Die Grounded Theory Methode

Auf diesen genialen Podcast, in dem die “Grounded Theory Methode” erklärt wird, bin ich zufällig gestoßen. Nachfolgend eine Zusammenfassung der für mich wesentlichen Inhalte.

Grounded Theory ist eine Sammlung von Forschungsmethoden zur Entwicklung einer Theorie, und ein eigener Forschungsstil, der die wissenschaftlichkeit von qualitativen Methoden zu begründen vermag.
Der Ansatz ist so umfassend, dass mit ihm auch quantitativ erhobene Daten in den Forschungsprozess integriert werden können.

Ausgangspunkt war die Veröffentlichung einer Monographie von Anselm Strauß und Barney Glaser 1967 mit dem Titel: “Discovery of Grounded Theory: Strategies for Qualitative Research”.

Die “eine” Grounded Theory Methode gibt es nicht, sie ist mittlerweile ein Oberbegriff für unterschiedliche erkenntnistheoretische und methodologische Positionen. Seit der Begründung in den 60er Jahren hat sich die Methode in verschiedene Richtungen weiterentwickelt.

Die Grounded Theory erlaubt die Entwicklung einer Theorie aus empirischen Datenmaterial heraus. Charakteristisch ist der kontinuierliche Analyseprozess und die Verwebung von Datensammlung und Datenanalyse im Rahmen des Theoretical Sampling. Datenerhebung und Datenauswertung finden also nicht nacheinander, sondern eher miteinander statt. Die Auswahl des nächsten Datenmaterials erfolgt als Konsequenz aus der Analyse des letzten Datenmaterials.

Vergleichen bildet dabei das Erkenntnisinstrument. Durch das Vergleichen sollen bis dahin implizit gebliebene Aspekte an die Oberfläche treten.

Man könnte beispielsweise einen Apfel analysieren. Für sich genommen lässt sich etwa Gewicht, Geschmack und die Größe feststellen. Um die Erkenntnis zu festigen, was einen Apfel ausmacht, kann man ihn vergleichen. Spezifische Eigenheiten des Apfels, wird man beispielsweise entdecken, wenn man ihn mit anderen Äpfeln vergleicht. Beim Vergleich eines Apfels mit einem Kraftwerk könnten Fragen über die nötige Energie beim Verspeisen eines Apfels in den Fokus rücken.

Beim Entwickeln und Entdecken von Theorien ist Kreativität nötig. Dabei soll die Grounded Theory helfen.
Unter dem Dach der Grounded Theory werden verschiedene Methoden der Datenanalyse vereinigt. Sie stellt Kodierverfahren und die Memotechnik zur Verfügung.
Daten werden aufgebrochen und zu Konzepten und schließlich zu Kategorien verdichtet. Begriffe werden gefunden, die verschiedene Datenausschnitte in Beziehung zueinander setzen und somit Zusammenhänge erkennbar werden lassen.
Der gesamte Forschungsprozess wird schriftlich in Form von Memos festgehalten. Die Auseinandersetzung mit Daten (kodieren und analysieren) wird in Memos festgehalten. Memos können Diagramme enthalten und Beziehungen zwischen Codes und Kategorien visualisieren. Planungsmemos können Hinweise und Fragen für den weiteren Datenerhebungsprozess enthalten. Theoretische Memos fassen relevante Aspekte in der Foschungsliteratur zusammen und integrative Memos fassen mehrere Memos zusammen. Alle Memos dienen zur Stimulierung des Schreibens und zum Vorantreiben der Theoriebildung. Bei jedem Nachdenken über den Foschungsprozess oder Beschäftigung mit den Daten sollte geschrieben und ein Memo angelegt, oder weitergeschrieben werden. Dadurch wird wissenschaftliches Schreiben geschult und am Ende steht Material zur Zusammenfassung zur Verfügung. Mir stellt sich dabei die Frage ob ein Memo nicht auch ein Eintrag in ein Blog sein könnte und ob ich an dieser Stelle bereits an einem Memo bezüglich einer Forschungsarbeit schreibe.

Wie bereits erwähnt, entwickelt sich die Grounded Theory fortlaufend weiter und wird auf unterschiedliche Bedürfnisse angepasst.

Günter May und Katja Muck haben in ihrem “Grounded Theory Reader” vier Entwicklungslinien ausgemacht.

Situational Analysis
Diese Entwicklungslinie geht von Anselm Strauß aus. Sie versucht die Grounded Theory von den positivistischen Wurzeln abzulösen und sie postmodern auszurichten. Charakteristische Begriffe sind dabei Multisite-Forschung und Maps.

Konstruktivistische Ausrichtung
Kathy Charmaz vollzieht diese Neuausrichtung hin zum Konstruktivismus. Theorien werden nicht entdeckt und emergieren nicht aus den Daten. Grounded Theories werden durch Interaktionen im Rahmen des Forschungsprozesses gemeinsam konstruiert und sind multi-perspektivisch. Empirische Phänomene werden relativ zu einem historischen Zeitpunkt verstanden.

Classic Grounded Theory
Hier ist Judith Holton zu nennen. Grounded Theorien sind dabei unabhängig von Zeit, Ort und Personen und bestehen aus Konzepten. Die Relevanz emergiert aus den Daten und darf nicht erzwungen werden. Emerging VS. Forcing ist dabei auch die häufig gefundene Abgrenzung dieser Entwicklungslinie zur Grounded Theory von Strauß und Glaser.

Reflexive Grounded Theory
Diese Grounded Theory geht auf Franz Breuer zurück und ist ein Versuch, die Grounded Theory in die Psychologie zu bringen, wobei sie auch für alle anderen Sozialwissenschaften anwendbar sein soll. Die Forschenden versuchen dabei nicht länger unsichtbar zu bleiben. Das Element der Reflexion und Selbstreflexivität wird erkenntnisproduktiv gemacht und in den Forschungsprozess integriert. Entscheidungen der Forschenden sollen auch in ihren personenaffinen Aspekten reflektiert und als Bestandteil des Forschungsprozesses ernstgenommen werden. Durch diese Auseinandersetzung wird man möglicherweise zu zusätzlichen, oder anderen Forschungserkenntissen gelangen.

Wie setzt man eine Stichprobe unter dem Grounded Theory Paradigma zusammen?
Die Grounded Theory hat dafür ein eigenes Verfahren, das Theoretical Sampling, entwickelt. Der Begriff könnte mit “theoriegeleitetes Erhebungsverfahren” übersetzt werden.
Wenn man eine Forschungsfrage untersucht, muss überlegt werden, wer gefragt wird oder wer beobachtet wird, und wohin man gehen muss, um Antworten auf eine Forschungsfrage zu erhalten. Das Theoretical Sampling leitet diese Entscheidungen methodisch, systematisch, reflektiert und begründet an. Die theoretische Sensitivität ist dabei ebenfalls bedeutend. Bei der Zusammenstellung einer Untersuchungsstichprobe weist es drei Besonderheiten auf. Zunächst sollen Forschungspartner_Innen gesucht werden, die möglichst unterschiedliche, oder widersprüchliche Antworten und Ideen bezüglich des Forschungsthemas geben. Je mehr unterschiedliche Fälle in einem Konzept integriert werden können, desto größer sind der Radius der Theorie und ihre Reichweite. Ferner soll die Stichprobe nicht zu Beginn des Forschungsprozesses definiert werden, sondern im Forschungsprozess gewählt werden, abhängig davon, welche Untersuchungsaspekte innerhalb der sich entwickelnden Theorie geklärt und abgebildet werden müssen. In einem offen angelegten Forschungsprozess entwickeln sich häufig Fragen, die vorher nicht absehbar waren, insofern macht die Auswahl der Stichprobe während des Forschungsprozesses Sinn. Abgeschlossen ist das Theoretical Sampling dann, wenn das Hinzuziehen weiterer ForschungspartnerInnen keine weitere Aussicht auf Erkenntnisse verspricht. Dies wird als theoretische Sättigung bezeichnet.

Die Grounded Theory bemüht sich in erkenntnistheoretischer Hinsicht um Zurückhaltung und Vorsicht, weil die Gültigkeit der Aussagen und Konzepte durch eine Spezifizierung der Bedingungen der Konzepte, entsprechend des Kodierparadigmas, zu bestimmen ist.

Was ist eine Kategorie?
Kategorien spielen in der gesamten Geschichte der Wissenschaft und Philosophie eine große Rolle. Im historischen Wörterbuch der Philosophie besteht der Eintrag dazu aus 180 Absätzen. Wenn man über das Nachdenken nachdenkt und betrachtet, was beim Denken geschieht, werden Kategorien relevant. Aristoteles entwickelte eine eigene Theorie über Kategorien die bei ihm Aussageschema sind, mit dem Ziel, Mehrdeutigkeit zu vermeiden.
Das Kategorienverständnis der Grounded Theory ist verwurzelt im Kategorienverständnis vom Philosophen Alfred North Whitehead. Kategorien sind bei ihm ein kohärentes, notwendiges, logisches System allgemeiner Begriffe, das sich in der Interpretation der Erfahrungswelt als anwendbar und adäquat erweisen muss. Kategorien erscheinen als Begriffe, durch die das menschliche Erkennen sich den allgemeinsten Bestimmungen der Wirklichkeit annähert.
Kategorien sind also Begriffe die das, was wir zu verstehen glauben, beschreiben, ordnen und zusammenfassen. Bei der Grounded Theory ist das besondere, dass Ähnlichkeiten und Beziehungen der Daten zu einer fortschreitenden Entwicklung der Kategorien und ihrer Beziehungen zueinander herangezogen werden.
Bei Kategorien müssen immer auch Codes und Konzepte mitgedacht werden, weil diese drei Begriffe von den Begründern der Grounded Theory nicht durchgängig einheitlich voneinander getrennt wurden. Eine konsequente Unterscheidung ist für die Entwicklung einer Grounded Theory nicht notwendig, da die Übergänge von Kategorien, Codes und Konzepten auch im Prozess der Datenanalyse fließend sind. Zentral für den Prozess der Datenanalyse und den Theorieentwicklungsprozess ist das Konzeptualisieren der Daten, worunter man das Benennen von Phänomenen mit Hilfe von abstrakteren und prägnanteren Begriffen, als dies bei oberflächlichen Beschreibungen üblich wäre, versteht.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung, bei dem die selbe Handlung unterschiedlich beschrieben wird:

Beobachtung:
Zwei Menschen sprechen miteinander.

Konzeptualisiert:
Ein Mensch berät einen anderen.

Beraten ist hier eine konzeptualisierte Beschreibung, weil eine Rollenverteilung impliziert ist und Fragen nach der Beziehung zueinander, dem Gegenstand der Beratung, der Qualität der Beratung, etc. aufgemacht werden.

Die Konzeptualisierung von Daten führt durch die Generierung von Fragen zu einem Aufbrechen der Daten, die dadurch zusammengefasst, geordnet und zum Sprechen gebracht werden. Diese Charakterisierung trifft gleichermaßen auf Konzepte, Codes und Kategorien, weshalb eine weitere Differenzierung nicht sinnvoll ist. Kategorien stehen im Mittelpunkt der Bemühungen des Forschenden.

Unterscheidungen treffen und Dimensionalisieren gehört nach Strauß zur Basis der Grounded Theory. Dimensionalisieren bedeutet dabei zunächst ebenfalls, Unterscheidungen zu treffen, diese führen jedoch zu Dimensionen eines Themas, bzw. Codes oder Kategorien führen. Dimensionalisierungen sind also eine Teilmenge aller Unterscheidungen die getroffen werden können. Dimensionen werfen Fragen nach anderen Fällen auf, Dimensionierungen helfen also auch, Kriterien zu entdecken, nach denen man weitere Daten sucht oder durchforstet.

Wie findet man Kategorien?
Diese Frage ist wichtig, weil üblicherweise in Forschungsarbeiten große Unsicherheit darüber herrscht, ob man eine Kategorie oder einen Code gefunden hat. Es ist allerdings kein Automatismus Kategorien zu finden. Das Prinzip der Analyse und Konzeptionalisierung ist eher, als die Suche nach Kategorien, in den Fokus zu nehmen (auch wenn es dabei bleibt, dass Kategorien im Mittelpunkt der Bemühungen stehen, es scheint, als wäre die Perspektive hier entscheidend und nicht der Gegenstand). Strauß schlägt vor, für die Analyse gesammelter Daten verschiedene Kodierverfahren (offenes-, selektives-, axiales-Kodieren) zu nutzen. Diese Verfahren werden nach Faustregeln angewendet, sind also eher ungenaue Analysemethoden. Dahinter steckt jedoch die Überzeugung, dass jede Forschungsfrage anders ist und die Methode dem Forschungsgegenstand angepasst werden muss. Damit dies möglich ist, besitzen die Methoden der Sozialforschung eine gewisse Offenheit und Flexibilität.

Der Podcast geht an dieser Stelle noch weiter (meine Zusammenfassung ist bis Minute 48 ziemlich ausführlich). Das genügt mir für den Anfang jedoch.

Gefangenendilemma und Rational Choice Theorie

An dieser Stelle hatte ich ursprünglich ein Youtube-Video verlinkt. Die Aufzeichnungen der Veranstaltung “Handlungstheorie” von Professor Dr. Ludwig Schneider sind allerdings noch über das Medienportal der Universität Osnabrück aufrufbar. Über das Suchformular, sollte sich die Veranstaltung finden lassen, die zu diesem Blogbeitrag gehört.

Die Bezeichnung “Gefangenendilemma” geht auf Albert William Tucker zurück, ist aber als soziales Dilemma schon vorher in Erklärungsansätzen für soziales Handeln immanent und ist der Wert-Erwartungstheorie zuzurechnen, bei der Handlungsalternativen so bewertet werden, dass der wahrscheinlich eintretende persönliche Nutzen am höchsten ist.

Die Herleitung erfolgt über die offene Frage bezüglich des Überganges vom Naturzustand bei Thomas Hobbes, dem Krieg aller gegen alle, zum Gesellschaftsvertrag, der als Erklärungsursache dafür dient, dass wir trotzdem in einer grundsätzlich eher friedlichen Gesellschaft leben (siehe hier).

Das Gefangenendilemma lässt sich mit einer Geschichte über Straftäter veranschaulichen und die möglichen Ergebnisse in einer Matrix darstellen:

gefangenendilemmaEs geht darum, dass zwei egoistische Menschen, A und B, erwiesenermaßen gemeinsam eine Straftat begehen, deren Höchststrafmaß bei 6 Jahren Haft liegt.

Beim Gefangenendilemma geht es um die Situation im Verhör. Jede der beiden Personen kann entweder schweigen, oder gestehen.

Wenn beide schweigen, bekommen sie jeweils 2 Jahre Haft. (Zusammen 4 Jahre)
Wenn beide gestehen, bekommen sie jeweils 4 Jahre Haft. (Zusammen 8 Jahre)
Wenn eine Person schweigt, die andere gesteht, bekommt die schweigende Person 6 Jahre, die gestehende 1 Jahr. (Zusammen 7 Jahre)

Letztlich wäre es also, gemeinschaftlich betrachtet, am günstigsten, beide würden schweigen. Zu diesem Verhalten kommt es aber wohl empirisch nicht, weil immer eine Person versucht, sich durch gestehen besser zu stellen (im günstigsten Fall bekäme diese Person dann nur 1 Jahr Haftstrafe).

Das Gefangenendilemma beinhaltet eine Paradoxie, aus der man ein Folgeproblem ableiten kann. Aus der Sicht rationaler Nutzenoptimierer wäre es wünschenswert, wenn es eine soziale Norm gäbe, aus der hervorgeht, dass beide Beteiligte schweigen.
Diese soziale Norm könnte beispielsweise in der Vereinbarung bestehen, nach der Haftstrafe für das Gestehen vor Gericht ermordet zu werden, wie dies beispielsweise, aus Sicht der Akteure, in mafiösen Strukturen denkbar ist.

Wenn man davon ausgeht, dass die Rational Choice Theorie zutrifft, also davon ausgeht, dass Menschen rational und egoistisch, entsprechend des im Gefangenendilemmas prognostiziertem Verhalten handeln (auch bei mehr als nur zwei Beteiligten), kann ein erwünschtes, gesamtgesellschaftlich rationales Verhalten nur normiert werden, wenn die Etablierung der Normen, einschließlich der Sanktionsmöglichkeiten, gesellschaftlich gewünscht, also rational erstrebenswert, sind.

Lösung: Da für alle einzelnen Akteure zunächst das Betrügen am vorteilhaftesten wäre, stellt sich die Fragen, wer sanktionieren könnte. Dieses Gefangenendilemma zweiter Ordnung bleibt strukturell ungelöst, sofern das Problem der Sanktionskosten nicht gelöst wird. In der Rational Choice Theorie gibt es die Möglichkeit, dieses Dilemma zu überwinden, indem die Zeitdimension mit betrachtet wird. Die These dazu lautet, dass wenn sich die Betrogenen erneut begegnen und eine erneute Transaktion möglich wird, wäre es attraktiver nicht zu betrügen. Dies wird als Reputationseffekt bezeichnet. “Klatsch”, als schwache Sanktion, dient also als Mechanismus sozialer Kontrolle in kommunikativen Netzwerken (und zwar nur dort). Damit fallen alle Sanktionskosten weg, weil auch für die Betreibenden von Klatsch positive Effekte anfallen, insofern als dass diejenigen sich selbst durch das Erzählen als interessant darstellen können.

Soweit die (für mich) vorläufig wichtigsten Erkenntnisse aus der Rational Choice Theorie

Soziale Konstruktion von Realität – Idee für eine Hausarbeit

In diesem Semester habe ich einen Kurs, in dem es um soziale Konstruktion von Wirklichkeit, genauer um die Autobiografie von Marcel Reich-Ranicki: “Mein Leben”, aus soziologischer Sicht geht.

Ich möchte den Kurs gerne mit einer Hausarbeit abschließen und habe mir einige Gedanken über den möglichen Inhalt gemacht.

Hausarbeiten schreiben sich leichter, wenn einen das Thema interessiert. Foto: KIT-Bibliothek, Lizenz: CC: BY, NC, SA http://www.flickr.com/photos/kit-bibliothek/

Hausarbeiten schreiben sich leichter, wenn einen das Thema interessiert.
Foto: KIT-Bibliothek, Lizenz: CC: BY, NC, SA
http://www.flickr.com/photos/kit-bibliothek/

Eine “richtige” soziologische Forschungsarbeit scheidet aus, das wäre meine erste Hoffnung gewesen.

Die Idee eine Forschungsarbeit, ausgehend vom Buch Marcel Reich-Ranickis durchzuführen finde ich zwar relativ interessant und vor allem eine inspirierende Idee, aber das ist selbst dann unrealistisch, wenn man versuchen würde den Umfang der Arbeit auf ein unwissenschaftliches Maß zu begrenzen.
Jedenfalls wenn ich ernsthaft ein vorzeigbares Ergebnis anstrebe, was ich tue.

Eine Forschungsarbeit scheidet nicht nur aus, weil man eine Diskursanalyse nicht mit nur einer Autobiografie durchführen kann. Schon die Überlegung, welchen Datenkorpus man bilden müsste, könnte eine eigene Forschungsarbeit sein.

Stattdessen könnte meine Hausarbeit aber vielleicht die Zusammenfassung einer begründeten Überlegung zur Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit sein. Also insbesondere auch beinhalten, welche wissenschaftliche Methode, aus welchen Überlegungen heraus, in Frage kommt.

Die Methode kann dabei nicht ohne ein spezifisches Forschungsinteresse, bzw. eine Forschungsfrage gedacht werden. Mein persönliches Forschungsinteresse in diesem Fall hängt mit meinem Interesse für institutionelle Bildung zusammen und wäre (Arbeitstitel):

Soziologische Analyse des gegenwärtigen Diskurses über die gymnasiale Schulzeit zwischen 1933 bis 1939 aus der Perspektive von deutschen jüdischen Glaubens.

Im Rahmen der Hausarbeit würde ich Überlegungen darüber anstellen wollen, welche unter den vielen Diskursanalysen die Analyse eines Gegenwartsdiskurses erlaubt.
Da das Werk von Marcel Reich-Ranicki kein Geschichtsdokument, sondern zeitgenössische Literatur ist, haben wir es mit einem Artefakt aus einem Gegenwartsdiskurs zu tun.
Das macht einen Unterschied bei der methodischen Herangehensweise.

Außerdem würde ich gerne methodische Überlegungen anstellen wollen, welche Herangehensweise bei der Auswahl der weiteren Artefakte des Datenkorpus zielführend sein könnte.

Dafür plane ich einen Exkurs in die reflexive Grounded Theory Methode nach Franz Breuer. In diesem Teil würde ich unter anderem die Frage aufwerfen wollen, ob für das Theoretical Sampling nicht auch zeitgenössische Filme, Zeitungsartikel, Radiosendungen herangezogen werden müssten um einen ausreichend umfassenden Datenkorpus für die Diskursanalyse generieren zu können.

Soweit meine erste Ideen, die ich gerne meinem Dozenten vorstellen möchte. Mal sehen, welches Feedback ich erhalte und ob theoretische Überlegungen zur Herangehensweise an eine Forschungsarbeit ein geeignetes Thema für eine Hausarbeit sind.

Werte und Normen als Orientierungsgrundlage bei Talcott Parsons

Talcott Parsons versuchte mit seinem Werk von 1937, The Structure of Social Action, eine allgemeine Theorie des Handelns zu entwickeln, die nach seiner Ansicht bei Max Weber, Émile Durkheim, Alfred Marshall und Wilfried Pareto bereits angelegt ist.

Parsons geht es gleich zu Beginn darum, eine allgemeine Theorie des Handelns zu entwickeln, er hat also, im Gegensatz zu Weber, keine Idealtypen aus empirischem Material herausbilden wollen. Er formuliert einen Referenzrahmen des Handelns (Action frame of reference). Die Orientierung an Zielen wird dabei für Handeln als universell gesetzt. Ohne Zielsetzung kommt man nicht aus. Auch affektuelles Handeln wird mit Zielen verknüpft (z.B. eine affektuelle Handlung als Rache). Über die Rationalität der Handlung ist damit noch nichts gesagt.

Dieser Kernbereich genügt Parsons jedoch noch nicht, um Handeln zu beschreiben.

Bei Parsons spielen Werte und Normen eine Rolle Foto von are, Lizenz: CC, BY http://www.flickr.com/photos/evangelisch_de/3389858650/

Bei Parsons spielen Werte und Normen eine Rolle
Foto von are, Lizenz: CC, BY
http://www.flickr.com/photos/evangelisch_de/3389858650/

Normative Standards sind bei Parsons eine weitere Ressource, die bei jedem Handeln involviert sind – dies stellt einen Gegensatz zu Weber dar.

In der modernen Gesellschaft ist man nach Parsons mit einer Leistungsethik konfrontiert. Leistung muss optimiert werden, was eine normative Forderung ist, die an jeden gestellt ist (von wem bleibt mir erstmal unklar).

Auch im Konzept der Selbstentfaltung ist eine normative Zumutung enthalten, weil die Nicht-Inanspruchnahme von Selbstentfaltung mit einem Defizit gleichgesetzt wird. Rationalität von Handeln ist also keineswegs frei von Normen, sondern wird an das Individuum herangetragen und ist Institutionalisiert.

Die systematische Ebene der Argumentation bei Parsons wird erreicht mit der Frage, wie ein Handeln zu denken ist, dass die verschiedenen Komponenten (Ziele, Bedingungen, Mittel, Energieverwendung) auseinanderhält und Handeln als etwas deutet, was auf der (voluntaristischen – freiwilligen) Wahl eines Akteurs beruht.

Um Ziele, als willentliche Entscheidung, von Mitteln unterscheiden zu können, werden normative Standards für die Auswahl benötigt. Das scheint so zu sein, weil Parsons keine Alternativen zu den normativen Standards findet. Wenn beispielsweise nämlich Bedürfnisse im Organismus verankert wären, könnten Bedingungen und Ziele nicht unterschieden werden, weil der Organismus zu den Bedingungen des Handelns gehört. Die Unterscheidung würde zusammenbrechen und der Begriff des Handelns könnte nicht beschrieben werden.

Ich nehme das auch nur zur Kenntnis, werde aber wohl nochmals darüber nachdenken müssen 😉

Offene Frage an dieser Stelle ist nach wie vor, ob voluntaristisches Handeln überhaupt existiert. Soweit zu Parsons am Ende der dritten Sitzung der Vorlesung Handlungstheorie.

Für die vierte Sitzung geht es direkt weiter mit Talcott Parsons und mit der Frage:

Wie kann Parsons zeigen, dass tatsächlich Handeln, bei dem die Auswahl der Ziele an normativen Standards orientiert sind, Voraussetzung dafür ist, dass soziale Ordnung möglich ist?

An dieser Stelle hatte ich ursprünglich ein Youtube-Video verlinkt. Die Aufzeichnungen der Veranstaltung “Handlungstheorie” von Professor Dr. Ludwig Schneider sind allerdings noch über das Medienportal der Universität Osnabrück aufrufbar. Über das Suchformular, sollte sich die Veranstaltung finden lassen, die zu diesem Blogbeitrag gehört.

Parsons Handlungstheorie ist eine Gegenposition zum Utilitarismus. Im Utilitarismus werden Ziele auf Basis von Bedürfnissen ausgewählt, und von Handelnden zweckrational angestrebt, wobei eigenständige normative Orientierungen nicht notwendig vorausgesetzt werden, weshalb sich der Utilitarismus in das Dilemma verstricke, entweder die Zufälligkeit der Variationen von Zielen annehmen zu müssen, oder davon ausgehen zu müssen, dass Ziele von organischen Verankerungen bestimmt werden und damit von Bedingungen nicht zu unterscheiden seien.

An dieser Stelle erfolgt bei Parsons ein zweiter Schritt. Er empirisiert seine Handlungstheorie allmählich, lässt die reine Begriffsanalyse also hinter sich, und möchte zeigen, dass sein Handlungsbegriff empirisch adäquat ist. Er knüpft dabei an die philosophische Tradition, etwa Thomas Hobbes, an. Bei Hobbes ist der Naturzustand der Individuen, regiert zu sein von ihren Leidenschaften (Bedürfnissen) und alle Akteure versuchen nichts anderes als ihre Bedürfnisse so weit wie möglich zu erfüllen, ohne moralische Rücksichtnahme, also ohne normative Standards.

Mit diesem Gedankenexperiment lässt sich nicht erklären, wie gesellschaftliche Ordnung, als verankerte, normative Ordnung, möglich ist. In einer solchen Gesellschaft müsste ständig damit gerechnet werden, beraubt, versklavt oder getötet zu werden. Jede und jeder einzelne müsste also Vorkehrungen treffen um nicht in eine solche Situation zu geraten. Auch Eigentum wäre unter dieser Voraussetzung kaum möglich.

Es stellt sich die Frage, ob dieses Gedankenexperiment zutrifft. Empirisch gesehen gibt es zwar Regionen, in denen solche Zustände der weitgehenden Auflösung sozialer Ordnung existieren (Krisengebiete, Bürgerkriegsgebiete, etc.), da derartige Szenarien allerdings eher als Ausnahmefall zu sehen sind und eng begrenzt sind, kann sozialer Frieden als grundsätzlich gegeben gesehen werden. Bei Hobbes ist für den Widerspruch zu seinem Bild des Naturzustandes dafür ein Gesellschaftsvertrag ursächlich, dem die Gesellschaftsmitglieder zustimmen und ihn einhalten. Hobbes sieht die Furcht vor dem Tode, als alles dominierende Leidenschaft, als ursächlich, diesem Gesellschaftsvertrag zuzustimmen, womit durch Aufgabe von Freiheit, Sicherheit für Leib und Leben erhalten wird. Motivierendes Element ist also wieder die Bedürfnisnatur des Menschen und nicht normative Standards.

Parsons meint, dass innerhalb des Utilitarismus ein Übergang, also eine Form des Gesellschaftsvertrages wie bei Hobbes, nicht konstruiert werden kann. Beispielsweise ist ein kollektiver Beschluss Waffen zu vernichten nicht denkbar. Eine Instanz, die die Einhaltung eines solchen Vertrages erzwingen könnte, existiert zu dem Zeitpunkt, zu dem sie benötigt würde, nicht. Sie müsste erst eingerichtet werden.

Bei Parsons hat die Situation des Vertragsschlusses die Struktur eines Gefangenendilemmas (das Gefangenendilemma wird zu einem späteren Zeitpunkt der Vorlesung nochmals genauer behandelt werden). Unter verschiedenen Akteueren muss sich jede/r fragen, ob die anderen Akteure den Vertrag erfüllen werden und auch selbst überlegen, ob er/sie selbst den Vertrag erfüllen will. Das eigene Handeln hängt also auch davon ab, ob andere den Vertrag voraussichtlich einhalten werden.

Ich werde den Vertrag selbst nicht erfüllen, bei angenommenem rationalem handeln, wenn ich annehme, dass die anderen den Vertrag nicht annehmen.
Für den Fall, dass ich annehmen würde, andere würden den Vertrag annehmen, könnte ich selbst auf die Idee kommen, selbst durch Zurückhaltung von Waffen mich besser zu stellen (andere unterwerfen oder ähnliches), also einen Vorteil zu verschaffen.
Daraus lässt sich schlussfolgern, dass für mich als nutzenmaximierenden Akteur auf jeden Fall die Nichteinhaltung des Vertrages am sinnvollsten ist. Genauso denken jedoch die anderen Akteure, also kommt kein Gesellschaftsvertrag zustande.
Innerhalb der Weltsicht von Hobbes, in der Akteuere nicht von normativen Orientierungen geprägt sind, ist ein Gesellschaftsvertrag also nicht zu denken.

Folglich muss die Hürde zum friedlichen Zusammenleben, das wie dargestellt als empirisch belegte Realität gilt, anders genommen worden sein. Bei Parsons eben mit normativen Standards.

Normative Standards wirken auf zwei Weisen. Einerseits bei der Auswahl, bzw. Bestimmung erstrebenswerter Handlungsziele. Normative Standards beschränken aber auch die zulässigen Handlungsmittel. Letzte Werte werden spezifiziert auf einzelne Handlungen hin, und wirken dann einschränkend als normative Regeln. Anders formuliert: Allgemeine Werte werden in einzelnen Handlungen spezifiziert.

Der Wert der Gerechtigkeit ist so weit gefasst, dass er unter Umständen zu gegensätzlichen Normen führt. Die Ebene der letzten Werte kann also eine Integrationsfunktion erfüllen, in Relation zu unterschiedlichen, situationsspezifischen normativen Orientierungen. Die Ebene der Werte und Normen können auseinander gezogen werden. Je differenzierter eine Gesellschaft ist, desto mehr ist mit einer Unterscheidung der Differenz von Werten und Normen zu rechnen. Umgekehrt: Je weniger differenziert eine Gesellschaft ist, desto weniger sind Werte und Normen unterschiedlich.

Wie sind normative Werte und Normen in der Persönlichkeit der Akteure verankert?
Es geht um die persönlichkeitstheoretischen Implikationen und die Subsysteme von Handlungssystemen. Parsons knüpft bei seiner Erklärung an die Persönlichkeitstheorie von Sigmund Freud, und der Verinnerlichung normativer Orientierung von Kindern durch Sozialisation, an. Das Individuum hat eine Instanz der Selbstzensur (das Über-Ich), die das Individuum auch bestrafen kann, wenn es in seinem Handeln nicht mit seinen Werten und Normen übereinstimmt. Das tue ich evtl. nicht nur, in dem ich beurteile, wie andere mich beurteilen (kognitiv), sondern ich identifiziere mich ggf. zugleich mit der Perspektive anderer (identifikatorisch).
Wenn ich das Gefühl habe, eine Regel ist nicht verpflichtend, bzw. nicht moralisch anerkannt, (sie könnte auch lediglich nützlich sein), wird sie grundsätzlich nicht verpflichtend anerkannt, so die These Parsons. Verbindlichkeit muss anerkannt sein. Ein weiterer Gesichtspunkt ist, dass Regeln erstrebenswert sein müssen, sie bezeichnen etwas positives. Bei Immanuel Kant rückt beispielsweise der Gesetzescharakter von Normen stärker in den Vordergrund.

Parsons kommt in seiner Auseinandersetzung der Rolle normativer Standards und Untersuchung der Binnenstruktur von Menschen zu einer Theorie, die Handeln als System analysiert, in der jedes Handlungssystem in Subsysteme differenziert ist. Die Grundlagen der Interpretation sind generalisierte Symbole und Werte. Werte müssen zu normativen Orientierungen spezifiziert werden. Wenn normative Orientierungen gebündelt werden, entstehen normative Rollen, beispielsweise Berufsrollen oder typisch männlich oder weibliches Verhalten. In den sozialen Rollen werden wir auch beobachtet von Interaktionspartnern unter dem Gesichtspunkt, inwiefern wir den normativen Anforderungen entsprechen. Entsprechend erhalten wir Kooperation oder Sanktion. Normative Anforderungen sind also institutionalisiert. Normative Orientierungen müssen auch in das Persönlichkeitssystem integriert sein und zu einem inneren Bedürfnis werden. Diese Orientierungen müssen also internalisiert sein. Es gibt folglich auch äußere und innere Kontrolle.

Rationalität als soziologische Charakteristik für die moderne Gesellschaft

An dieser Stelle hatte ich ursprünglich ein Youtube-Video verlinkt. Die Aufzeichnungen der Veranstaltung “Handlungstheorie” von Professor Dr. Ludwig Schneider sind allerdings noch über das Medienportal der Universität Osnabrück aufrufbar. Über das Suchformular, sollte sich die Veranstaltung finden lassen, die zu diesem Blogbeitrag gehört.

In der dritten Vorlesungsaufzeichnung der Veranstaltung “Handlungstheorie” geht es zunächst erneut um Max Weber. Der Fokus auf ihn soll in dieser Sitzung den Abschluss finden, anschließend wird es um Talcott Parsons gehen.

Zwei Gedanken zur Wiederholung der letzten Sitzungen:
Um unterbrochene, soziale Beziehungen, erfassen zu können (also beispielsweise wenn ein Paar kurzzeitig getrennt ist), benötigen wir das Konzept der Chance.
Soziale Beziehungen können aus zwei oder mehr Personen bestehen, diese müssen sich noch nicht kennen, es können sogenannte “imagined communities” sein, wie beispielsweise eine Nation. Eine solche soziale Beziehung kann als Handlungsgrundlage aktiviert werden. Man kann ggf. andere Menschen, innerhalb dieser sozialen Beziehung, ansprechen und diese soziale Beziehung damit aktivieren.

Bestimmungsgründe des Handelns
Hier gilt es noch einiges Nachzutragen von der letzten Sitzung. Dieses Kapitel spielt eine wichtige Übergangsrolle zur Handlungstheorie nach Talcott Parsons.
Die Bestimmungsgründe für Handlungen sind bei Weber in vier Idealtypen unterteilt: Zweckrational, wertrational, affektuell und traditional.
Zweckrationalität steht im Fokus und die anderen Handlungstypen (bzw. Bestimmungsgründe des Handelns) könnte man aus diesem Handlungstyp extrapolieren durch Reduzierung der Rationalität. Die Ziele der Handlung stehen dabei nicht im Fokus, sondern die zur Erreichung des Zieles eingesetzten Mittel.

“Über Nebenfolgen ist der spezifische Zweck einer einzelnen Handlung verknüpft mit anderen Handlungsmöglichkeiten.”
Handlungen sind auch vor dem Hintergrund zu sehen, welche alternativen Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und welche Konsequenzen eine Handlung hervorruft, die nicht das erwünschte Ziel bezwecken.
Über die Kategorie der Nebenfolgen können einzelne Handlungen auch im Kontext von Handlungszusammenhängen rationalisiert werden.
(In anderen Theorien wird von Handlungssystemen gesprochen, merkt der Dozent an… könnte man mal nachschlagen).

Traditionales Handeln beruht (ausschließlich) auf eingelebten Gewohnheiten. Beispiele sollte man sich dazu selbst ausdenken, die im Vortrag genannten sind etwas abstrus. Sobald man Gründe für das Handeln hat, jenseits davon, dass man etwas schon immer so gemacht hat, ist es kein traditionales Handeln in Reinform mehr.

Na, kommt ihr noch mit? Foto: “Mr. Green in the Study” von Alex Eylar http://www.flickr.com/photos/hoyvinmayvin/3142958768/ (Lizenz: CC: BY, NC, SA)

Na, kommt ihr noch mit?
Foto: “Mr. Green in the Study” von Alex Eylar
http://www.flickr.com/photos/hoyvinmayvin/3142958768/
(Lizenz: CC: BY, NC, SA)

Als nächstes steht an, unter inhaltlich soziologischen Gesichtspunkten, nachzuarbeiten.

Wozu dienen die besprochenen Begriffe innerhalb der Soziologie?

Weber war ein forschender Soziologe, der nach Materialuntersuchungen Kategorien gebildet hat, wie die der Bestimmungsgründe sozialen Handelns.
Die Ausgangsannahme ist zunächst bei Weber, dass die Mehrheit allen Handelns traditionales Handeln ist. Wir überlegen nicht für jede Tätigkeit, was sie uns nützt oder ob sie mit unseren Werten kongruent ist.
Traditionales Handeln meint nicht nur Traditionen von alters her, sondern, dass Gewohnheitsbildung immer wieder neu stattfindet.
Vom Modus des traditionalem Handeln kann schnell umgeschalten werden, etwa wenn man in eine Situation kommt, die einen emotional tangiert. Traditionales Handeln und affektuelles Handeln sind daher komplementär, bzw. stehen in einer Komplementärbeziehung.
Weber geht davon aus, dass die Gesellschaft einen rationalisierungsprozess durchläuft.

Beispielsweise ist ökonomisches Handeln gewinnorientiert.
Aufgrund von Konkurrenzsituationen müssen Produktionsverfahren effektiver gestaltet werden.
Weiteres Beispiel wäre die Wissenschaft. Auch hier geht es darum, auf Basis logischer Argumentation und methodischer Kontrolle immer neues Wissen zu produzieren. Es gibt wohl noch viele weitere Beispiele für gesellschaftliche Rationalisierungsprozesse im weber’schen Sinn, was charakteristisch ist, für die moderne Gesellschaft.

Die Antwort, wie es dazu kam, ist in der protestantischen Ethik von Max Weber zu finden. Nach Weber ist der asketische Protestantismus mit seinem religiösen Geboten, wie der rationalen Gestaltung innerweltlichen Handelns, ursächlich. In diesem Glauben werden Verdienste, die im Leben erworben werden, mit Sünden verrechnet. Dementsprechend sind die Gläubigen daran interessiert, möglichst viele Handlungen zu verrichten, die entsprechend diesem Glauben als gut gelten. Weltliche Berufe sind in diesem Glauben Teil der gottgeschaffenen Ordnung und damit ist deren Erfüllung geeignet, gleichzeitig den göttlichen Willen zu erfüllen. Wer in der Lage ist, Gewinn zu akkumulieren, hat damit einen Indikator dafür, von Gott gesegnet zu sein.

Die geistesgeschichtliche Grundlage für die institutionelle Verankerung der Anforderung auf Zweckrationalität, liegt nach Max Weber also in der Religion begründet. In der weiteren Entwicklung sterben diese religiösen Wurzeln dann nach Weber zwar langsam ab, aber werden gleichsam durch die gesellschaftliche Institutionalisierung (z.B. Märkte, Konkurrenz) beibehalten.

Webers Systematik (die Unterscheidung in vier Handlungstypen), war also im Prinzip ein Prozess der Abstraktion, also Herausbildung von Idealtypen, aus empirischen Material. Diese dienen wiederum als Werkzeug, um die unterschiedlichen Motivationselemente freizulegen. Weber ist damit erstmal abgeschlossen und es folgt als nächstes Werte und Normen als Orientierungsgrundlage bei Talcott Parsons. Dazu dann mehr im nächsten Blogbeitrag zu dieser Veranstaltungsserie.

Verhalten und Handeln – Handlungstheorie in der Soziologie

Beschäftigen sich Soziologen mit Motiven für Handlungen? Foto von Wadem: http://www.flickr.com/photos/wadem/ (CC: BY, SA)

Beschäftigen sich Soziologen mit Motiven für Handlungen?
Foto von Wadem: http://www.flickr.com/photos/wadem/ (CC: BY, SA)

Die Vorlesungsaufzeichnung der zweiten Sitzung beginnt mit der Frage, wie Handlungsmotive miteinander zusammenhängen. Der Frage nach Handlungsmotiven sind keine Grenzen gesetzt, man kann immer noch eine Metaebene aufmachen.

Ein Beispiel bei Weber: Jemand hackt Holz – ein Verhalten, dass sich beobachten lässt (man sieht, das Holz gespalten wird). Es wird daraus noch nicht ersichtlich, wieso das Holz gehackt wird, es sind unterschiedlichste Motive möglich. Motive können sich natürlich auch überlagern (z.B. wenn man mit einer Handlung unterschiedliche Motiv verfolgt).

Möglich wäre bei dieser Handlung unter anderem, dass die holzhackende Person zugehörig zu einer sozialen Gruppe sein möchte (“Lebensstilgruppe”), in der es üblich ist, das eigene Heim mit Holz, in eigenen Öfen zu beheizen. Vor diesem Hintergrund, als Symbol biografischen Erfolges, könnte die Handlung eingebettet sein in eine Theorie der sozialen Schichtung und Konzepte der Aufwärtsmobilität.

Bourdieu, unter anderem, hat derartige Lebensstilanalysen gemacht (auch bezogen auf Einrichtungen, Speißen, etc.). In bestimmten sozialen Schichten oder Klassen, werden bestimmte Formen des Geschmacks erworben, die charakteristisch sind, für die jeweilige Gruppierung. Aus diesem Grund kommt es dazu, dass auch scheinbar lapidare soziale Handlungen, wie das Holzhacken, soziologisch untersucht werden.

Der Abbruchpunkt, ab wann man zusätzliche Motivebenen nicht weiter betrachtet, erfolgt pragmatisch.
Wobei nicht nur weitere Metaebenen für Handlungen aufgemacht werden können, sondern eine Handlung auch in kleinere Teile zerlegt werden kann. Ausblickend von Teilhandlungen ist jede Folgehandlung, die ermöglich wird, auf die Seite des Motivverstehens gerückt. Man kann also Verhaltenssequenzen interpunktieren durch eine Betrachtung nach der Frage nach dem Verstehen des Motivs und der Handlung.

Daran schließt sich an: Wo man Handlungen ausmacht, welche ihrer Bestandteile als Teilhandlungen, oder lediglich als Verhalten innerhalb einer großen Handlung gesehen werden… das entscheidet man willkürlich, bzw. kann nicht beantwortet werden.

Soziale Beziehungen

Warum benötigen wir diesen Begriff? Bei sozialem Handeln ist danach gefragt, ob man sich auf andere bezieht (eine psychologische Fragestellung). Bei der Betrachtung von sozialen Handlungen muss man fragen, ob und wie andere Akteure ins Spiel kommen.

Von einer sozialen Beziehung kann man sprechen, wenn wechselseitig aufeinander bezogenes soziales Handeln vorliegt. Das genügt als Einstieg in die Definition.

Bei Weber heißt es:
“Soziale Beziehung soll ein seinem Sinngehalt nach aufeinander gegenseitig eingestelltes und dadurch orientiertes Sichverhalten mehrerer heißen. Die soziale Beziehung besteht also durchaus und ganz ausschließlich: in der Chance, dass in einer (sinnhaft) angebbaren Art sozial gehandelt wird, einerlei zunächst: worauf diese Chance beruht. (In: Wirtschaft und Gesellschaft, Kapitel 1, § 3).”

Soziale Beziehungen können nach Weber also auch von kurzer Dauer sein (als Beispiel werden zufällige Begegnungen auf der Straße genannt – “Encounters” bei Goffmann). Begegnungen auf der Straße, von Personen die sich kennen, sind aber eher weniger gemeint, bzw. müssen anders betrachtet werden.
Es gibt also soziale Beziehungen, die meisten dauerhaften Beziehungen, die unterbrechbar sind. Es fragt sich also, wann eine soziale Beziehung als bestehend behandelt werden kann, wenn sie unterbrochen ist. Darauf bezieht sich der zweite Teil von Webers Definition, es wird die Chance genannt.

Zwischenfrage aus dem Publikum: Wie steht es mit Imagined Communities (also beispielsweise auch Nationen)? Antwort: Die Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen bzw. soziale Beziehung innerhalb dieser Gruppe, kann im Alltag als Handlungsgrundlage bedeutsam sein.

In der Sozialdimension ist der Begriff der sozialen Beziehung variabel – eine Obergrenze ist nicht angebbar, es kann sich auch um sehr große und sogar imaginierte Gruppen handeln. Wobei die Gruppenzugehörigkeit nicht in jedem Kontext anwendbar bzw. maßgeblich ist.
Inhalt einer sozialen Beziehung kann vieles sein: Ehe, Feindschaft, Freundschaft, etc.
Der Sinngehalt der Beziehung ergibt sich dann daraus.
Soziale Beziehungen können auch tradiert werden – z.B. Familienfehden, die sich über Generationen vererben.

Max Weber spricht daher auch davon, dass der Begriff der sozialen Beziehung amorph ist.

Sinnzuschreibungen innerhalb einer sozialen Beziehung können stark divergieren. Konfliktäre Beziehungen können symmetrisch oder asymmetrisch (Machtbeziehung im Sinne Webers – gekennzeichnet durch Über- / Unterlegenheit) sein.

Entsprechend der Definition von Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung bei Weber können soziale Beziehungen konsensuell sein:

§ 9. »Vergemeinschaftung« soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns – im Einzelfall oder im Durchschnitt oder im reinen Typus – auf subjektiv gefühlter ( affektueller oder traditionaler) Zusammengehörigkeit der Beteiligten beruht.
»Vergesellschaftung« soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns auf rational (wert- oder zweckrational) motiviertem Interessenausgleich oder auf ebenso motivierter Interessenverbindung beruht.

Auch asymmetrische Beziehungen können auf Konsens beruhen, beispielsweise wenn Personen als Führungsfiguren akzeptiert werden.

Wichtiger Hinweis: Durch das Konzept der sozialen Beziehung ist auch das Verhältnis zwischen einer Person und einem Konstrukt, wie etwa einem Staat, abgedeckt.

Bestimmungsgründe des Handelns (unterschiedliche Motive) unterscheidet Max Weber wie folgt:
Zweckrationalität, wertrationalität, Affektuell, Traditional.
Weber spricht von Typen des Handelns (z.B. zweckrationales Handeln):

§ 2. Bestimmungsgründe sozialen Handelns: Wie jedes Handeln kann auch das soziale Handeln bestimmt sein 1. zweckrational: durch Erwartungen des Verhaltens von Gegenständen der Außenwelt und von anderen Menschen und unter Benutzung dieser Erwartungen als »Bedingungen« oder als »Mittel« für rational, als Erfolg, erstrebte und abgewogene eigne Zwecke, – (…)

Bei diesem Punkt handelt es sich um den Leittypus für die gesamte Typologie der Bestimmungsgründe des Handelns und steht daher im folgenden im Fokus, auch wenn die Definition noch weiter ginge:

(…)2. wertrational: durch bewußten Glauben an den – ethischen, ästhetischen, religiösen oder wie immer sonst zu deutenden – unbedingten Eigenwert eines bestimmten Sichverhaltens rein als solchen und unabhängig vom Erfolg, – 3. affektuell, insbesondere emotional: durch aktuelle Affekte und Gefühlslagen, – 4. traditional: durch eingelebte Gewohnheit.

Es geht bei Zweckrationalität um das rationale Bestreben durch Handeln bestimmte Zwecke zu realisieren. Das dazu eingesetzte Handeln ist also ein Mittel. Um Rationalität zu überprüfen, überprüft man die eingesetzten Mittel darauf, ob sie geeignet sind, den gewünschten Zweck zu verwirklichen. Ein wichtiges Nebenelement ist beim zweckrationalen Handeln die Abwägung – Rationalität hat Grenzen, bei unterschiedlichen Möglichkeiten muss man sich manchmal für eines entscheiden, weil rational betrachtet nicht eine der Alternativen vorzuziehen ist. Rationalität des Handelns ist von sozialen Ermöglichungsbedingungen von Rationalität abhängig (z.B. auch von technischen Möglichkeiten).

Bei wertrationalem Handeln steht ebenfalls Rationalität im Vordergrund, aber es geht nicht um die optimale Realisierung von Zwecken sondern um Werte. Beispielsweise absolute Pazifisten, als Extrembeispiel, die unter keinem Umstand jemanden töten würden. Dies könnte, je nach den Umständen, unter zweckrationalen Gesichtspunkten als irrational bezeichnet werden.

Affektuelles handeln ist durch Affekte und Gefühlslagen bestimmt. Ebenfalls nicht rational ist traditionales Handeln.

Abschließend wird nochmals klargestellt, dass es sich hier um (Ideal-)typen handelt. Es gibt Überlagerungen und Mischformen.

An dieser Stelle hatte ich ursprünglich ein Youtube-Video verlinkt. Die Aufzeichnungen der Veranstaltung “Handlungstheorie” von Professor Dr. Ludwig Schneider sind allerdings noch über das Medienportal der Universität Osnabrück aufrufbar. Über das Suchformular, sollte sich die Veranstaltung finden lassen, die zu diesem Blogbeitrag gehört.
(um selbst nochmals nachhören zu können)

Ein literarischer Abend in Hamburg…

Dieses Video ist bereits Anfang des Jahres, also vor ein paar Monaten, entstanden. Die Videoproduktion war nicht direkt in dieser Form geplant, sondern entstand relativ spontan. Ein Kommilitone hatte mich gefragt, ob ich ihm Technologie zur Verfügung stellen könne, die es ermöglicht, während einer Lesung geschriebenes an die Wand zu projezieren.

Ursprünglich hatten wir dabei ein iPad im Sinn. Die Oberfläche eines iPads 1:1 an einen Beamer zu übertragen ist allerdings kein ganz leichtes Unterfangen. Der iPad auf VGA Adapter erlaubt grundsätzlich keine 1:1 Übertragung des Bildschirmes und der iPad auf HDMI Adapter erfordert vom Zweitgerät wohl auch spezifische Auflösungsmodi (und einen HDMI-Eingang!)… Jedenfalls wollte das nicht spontan funktionieren.

Daher behalfen wir uns mit einem gebrauchten Windows-Laptop. Den Tipp zu diesen Geräten hatte ich von Professor Jörn Lovisach. Dieses Laptop mit der mitgelieferten Windows-Journal Software haben wir dann mit einem Beamer verbunden und fertig war die Bühnentechnik.

Bei der Aufnahme war die einzige Besonderheit die Verwendung eines Raummikrofons (ein Zoom Audiorekorder H2N). Da ich die Videoaufnahme aus dem hinteren Teil des Raumes gemacht habe, wären die Vortragenden kaum zu verstehen gewesen, bzw. wären die Störgeräusche einfach zu störend… Mit dem Zusammenführen der Videospur mit der Audiospur vom Audiorekorder in Adobe Premiere, entstand ein tolles Gesamtpaket.

Sollte sich erneut eine Aufnahme dieser Art ergeben, würde ich vielleicht noch etwas an der Beleuchtung arbeiten, bzw. eine Kamera mit höherer Lichtempfindlichkeit organisieren und zum zweiten ein Stativ für die Kamera mitbringen. Aber insgesamt handelte es sich dabei um ein tolles Projekt, das für eine Amateuraufnahme extrem gelungen ist.

Handlungstheorie nach Max Weber: Handeln und Handlungsverstehen

Diese Veranstaltungsreihe von Prof. Dr. Wolfgang Ludwig Schneider habe ich auf der Youtube-Plattform gefunden. Insgesamt gibt es dreizehn Sitzungen, die ich in Form von Blogbeiträgen zusammenfassen, kommentieren und reflektieren möchte.Beginnend mit der Einführungssitzung.

An dieser Stelle hatte ich ursprünglich ein Youtube-Video verlinkt. Die Aufzeichnungen der Veranstaltung “Handlungstheorie” von Professor Dr. Ludwig Schneider sind allerdings noch über das Medienportal der Universität Osnabrück aufrufbar. Über das Suchformular, sollte sich die Veranstaltung finden lassen, die zu diesem Blogbeitrag gehört.

Literatur zur Veranstaltung: “Grundlagen der Soziologischen Theorie Band I und II” (im System der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg als elektronische Ressource abrufbar).

Im Fokus: Der Handlungsbegriff.
Handlungstheorien schauen auf einzelne Akteure. Das ist eine Alternative dazu, die Gesellschaft als Ganzes zu betrachten (was auch gemacht wird). Vom Handeln des Einzelnen kommt es zu sozialen Beziehungen und dann zum Gesamtzusammenhang. Wobei umstritten ist, wie sich die Mikro- und Makroebene zueinander verhalten. Meines Erachtens wird ein theoretisches Erklärungsmodell wohl meistens unterkomplex sein und daher selten über seine eigenen Kernfokus hinaus für Erklärungen brauchbar sein.

Max Weber ist der klassische Theoretiker für den Begriff des Handelns. Schon in §1 seiner soziologischen Grundbegriffe, wird die Soziologie als Wissenschaft vom sozialen Handeln definiert.

Vom Handeln muss man direkt auf Handlungsverstehen übergehen. Man kann Handlungen beobachten und interpretieren. Handlungen erklären sich wohl in der Regel nicht von selbst. Wenn man danach fragt, wieso jemand handelt, kommt man auf die Ebene der Motive. Motive können unterschiedliche Formen annehmen… Sie können beispielsweise rational oder gewohnheitsmäßig motiviert sein.

Die Frage, unter welchen Voraussetzungen zweckrationales Verhalten zunimmt, führt in den Bereich der Gesellschaftstheorie. Insbesondere, wenn gesellschaftliche Institutionen etabliert sind, scheint rationales Handeln gefördert zu werden, bzw. es ist erwartbar. In Intimbeziehungen sind affektuelle Handlungen eher zu erwarten.

-> Ich bin mir nicht sicher, ob ich dem zustimmen kann. Sogenanntes affektuelles Handeln könnte aus subjektiver Sicht durchaus rational motiviert sein, vielleicht sind die rationalen Umstände einfach schwer zu beobachten.

Das Problem sozialer Ordnung (wie ist es möglich, dass Menschen sich an soziale Ordnungen halten?) ist für Parsons entscheidend. Der Fokus der Betrachtung ist also anders, weil bei ihm die unverzichtbarkeit der normativen Dimension des Handelns konstatiert wird. Parsons versucht die Entwicklung eines kategorialen Systems: Welche analytischen Komponenten müssen gegeben sein, um soziales Handeln zu erfassen? Es geht bei Parsons also auch um die Methodik der empirischen Sozialforschung scheint mir.

Müssten wir nicht wissen, was handeln ist, weil wir ständig selbst handeln? Nein. Es bestehe ja auch ein Unterschied darin, eine Sprache (Muttersprache) zu können und die Grammatik der Sprache zu rekonstruieren und aufzuzeigen. Synchron dazu, werden in der Veranstaltung werden vertraute Phänomene aus dem Alltag in einer verfremdeten, theoretischen Perspektive, zum Gegenstand gemacht.

Auch persönlichkeitstheoretischen Implikationen des Handlungsbegriffs nach Parsons werden Bestandteil der Vorlesung werden.

Eine Begriffsbildung, die von der Handlungstheorie abhebt ist die Systemtheorie. Bei Parsons sind die beiden Theorien noch eng gekoppelt, jedenfalls ist dies sein Anspruch.

Die “Rational-Choice-Theorie” steht eher kritisch zu Parsons Ansichten, genauso lässt sich jedoch aus Parsons Ansichten eine Kritik an Nutzenrationalität ablesen, weil daraus das Problem sozialer Ordnung nicht lösbar sei. Utilitarismus, also Handeln, das festgemacht ist am Nutzen für den Einzelnen, ist Vorläufer der Rational-Choice-Theorie.

Ebenfalls mit dem Rationalitätskonzept, jedoch kritisch gegenüber Theorien rationaler Wahl, geht die kommunikative Rationalität von Jürgen Habermas einher. Es handelt sich hierbei um einen anderen Typ von Rationalität der im Vordergrund steht… man spricht von argumentativer Rationalität.

Damit einher geht die Verknüpfung intersubjektiver Einlösung von argumentativen Ansprüchen der Geltung und Rechtfertigung, an das Konzept der Rationalität – als neuer Schritt innerhalb der Handlungstheoretischen Konzeption.

Hört sich gut an, kann man vermutlich auch weniger kompliziert ausdrücken. Es scheint zu bedeuten, dass Rationalität aus dieser Blickrichtung eher durch Aushandlung, bzw. Kommunikation festgelegt wird, als durch eine allgemeine oder subjektive Norm. Rationalität ist eingebaut in Kommunikationszusammenhänge.

Die Entfaltung der Intersubjektivität wird dann im Rest der Veranstaltung Thema sein. Unter anderem anhand von Alfred Schütz, der eine Rückkehr zu Weber darstellt, wobei die Thematik im Fokus ist, was die Lebensdaten angeht, stehen die Konzeptionen nicht in chronologischer Abfolge. Die im Fokus stehende Fragestellung von Alfred Schütz wird sein, wie subjektiver Sinn intersubjektiv zugänglich gemacht werden kann.

Danach geht es um George Herbert Mead, von dem ich insbesondere in wissenssoziologischen Zusammenhänge schon gehört habe. Ein amerikanischer Pragmatist und Zeitgenosse Webers. Nach ihm gibt es zunächst intersubjektiven Sinn, der dann, beispielsweisen in Prozessen der Sozialisation, subjektiv angeeignet wird.

Derartige Argumentationen schöpfen aus unmittelbarer Anschaulichkeit, an Partizipation alltäglichen Handelns. Das ist noch keine erfahrungswissenschaftliche Form des Zuganges zu handeln – dieser wird im weiteren realisiert, prominent bei Garfinkel – als ethnomethodologischer Zugang. Es geht hier stärker um einen empirischen Zugang – weniger jedoch durch Beobachtung alltäglichen Verhaltens, sondern Krisenexperimente.

Von derartigen Experimenten habe ich schon gehört und man kann das auch im Selbstversuch nachstellen, indem man versucht in alltäglichen Situationen bewusst Wissen, welches man durch vorangegangene Interaktionen mit den betroffenen aussen vor lässt. Kleines fingiertes, selbsterdachtes Beispiel:

Bekannte Person: “Hallo, wie geht es dir”
Ich: “Wie soll es mir gehen?”
Bekannte Person: “Na ob es dir gut geht, alles in Ordnung?”
Ich: “Was meinst du mit gut? Was genau soll in Ordnung sein? Welche Ordnung ist gemeint?”
Bekannte Person: “Kannst du mir einfach mal antworten?”
Ich: “Ich antworte auf jede Frage.”
Bekannte Person: “Du hast einen an der Klatsche…!”

Also… man erkennt anhand solcher Beispiele sehr gut soziale Praktiken. “Hallo, wie geht es dir” ist eine alltägliche belanglose Frage, eine Art höfliche Floskel. Derartige Floskeln sind nicht immer wörtlich zu nehmen und detailliert zu hinterfragen. Wir verstehen derartiges Verhalten und verhalten uns entsprechend. Meist unterbewusst.

Wenn solche Erwartungen verletzt werden, können intersubjektive Erwartungen sichtbar gemacht werden… Naja… vielleicht muss man die intersubjektiven Erwartungen aber auch schon kennen um sie verletzen zu können. Oder mindestens erahnen. Zweifelhaft ist mir noch, ob man intersubjektive Erwartungen verletzen kann, deren man sich nicht bewusst ist, bzw. derer man sich bewusst zu machen außerstande ist.

Handeln ist ereignisförmig und damit vergänglich. Ihre Erforschung ist erst möglich, seitdem durch technische Hilfsmittel (Tonaufzeichnung, Kamera) Aufnahmen möglich sind. Erst dadurch ist das Herausarbeiten von Feinstrukturen möglich.

Handlungstheorie und die Methoden der empirischen Analyse von Handlungsprozessen sind dadurch eng verknüpft. Konversationsanalyse ist die prominenteste Methode der qualitativen Sozialforschung in diesem Bereich, welche die sequenzielle Abfolge von Handlungen sichtbar macht.

In den letzten Sitzungen geht es um die theoretisierung des Zugriffes auf kommunikatives Handeln, unter anderem zu finden in der Luhmannschen Systemtheorie. Sie macht nicht anderes als die theoretischen Konsequenzen aus einer Analysestrategie kommunikativen Handelns zu ziehen. Die systemtheoretische Kommunikationstheorie weitet den Fokus aus, über die Kommunikation, bzw. Interaktion zwischen Anwesenden, hin zu Massenkommunikation. Das bereitet innerhalb der Konversationsanalyse Schwierigkeiten, weil die Sequenzialität verloren geht.

Damit beginnt der inhaltliche Teil mit:

Max Weber

In §1 seiner soziologischen Grundbegriffe findet sich folgende Definition:

“Soziologie (im hier verstandenen Sinn dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen:…”

Hier wird schon durch den Einschub in Klammern erkennbar, dass es sich um ein Definitionsangebot handelt, welches keinen alleinige Deutungshoheit über den Begriff beansprucht.

 

“…eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will…”

Anschließend geht es um den Begriff des “Handeln”:

“…»Handeln« soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei ob äußeres oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden) heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. »Soziales« Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist.”

Um es in eine Formel zu packen:

Handeln = menschliches Verhalten + subjektiver Sinn

Der subjektive Sinn ist nicht immer offensichtlich. Ein Clown der im Zirkus stolpert, könnte dies absichtlich tun, dann wäre es eine Handlung. Wenn es ein Versehen ist, wäre es eher ein Verhalten.

Damit reicht der Handlungsbegriff stark in die psychische Dimension hinein und ist dort verankert. Der Behaviourismus hat versucht Verhaltensprozesse so zu analysieren, dass subjektiver Sinn ausgeblendet wird. Weber dagegen macht es der Soziologie zur Aufgabe den subjektiven Sinn von Handeln zu rekonstruieren.

Teilweise sind Verhalten und subjektiver Sinn bei Beobachtungen zu trennen, insbesondere, wenn das Verhalten Interpretationsspielräume bezüglich des subjektiven Sinnes zulässt.

Die Frage nach den spezifischen Motiven einer Handlung spielt zunächst keine Rolle, um das Vorhandensein subjektiven Sinnes zu ermitteln, kann aber bedeutsam sein. Als Beispiel werden intime Beziehungen genannt (“Warum hast du mich betrogen”). Es gibt auch Berufsgruppen, die auf die Ermittlung von Motiven spezialisiert sind, etwa Staatsanwaltschaften: Welche Handlung lag bei einer Tötung vor? War es eine Körperverletzung mit Todesfolge, Totschlag oder Mord? Auch für Psychologen sind Motive ihrer Patienten relevant.

Motive sind Antriebsfaktoren, die bestimmtes Verhalten verursachen.

“…eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will…”

Sozialtypische Motive sind die Motive, die Soziologen interessieren. Diese können für Angehörige bestimmter Gesellschaften und Kulturen zunächst trivial sein, weil diese innerhalb dieser Gesellschaften allgemein bekannt sind. Bei interkulturellem Verstehen lassen sich ggf. bestimmte ungewöhnliche Verhaltensweisen registrieren, für die man dann Motive suchen muss, um diese zu verstehen. Sozial geltende Normalitätsvorstellungen, die hinter verbreiteten Mustern des Verhaltens angenommen werden können, sind also zu hinterfragen und soziologisch zu rekonstruieren.

Weber etwa hat die Frage aufgeworfen, wie es dazu kam, dass das Motiv, durch wirtschaftliche Investitionen Gewinn zu erzielen, sozial normalisiert worden ist. Eine Frage, die für mich, als Sozialökonom, besonders interessant ist. Historisch ist diese Frage durchaus erklärungsbedürftig, da es als abweichendes Verhalten charakterisiert werden kann (das Annehmen von Zinsen war beispielsweise lange Zeit sozial geächtet). Weber sieht dafür eine Umstrukturierung religiöser Deutungsmuster als ursächlich, genommen durch den asketischen Protestantismus.

Zum Abschluss der Sitzung noch kurz ein Fokus auf soziales Handeln.

“…»Soziales« Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist.”

Damit ist das subjektiv sinnhafte Verhalten anderer gemeint, wie aus den Erläuterungen Webers hervorgeht.

Warum ich Soziologe werden möchte.

Ehrliche Reflexion… gar nicht so einfach. Irgendwie traue ich mich nicht, offen und ehrlich zu sein. Wieso auch. Im schlimmsten Fall wird alles, was man sagt und denkt, gegen einen verwendet. Oder man wird verspottet.

Oder ihr erkennt, inwiefern ich mich teilweise durch Auslassungen oder vielleicht sogar kleine Lügen taktisch verhalten habe, um mich besser zu positionieren und macht mir daraus einen Vorwurf.

Was für ein Gefühl es wohl ist, alle Karten auf den Tisch zu legen und mehr von den Sachen zu erzählen, die ich mich bislang nicht getraut habe zu sagen? Wie gehen andere damit um? Verkraften sie es? Sind sie reflektiert genug, um die subjektive Wahrheit einer Person, jedenfalls eine Momentaufnahme davon, anzunehmen, ohne Kurzschlussreaktionen auszuführen? Macht es mich vielleicht sogar zu einer stärkeren und besseren Person?

In diesem Beitrag geht es um mich und meine Ziele, sowie um meine Motivation, diese Ziele zu erreichen. Und um Euch bzw. um uns eben… aus meiner Sicht. Thematisch geht es mir um Bildung, das ist das Thema, dem ich mich widmen möchte. Die Gründe dafür entspringen meiner persönlichen Biografie.

Ich möchte mit offenen Karten spielen und Euch meine Motivation darlegen. Vielleicht können wir uns gegenseitig helfen – wenn die Chemie stimmt und Ihr meinen Vorstellungen von vertrauenswürdigen Partnern entsprecht. Oder ich erkenne anhand Eurer Reaktion, dass das nicht der Fall ist. Dann könnte ich mir Zeit und Mühe sparen, mich mit Euch abzugeben. Das wäre ebenfalls ein Gewinn. Wichtig ist mir auch, dass ich Euch nichts vormachen möchte. Es ist mir nicht egal, weshalb Ihr Euch mit mir abgebt.

Mein Zehnjahresplan sieht vor, im Sommersemester 2014 meinen Bachelorabschluss in Sozialökonomie, Schwerpunkt Soziologie, zu erhalten. Anschließend strebe ich ein Masterstudium in Soziologie an. Dies sollte ich 2016 abschließen können.
Inhaltlich hat der Fachbereich Soziologie an der Universität Hamburg, was die örtlichen Forschungsschwerpunkte angeht, bezüglich des Masterstudiums, leider relativ wenig für mich zu bieten.

Ein besonderer Foschungsschwerpunkt scheint sich hier durch das CGG – das Centrum für Globalisierung und Governance zu manifestieren. Inhaltlich interessieren mich die dort behandelten soziologischen Themen wenig bis gar nicht.
Eigentlich würde ich gerne hier bleiben, weil es mir hier sehr gut gefällt und ich sehr froh über Freunde und Bekannte bin, die ich hier habe.

Neben diesen persönlichen Gründen finde ich aus fachlich-inhaltlicher Sicht auch das Universitätskolleg und das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung sehr interessant für mich. Wie sehr ich davon während eines soziologischen Masterstudiums profitieren könnte, lässt sich für mich aber noch kaum abschätzen.

Augsburg erscheint für mich bezüglich Studienplatzwahl im Master ebenfalls sehr interessant. Qualitative Diskursforschung beispielsweise passt methodisch sehr gut zu dem, was ich wissenschaftlich untersuchen möchte.
Letztlich ist die lokale fachliche Ausrichtung von soziologischen Masterstudiengängen aber nicht entscheidend. Ich habe keine eigene Familie und keine Kinder und bin damit relativ ungebunden und werde notfalls überall hingehen um einen Masterstudienplatz in Soziologie zu ergattern. Nach dem Masterstudium soll die Promotion, im Rahmen einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im soziologischen Bildungsforschungsbereich, folgen,  anschließend gerne auch die Habilitation. Bis etwa 2023 (es ist ein 10-Jahres Plan… falls nötig hänge ich ein paar Jährchen hintenan) bin ich dann Prof. Dr. Michael Karbacher. Jedenfalls wenn es nach mir geht und mir das Schicksal keinen Strich durch die Rechnung macht.

Inhaltlich interessiert mich im Kern ein bestimmtes Thema aus der sozioökonomisch-, soziologisch-wissenschaftlichen Sichtweise: Bildung. Egal ob als wissenssoziologische Bildungsdiskurse, Bildungssoziologie, Schuldidaktik, Hochschuldidaktik, Wissenskanon oder Lehrpläne. Soziologie und Sozialökonomie scheinen mir die passenden Betätigungsfelder dafür zu sein, auch wenn ich in diesem Studium und Studienschwerpunkt aus gänzlich anderen Gründen gelandet bin. Wenn ich dieses Ziel wirklich erreichen will, werde ich das auch schaffen. Ich bin mir dessen sicher. Motiviert genug bin ich meines Erachtens. De facto bin ich schon seit etwa zwei Jahren inhaltlich in diesem Thema verankert. Neu ist, dass ich jetzt bereit bin, mich vollständig auf Bildungsforschung einzulassen und auch bereit, bin die Konsequenz zu ziehen und andere Beschäftigungsfelder (Medienproduktion, eLearning, technischer Support, etc.) zurückzudrängen und ggf. auch ganz einzustellen.

Aber wie komme ich eigentlich dazu? Als ich Sozialökonomie begonnen habe, hatte ich keine Ahnung, was Soziologie eigentlich beinhaltet oder bedeutet. In der Schule hatten wir zwar “Sozialkunde” (ein Fach, in dem ich auch eine Abiturprüfung abgelegt habe), aber das hatte eher mit Politik und demographischer Entwicklung zu tun, als mit klassischen soziologischen Themen.
Das liegt möglicherweise daran, dass ich in Bayern zur Schule gegangen bin. Einem konservativen Bundesland, in dem Wörter wie “Links”, “Marxismus”, “68er” oder “Studentenrevolte”, die in meinem Studium durchaus eine Rolle spielen und die auch in der Soziologie Größen sind, gleichbedeutend sind mit “Volksverhetzung”, “linke Propaganda” und “Weltuntergang”. Jedenfalls war das in meinem Umfeld durchaus so. Überhaupt gibt es in meiner alten Heimat sehr viele Ansichten, die ich für fragwürdig halte. Das denke ich schon lange – spätestens seitdem ich Dank des Internets, bei mir zuhause ab 1998, überregionalen und weit weniger lokal geprägten Austausch mit anderen Menschen haben konnte. Die anarchischen Anfangszeiten des Internet und auch teils illegale Aktivitäten darin waren für mich Alltag. Auch Chatrooms, Podcasts (manche wissen nicht, dass es beispielsweise das Chaosradio schon seit Mitte der 90er Jahre gab! Ich kann mich nicht genau an meine erste Folge erinnern, aber Ende der 90er Jahre war ich regelmäßiger Hörer)  und Foren… das Internet hat mich sehr geprägt. Computer und das Internet bildeten für mich eine erweiterte, eine bessere Realität. Dementsprechend habe ich so viel Zeit wie möglich mit dieser Erweiterung verbracht. Über den Zeitraum vieler, vieler Jahre. Von 1998 etwa  bis 2006/2007… ziemlich exzessiv… danach hat sich mein Leben geändert.

Erklären kann ich mir mein ungesundes Mediennutzungsverhalten damals auch. Natürlich ist das nicht auf eine zentrale Ursache zurückzuführen, sondern auf unterschiedliche, die zusammengewirkt haben. Eine Rolle dürfte spielen, dass etwa in meinem Vorschulalter (und etwas darüber hinaus, wir reden hier ca. von 1988 bis 1994) der Zugang zu einem Computer (ein Amiga500) ein sehr positiv konnotiertes und  begrenztes Gut war. Meine Großeltern (bzw. ein Onkel, der nur zehn Jahre älter ist als ich, und damals noch bei seinen Eltern wohnte) hatten diesen Computer bei sich zuhause. Sie lebten etwa 3 Stunden von meiner Familie entfernt, dementsprechend selten konnten wir sie auch nur besuchen. Mein Onkel spielte gerne Computerspiele und wenn ich zu Besuch war spielten wir gemeinsam bzw. abwechselnd.

So weit, völlig unproblematisch, aus meiner Sicht. 1996 bis 1998 war ich von Computern (auch Fernsehern und anderen Medien) stark abgeschottet, da ich diese Zeit in einem Internat verbracht habe. Fernsehabende gab es einmal die Woche. Zugang zu Computern gab es in der Schule selbst nur stark reguliert. Für mich waren diese nicht zugänglich, da ich dieses Internat nur bis zur siebten Klasse besucht habe, damit war ich für die Nutzung eines Computers aus Sicht der Internatsleitung zu jung (mit 12 Jahren wohlgemerkt).

Diese Form der erzwungenen Medienvorenthaltung finde ich problematisch. Niederträchtig, schädlich und verachtenswert trifft es eigentlich besser.

Mit einem gesunden Umgang zu neuen Medien hat diese Praktik jedenfalls nichts zu tun. Beholfen haben meine Schulkameraden und ich uns durch den Aufenthalt vor N64-Konsolen in Kaufhäusern oder vor Computern beim lokalen Computerfachgeschäft (teils bis zur Aussprache von Hausverboten, weil es den Geschäften zu viel wurde). Am Wochenende habe ich versucht die “verlorene Zeit” nachzuholen, insbesondere nachdem mir meine Eltern etwa 1996/1997 einen Computer schenkten, den ich dann eben an Wochenenden (ca. jedes 2-3 Wochenenden) genutzt habe (u.a. für WingCommander Prophecy, aber ich war nicht nur von Computerspielen, sondern auch immer vom Betriebssystem und Gerät als solchem fasziniert), an denen ich zuhause zu Besuch war. “Leider” war mein Aufenthalt im Internat nicht von schulischem Erfolg gekrönt. 1998 bin ich, zum ersten Mal, in der 7. Klasse sitzengeblieben. Obwohl wir uns hier über einen 12 jährigen Stöpsel unterhalten, der ich damals war, war meine Schullaufbahn bereits zu diesem Zeitpunkt ein Fiasko. So darf das Schulsystem nicht sein.

Meine Eltern haben 1992, zeitgleich mit meiner Einschulung, eine Handwerksfirma gegründet, sich also selbstständig gemacht.
Beide stammen von Landwirtschaftsbetrieben ab, und zählen, unabhängig von diesem Umstand, zu dem, was beispielsweise in der PISA-Studie als “bildungsfern” charakterisiert wurde.
Den Wunsch sich über die eigene Herkunft hinwegzusetzen, die meiner Einschätzung nach beide mit einer gewalttätigen Umgebung verbinden, die sich dadurch Kennzeichnen lässt, dass Kinder ein Betriebsmittel darstellen, also in erster Linie zum arbeiten dienen, mussten meine Schwester und ich mitausbaden.
Der ehrgeizige Plan meiner Eltern beinhaltete insbesondere hohen ökonomischen Wohlstand und hohes Ansehen. Das, was sich ambitionierte, aber relativ ungebildete Menschen vom Land eben unter “Erfolg im Leben” so vorstellen.
Und nur weil ich weiß, dass meine Eltern diesen Text auch lesen, und ungebildet mit dumm gleichsetzen, werden: Mit Intelligenz oder Wissen hat mein Verständnis von Bildung nichts zu tun. Bildung beinhaltet für mich Weltoffenheit, Toleranz, soziale Kompetenz, eine humanistische Weltanschauung, die mit dem Satz Goethes: “edel sei der Mensch, hilfreich und gut” auf den Punkt gebracht wird.

Zum Erfolgskonzept meiner Eltern gehörte dann beispielsweise auch das Abitur für den eigenen Sohn – koste es, was es wolle (bei meiner Schwester, 1,5 Jahre später, war das dann schon nicht mehr wichtig). Nötigenfalls auch mit (psychischer und physischer) Gewalt und/oder Geld…
Soziale Kompetenz, Freundschaften, Beziehungen eingehen und pflegen… all das gehörte leider nicht so sehr zum Erfolgskonzept meiner Eltern.
Wie dem auch sei.
Schon in der Grundschule lief es in den entscheidenden Phasen schulisch nicht so gut.
Also hatte ich Nachhilfe um den Übertritt auf das Gymnasium zu schaffen. Leider ist es zum Zwischenzeugnis in der vierten Klasse ein relativ später Zeitpunkt um mit Maßnahmen zur Notenverbesserung anzufangen. Dementsprechend hat mein Zeugnis in der vierten Klasse nicht zum Übertritt auf das Gymnasium genügt.
Da ich in Gesprächen festgestellt habe, dass das außerhalb Bayerns (und dort vielleicht heute mittlerweile auch nicht mehr) nicht verstanden wird: Wenn man den Übertritt in der vierten Klasse nach Noten nicht schafft, kann man es nochmals nach der fünften Klasse schaffen (bei entsprechender Noten und auch nur, wenn man die Fünfte dann auf dem Gymnasium wiederholt).  Oder man versucht eine Aufnahmeprüfung auf das Gymnasium (2 oder 3 Tage, sehr intensiv, sehr umfangreich).
Diese Aufnahmeprüfung habe ich dank sehr intensiver Vorbereitung (Nachhilfe und Lernen mit meiner Mutter… selbst im Urlaub auf Lanzarote täglich) auch bestanden…
Anschließend im Internat (wohl in der Hoffnung meiner Eltern, dass dann schon alles gut geht bis zum Abitur – und sicher auch, weil ein Sohn in einem namhaften Internat ja auch kein schlechtes Statussymbol ist) lief es dann aber schulisch von Anfang an nicht besonders…

Trotz kleinerer, nicht unbeachtlicher Erfolge zwischendurch (insbesondere nach intensivem, betreutem Lernen, bzw. Vokabeltraining mit meinen Eltern in den Ferien – klassische Lernfächer (Latein) waren schon immer mein größtes Problem – im Gegensatz zu Deutsch, Erdkunde, Religion und dergleichen… wobei deren Status auch niedrig ist, wegen Religion und Erdkunde ist vermutlich noch niemand sitzengeblieben) war meine gesamte Zeit dort eher ein Hängen und Würgen, was das schulische angeht.
Was soziale Kontakte im Internat angeht, kann ich mich eigentlich nicht beschweren.
Zwar hat die Aufteilung nach Postleitzahl in den einzelnen Zimmern (im ersten Jahr war ich in einem Zimmer mit 6 anderen Jungs) dazu geführt, dass ich mit Kindern aus sozial starken Schichten aus München und dem Umland zusammenwohnte, was ich unterschwellig durchaus negativ zu spüren bekam…
Insgesamt kamen die Schüler (hier ganz bewusst die männliche Form, es war ein Internat ausschließlich für Jungs) aber aus ganz Deutschland – auch wenn es ein namhaftes Internat war, bei anderen Regionen war die soziale Herkunft weit weniger exklusiv bzw. weniger deutlich spürbar… sicher mit einer von vielen Gründen, wieso ich, ein gebürtiger Münchner, viele Aspekte meiner alten Heimat nur noch abstoßend finde.
Auch meine Pubertät, dann am Wittelsbacher Gymnasium in München von der siebten bis zur neunten Klasse, konnte meine schulische Laufbahn nicht verbessern. Wieder habe ich mich ein paar Jahre durchgehangelt… wieder bin ich gescheitert (in der 9. Klasse).
Zusätzlich zu den schulischen Problemen (die für mich zu diesem Zeitpunkt natürlich schon ein Dauerbegleiter waren, was kein gutes Gefühl ist) habe ich in dieser Phase auch mein Verhältnis zu meinen Eltern überdacht…
Wie dies vermutlich die meisten in diesem Alter so machen. Was mich von anderen unterscheiden dürfte, ist, dass unser Verhältnis danach distanziert geblieben ist. Emotional jedenfalls allemal. Bis zu diesem Zeitpunkt.
Dementsprechend haben meine Eltern dann auch erst reichlich spät erfahren (in diesem Zeitraum haben wir etwa 9 Monate im selben Haus gelebt, ohne ein Wort zu wechseln), dass auch das zweite Mal 9. Klasse (dieses Mal mit Französisch statt Altgriechisch… wesentlich besser lief das nicht) scheitern würde.
Für mich ist bereits vorher, beim ersten Scheitern in der neunten Klasse, eine Welt zusammengebrochen, denn ein zweites Mal zu wiederholen hat mir die Hoffnung genommen, noch jemals eine reguläre, erfolgreiche Schullaufbahn zu absolvieren… das erste Mal in der siebten Klasse war dagegen noch verschmerzbar, ohne Wiederholen schaffte es schließlich kaum jemand zum Abitur.
Danach habe ich resigniert.
Nachdem ich auch beim zweiten Durchgang in der 9. Klasse nicht die erforderlichen Noten hatte, war aus institutioneller Sicht erst einmal kein Voranschreiten mehr für mich vorgesehen. Es gibt keine Möglichkeit an einem bayerischen Gymnasium zu bleiben, wenn man zweimal innerhalb einer Stufe das Klassenziel nicht erreicht hat.
Es sei denn, man bezahlt mit Geld dafür! Für staatlich genehmigte Gymnasien (Privatschulen) gelten Sonderregeln, die für normale, staatlich anerkannte Gymnasien nicht gelten. Einziger Nachteil ist, dass man dort für den Unterricht bezahlen muss.
Also haben mich meine Eltern auf das Privatgymnasium Dr. Florian Überreiter geschickt.
Das alleine hat mir das Abitur jedoch auch noch nicht verschafft. Auch an staatlich genehmigten Gymnasien kann man durchfallen und scheitern. Bis zur Oberstufe geht es dort zwar verhältnismäßig locker zu, aber vor der entscheidenden Abiturphase wird auch dort aussortiert.
Insbesondere weil die letzte Prüfung eben das Abitur ist, das normale, zentrale, staatlich-bayerische Abitur.
(Mit Ausnahme kleiner Sonderregeln – wenn man extern das Abitur ablegt, kommen diverse schriftliche Prüfungen für die hinteren Fächer dazu)

Geschafft habe ich das, indem ich mich etwa 2 Jahre, fast täglich, Montag bis Samstag, nach der Schule in das Gasteig (Stadtbibliothek von München) zum Lernen begeben habe.
Das war eine sehr intensive Zeit, die ich nur dank zweier Freunde, die mich entscheidend zum Lernen motiviert haben, mit einem erfreulichen, persönlichen Erfolg beendet habe.
Letztlich habe ich nicht nur das Abitur bestanden, sondern sogar als Bester unter den externen Teilnehmer_Innen dieses Jahres abgeschnitten, mit einem Notendurchschnitt von 2,4 – für ein bayerisches Abitur schon nicht ganz schlecht, insbesondere wenn man nicht von den eigenen Lehrer_Innen, sondern eben extern von Fremden geprüft wird.
Ständige Motivation war zum damaligen Zeitpunkt neben Lernpartnern auch der Konflikt mit meinen Eltern. Letztlich ging es auch mir darum, mich durch einen höheren formalen Bildungsabschluss von meiner Herkunft zu distanzieren.
Das ist mir wohl auch gelungen. Gut ist das aber nicht unbedingt. Bildung hat dazu beigetragen, dass ich von meiner Familie sehr distanziert bin. Zusätzlich zu dem Umstand, dass der radikale Ehrgeiz meiner Eltern schon für sich alleine genügt hätte, um diese Distanz zu bewirken, wie das Verhältnis meiner Schwester zu meinen Eltern beweist.
Kaum war die schulische Last, mit Erhalt des Abiturs, von meinen Schultern gefallen, fühlte ich mich völlig unbesiegbar.
Das hat sich unter anderem daran gezeigt, dass ich innerhalb kürzester Zeit etwa 40 Kilogramm Gewicht verloren habe (ja, 40kg: von einem Höchststand von 124 Kilogramm etwa 2007 bis etwa 85 Kilogramm im Januar 2009).

Mein Studium der Rechtswissenschaften, welches ich schon aus den völlig falschen Beweggründen unmittelbar nach dem Abitur gewählt habe, ist dann zwar ebenfalls  im Sand verlaufen, aber die Gründe dafür sind ganz andere als bei meinen schulischen Misserfolgen.
Ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was ich eigentlich studieren sollte, bzw. ganz grundsätzlich mit meinem Lebe anzufangen habe.
Jura habe ich wohl gewählt, weil es als Massenstudiengang relativ präsent war in meinem damaligen  Bewusstsein, weil Jurist ein angesehener Beruf ist, der auch finanziellen Wohlstand verspricht und weil die Perspektive, ein solcher, angesehener Jurist zu werden, auch die vorangegangenen schulischen Erfolge wettgemacht hätte und den Plan meiner Eltern, einen gebildeten Vorzeigesohn heranzuzüchten, entsprochen hätte.
Die stark motivierenden (negativen) Beweggründe, die mich vorher durch die Abiturvorbereitung getragen haben, sind jedoch während des Jurastudiums verblasst.

Auch wenn es mich Studienerfolg gekostet hat, bin ich meinen Freunden, die diesen Wechsel in mir hervorgebracht haben, dankbar. Erst durch die guten Freunde und die vielen persönlichen Begegnungen, die ich außerhalb des Studiums, insbesondere zu meinen damaligen Arbeitskolleg_Innen im Meininger Hostel München erfahren habe, haben mich letztlich auf einen Weg gebracht, der mich zu selbstständigen Entscheidungen für mein Leben befähigt haben. Zwar ist auch die Wahl auf die Sozialökonomie fast ausschließlich aus pragmatischen Gründen erfolgt, aber über diesen zufälligen, glücklichen Fund bin ich ebenfalls sehr dankbar.

Sozialökonomie habe ich zum einen wegen der räumlichen Distanz zu München, weil es nun einmal einer der wenigen Studiengänge ist, der im Sommersemester beginnt, weil die Zulassungsvoraussetzungen (NC) unproblematisch waren und aus einem anderen, sehr persönlichen Grund, der ebenfalls nichts mit dem Fach zu tun hat, gewählt.
Der entscheidende Vorteil, den die Sozialökonomie beinhaltet, ist der, dass man im ersten Studienjahr nicht auf einen Schwerpunkt festgelegt ist, sondern diesen im dritten Semester wählt.

Erst weil ich in den ersten beiden Semestern in meinem interdisziplinären Grundkurs mit hochschuldidaktischen Methoden aus Teilnehmersicht vertraut gemacht wurde (ePortfolio), und weil sich direkt berufliche Perspektiven ergeben haben – meinen Job im Zentralen eLearning-Büro – habe ich lernen können, was Soziologie ist, und dass es mir ermöglicht, mich aus einer wissenschaftlichen Sicht sehr intensiv mit institutionellen und gesellschaftlichen Gründen für schulischen Erfolg oder Misserfolg auseinanderzusetzen. Ein größeres Geschenk, als eine Tätigkeit entdecken zu können, die als persönliche Berufung für das eigene Leben geeignet erscheint, kann man von einem Bachelorstudiengang kaum erwarten. Insofern hat es sich mehr als ausgezahlt, zufällig in der Sozialökonomie gelandet zu sein.

Soweit sei Euch erst einmal erklärt, wieso Soziologie für mich nicht nur eine Schwerpunktwahl seit zwei Semestern ist, sondern wieso es für mich zur Berufung wird. Der Bezug zu soziologischen Themen (insbesondere im Bereich Bildungsforschung) in meiner Biografie ist in meinen Augen sehr offensichtlich. Auch die Frage, welche Rollen moderne Medien hier spielen können ist, für mich relevant und lässt sich aus meiner Biografie (und meinen Kompetenzen) erklären.

Das war der Anfang.

Die Latenzen einer Kultur – Sichtbar durch Computerspiele

Was sind die Latenzen einer Kultur? Was sind eigentlich ‘Latenzen’? Und wie macht man sie sichtbar? Und was hat das mit Pervasivität zu tun?

Geteilte Spiele mit den Grenzen von Zeit, Raum und sozialen Erwartungen liefern einen Einblick in die Latenzen einer Kultur. #pervasivität
— Wey-Han Tan (@weytan) 25. Februar 2013

Zur Pervasivität sagt mein Lexikon zur Soziologie:

Pervasivität, pervasiveness, das Ausmaß, in dem Merkmale der Persönlichkeit sich auf das Verhalten auswirken, ja es dirigieren. Stark pervasive Persönlichkeitszüge beeinflussen das Verhalten unabhängig von der jeweiligen Situation, während schwach pervasive Persönlichkeitszüge nur unter bestimmten Bedingungen Einfluss auf das Verhalten gewinnen. A.St.

Quelle: Fuchs-Heinritz, T. / Klinke, D. / Lautmann, R. / Rammstedt, O. / Stäheli, U. / Weischer, C. / Wienold, H. (2011): Lexikon zur Soziologie, 5.A., Wiesbaden 2011.

Bei den angesprochenen geteilten Spielen handelt es sich um die Browsergames “400 years” und “Don’t shoot the puppy

“Don’t shoot the puppy” würde als Spiel nicht funktionieren, wenn wir bei der Werbemeldung im dritten Level nicht den Drang verspüren würden, diese wegzuklicken. In späteren Leveln wird es noch interessanter, nämlich wenn man durch das Nicht-erschießen des Hündchens für seine ewige Verdammnis sorgt. Durch das, je nach Level unterschiedlich dringliche, Bedürfnis, endlich die Maus zu bewegen, kann der Spieler erkennen, welche pervasiven Persönlichkeitszüge sein eigenes Handeln im jeweiligen Level beeinflussen.

400 years teilt einige dieser Aspekte, allerdings auf einer subtileren Ebene und wichtig ist hier, dass Warten nur eine Handlungsoption ist (man kann auch umherlaufen und andere Hanldungen vollziehen – Nüsse aufheben z.B.). Auch wenn das Nichtstun und Abwarten im Spiel teilweise notwendig ist um weiterzukommen, beispielsweise weil ein Baum erst wachsen muss um daran hochklettern zu können – die tickende Uhr ist präsent und 400 Jahre können im Zeitraffermodus sehr schnell verfliegen. Aus diesem Grund muss man im Spiel immer gut überlegen ob Tun oder Nichtstun gerade die richtige Handlungsoption ist.

Edit: Ich wurde gerade auf freundliche Weise darauf hingewiesen, dass ich hier viele Fremdwörter benutze, deren Bedeutung nicht allen klar ist. Der Blogbeitrag nochmal in hoffentlich verständlichen Worten zusammengefasst:  Es geht darum, dass es Computerspiele gibt, die vom Spieler ungewöhnliche Handlungen verlangen, damit man im Spiel vorankommt (z.B. einfach rumstehen und abwarten – anstatt zu ballern, rumzulaufen oder Punkte zu sammeln). Das ist ungewohnt und fühlt sich komisch an. Und daraus kann man etwas über sich selbst und die Gesellschaft lernen.