittung der Serie. Zukünftig möchte ich in den normalen, aufgezeichneten Videos den reflexiven Charakter zurücknehmen (stattdessen eher Erklärvideos) und dafür das Medium (Minecraft) mehr zur Geltung kommen lassen. Für die überwiegend gedankenfokussierten Episoden wird es zukünftig regelmäßige Live-Streams geben (ob es dafür Zuschauer gibt ist mir zunächst mal völlig egal), was dem “Stream of consciousness” einger meiner Folgen entgegenkommen dürfte und zudem regelmäßige Konsumenten der Hauptserie hoffentlich nicht vergrault (wer gerne 20 Minuten mit seichter Kommunikation und Spielspaß unterhalten werden möchte, dürfte von einem einstündigen Video über ePotfolios doch eher abgeschreckt sein).

3. Zusätzlich reine Minecraft Inhalte. Da mir das Spielen, Aufzeichnen, Postproduzieren und Veröffentlichen Spaß macht, wird es in meinem Kanal zukünftig auch reine Minecraft-Inhalte, (scheinbar) unabhängig vom Bildungskontext geben. Testweise hatte ich damit bereits vor einigen Monaten auf einem zweiten Kanal angefangen (siehe hier), was ich dann demnächst in meinen Hauptkanal überführen werde.

Mit diesen Ideen verbinde ich auch das Aufgeben im universitären Kontext für Unterstützung für dieses Projekt zu werben (Sowohl was Mitspieler_Innen, als auch Unterstützung durch die Institution angeht). Bereits in der fünften Ausgabe habe ich versucht klar zu machen (hier kann man es nochmals nachhören), dass die Situation und Voraussetzung der Lernenden für dieses Projekt der entscheidende Faktor sind. Wenn im deutschsprachigen Raum die Voraussetzung der Konsumenten nicht so ist, dass Bildungsinhalte über Minecraftvideos angeregt werden können, dann kann man nachsteuern und verbessern, oder (wie ich das jetzt mache) sucht einen anderen Raum, in dem das eher möglich scheint.

Soweit meine Ideen für die zweite Staffel “EduCraft with Michael”. Über Ideen, Anregungen oder Kritik würde ich mich freuen.

Minecraft Reflexion: Letzte Folge

Dies ist die letzte Ausgabe von “Minecraft als Reflexionswerkzeug”.

Das bedeutet nicht, dass ich aufhöre Minecraft zu spielen oder Videos im Internet zu veröffentlichen. Es bedeutet, dass der experimentelle Anfang ein Ende finden soll.

Durch viele viele Gespräche und Feedback, unter anderem auf der Researching Games in Wiesbaden oder auf dem KunterBuntenSeminar am Fachbereich Informatik ist mir klarer geworden, was mit diesem Format erreicht werden kann und was nicht. Um meine Ideen verwirklichen zu können möchte ich einen kleinen Cut machen und frisch beginnen.

Zum krönenden Abschluss der ersten Staffel versuchen Julian und ich den Enderdrachen zu besiegen. Mal sehen ob uns das gelingen kann 😉 !