Implementationsstrategien für ePortfolios an Hochschulen (Teil1)

An der Universität Hamburg finden zur Zeit diverse Workshops für die MitarbeiterInnen im neuen Universitätskolleg statt.

Gestern fand der erste von zwei Terminen zum Thema ePortfolio statt. Marij Veugelers (@marijveugelers) von der Universität Amsterdam und Community Managerin der SURF Foundation, einem nationalen, holländischem, wissenschaftlich verankertem Projekt (mit dabei über 60 Hochschulen!), zur Verbesserung des Hochschulwesens im Bereich der Lehre und wissenschaftlicher Forschung allgemein erzählte etwas zum Thema Implementationsstrategien für Portfolios an Hochschulen.

Was mir zunächst auffiel: Die inhaltliche Spanne der SURF Foundation scheint breiter gefächert zu sein, als ich das von deutschen eLearning-Einrichtungen gewohnt bin. Es geht um Learning Spaces, Cloud Computing, ePortfolios eben, aber wohl auch, in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, um außeruniversitäre Problemstellungen, wie Schulabgänger ohne formale Qualifikationsabschlüsse (und ob die Kompetenzdarstellung in Portfolios hier nicht eine gute Alternative darstellt).

Auch ist die internationale Orientierung und Kooperation der holländischen Portfolio-Akteure beachtlich. Bereits seit 2004 kooperiert man dort mit dem United Kingdom, seit 2006 mit den skandinavischen Ländern. Selbstkritisch frage ich mich, ob wir in deutschen Bildungseinrichtungen zu oft, mit dem Hinweis auf die Besonderheiten des deutschen, föderalen Bildungssystems, Datenschutzbestimmungen oder sonstigem Käse, im deutschsprachigen Raum verbleiben wenn es um den Austausch über gute Lehr-Lern Arrangements geht. Spontan fällt mir hier erstmal nur Prof. Dr. Schulmeister ein, der wohl regelmäßig im anglo-Amerikanischen Raum unterwegs ist und sehr gut über hiesige Konzepte informiert ist. Es mag sich hier aber ein persönliches Defizit handeln. Daniel Spielmann z.B. scheint sehr gut zumindest über englischsprachige Portfolio-Koferenzen informiert zu sein.

Wie dem auch sei… Warum eigentlich ePortfolios?
Es ist für mich keine Überraschung, aber dennoch grausam anzuhören, dass Marij Veugelers jedes Jahr aufs neue Diskussionen mit Insititutionsangehörigen führen muss um zu erklären, dass das Portfolio vielleicht besser nicht als Überwachungstool (also ausführliches, digitales Studienbuch) eingesetzt werden sollte um besser kontrollieren zu können wann Studierende welche Prüfung nicht bestanden haben, welche Lernfortschritte sie im Portfolio nicht abgearbeitet haben, etc.

Ivo van den Berk (@ivo_vandenberk), vom Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung der Universität Hamburg, hat im Rahmen des Fachforum eLearning in Potsdam vor einiger Zeit ein Projekt der Universität Utrecht vorgestellt, das ein Stück weit in diese Richtung gegangen ist. Der relevante Teil findet sich etwa von Minute 20-30 in diesem Video.

Ok… Jetzt wo wir wissen, was wir nicht wollen… Was wollen wir eigentlich?

Diese Frage (die Frage nach dem Ziel der Portfolioarbeit) ist nach Marij Veugelers gegenüber den anderen Bereichen (Management, Anwender und Infrastruktur als äußere Rahmenbedingungen, sowie Lernaktivitäten und Lernumgebungen als innere Elemente) zentral.

Das Ziel der Portfolioarbeit lässt sich dabei, je nach gewünschter Funktion, zwischen den Bereichen “Planning”, “Showing” und “Reflecting” verorten. Diese Systematisierung entspricht den Grundtypen wie ich sie von Baumgartner kenne (Reflexionsportfolio, Entwicklungsportfolio, Präsentationsportfolio), wobei ihr sympatisch ist, dass die unterschiedlichen Einordnungen nicht streng getrennt voneinander betrachtet werden (was als idealtypische Betrachtungsweise sinnvoll sein kann), sondern je nachdem wo man den Punkt im Dreieck setzt, jeweils mehr vom einen, als vom anderen Element enthalten ist:

Planning – Showing – Reflecting

Planning – Showing – Reflecting

Zwischenfrage: Wie sieht das aus mit Portfolio-Standards?

Auch hier etwas, wo man in den Niederlanden weniger engstirnig zu denken scheint. Wie Marij Veugelers berichtet ist die aktuelle Diskussion teilweise auf dem Standpunkt, dass die “Cloud” vielleicht die Diskussion um Eigenheiten spezifischer Softwaresysteme überflüssig macht. Einen Ansatz den ich sehr gerne höre, weil er einen Gegenpool zur Diskussion im deutschsprachigen Raum darstellt (Jemand sinngemäß bei der Eröffnungskeynote auf der CampusInnovation: Praktiken US amerikanischer Firmen sind ein “Angriff auf europäische Datenschutzbestimmungen”… genauso war wohl Coca Cola  mal ein Angriff auf den Sozialismus).

Fortsetzung folgt…

 

Ein Gedanke zu „Implementationsstrategien für ePortfolios an Hochschulen (Teil1)

  1. “Juggling with many balls” – Ball 1 – Blogfolio – Folioblog? sagt:

    […] Over the last two days I attended a workshop titled “E-Portfolio Implementation Strategy in Higher Education: Juggling with Many Balls”, lead by @marijveugelers. The following is not an attempt to give a detailed account of what has been said in these two days, but rather a way for me to get some things written down for further reflection. For an alternative account of the event, take a look at Michael Karbacher’s blog. […]

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