Martin Kohli – Die Institutionalisierung des Lebenslaufs

Für den Kurs Sozialpsychologie und Sozialisationstheorie II hatten wir eine Textzusammenfassung über “Die Institutionalisierung des Lebenslaufs: Hitorische Befunde und theoretische Argumente.” aus Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 37, pp. 1-15 [1-29] anzufertigen.

Dies ist meine:

In seinem Artikel “Die Institutionalisierung des Lebenslaufs” weist Martin Kohli nach, dass Lebenslauf und Lebensalter zu eigenständigen gesellschaftlichen Strukturdimensionen geworden sind, die ein Regelsystem darstellen, das einen zentralen Bereich des Lebens ordnet und damit ähnlich dem Geschlecht als soziale Institution konzeptionalisiert werden können.

Kohli stellt die Notwendigkeit seiner Arbeit dadurch heraus, indem er zeigt, dass Werke anderer Soziologen mit ähnlichen Themen, wie beispielsweise die “Soziologie der Altersschichtung” von Matilda W. Riley (u.a.) von 1972 aufgrund des begrenzten Potentials für die Analyse materieller Probleme spezifischer Gesellschaften, dem Verbleib auf einer formalen Ebene sowie durch die Verwendung eines funktionalistisch-rollentheoretischen Begriffssystems dem Anliegen Kohlis, der Sichtbarmachung, wodurch die Institutionalissierung von Lebensläufen notwendig wurde, nicht Rechnung trägt, sowie durch den Umstand, dass historische Ausprägungen und historische Veränderungn beliebige Beispiele für allgemeine formale Prozesse verbleiben.

Die Institutionalisierung von Lebensläufen skizziert Kohli anhand der Kategorien Verzeitlichung, Chronologisierung, Individualisierung, Dreiteilung und Sequenzierung, wobei Kohli klarstellt, dass eine umfassende und endgültige Untersuchung nicht möglich ist.

Die Verzeitlichung der Lebensläufe ergiebt sich nach Kohli aus längeren Lebensspannen und einer niedrigeren Kindersterblichkeit. Die Lebenserwartung steigt und das Risiko im frühen oder mittleren Erwachsenenalter zu sterben ist im zeitlichen Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts immer mehr zu vernachlässigen. Ein weiteres Phänomen, welches sich beim Blick auf Daten aus der historischen Demographie ausmachen lässt, ist, dass sich im zeitlichen Verlauf Altersabstände zwischen Ehepartnern extrem angenähert haben.

Im Bereich der Chronologisierung macht Kohli insbesondere rechtliche Regelungen für eine Institutionalisierung des Lebenslaufs verantwortlich. Historisch sei der Code Napoleon das erste normative System gewesen, welches eine Ordnung von Rechten und Pflichten, bemessen am Alter seiner Bürger, beinhaltet habe. Rechtliche Regelungen sind dabei nicht nur staatliche Gesetze, sondern auch Berechtigungssysteme, wie Eintrittskarten und Fahrpreise. Auch einheitliche Altersbestimmungen für den Beginn der Schulpflicht, der Erwerbstätigkeit und des Rentenalters scheinen ein wesentliches Element für die Institutionalisierung des Lebenslaufs zu sein. Die Einführung der Rente in Kombination mit höheren Lebenserwartungen hat dabei das Alter als zeitlichen Abschnitt nach dem Erwerbsleben erst möglich gemacht.

Die Individualisierung lässt sich insbesondere durch einen zeitlichen Vergleich von Autobiographien ausmachen. Während in vormordernen Lebensformen eine Fokussierung beispielsweise auf Bauernhöfe und Jahreszeiten entscheidend war, sind die Identitäten moderner Autobiographien mit der persönlichen Lebensplanung verknüpft. Das Leben wird als entworfenes Projekt begriffen.

Für Kohli ist die entscheidende Frage, wodurch die Verzeitlichung und Chronologisierung notwendig geworden ist, deren Beantwortung er anhand von vier gesellschaftlichen Problemlagen unterscheidet. Die ersten beiden sind Rationalisierung sowie Soziale Kontrolle. (bis S. 15).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.