Hochschulpolitik

Ein interessantes und relativ undurchsichtiges Feld 🙂

Auf Ebene der Studierenden (z.B. im Studierendenparlament) erscheint mir dieses Thema in der Regel wie ein Kindergeburtstag. Zweifelsfrei geht es dort manchmal auch um wichtige Themen und sogar um Geld, aber weder habe ich Lust mich auf Diskussionen einzulassen, in denen sich die Beteiligten in einseitige und realitätsfremde Weltbilder versteifen (was ich auf allen Seiten ausmache), noch denke ich, dass zentrale Themen, die mir wichtig sind (z.B. Entscheidungen über die Zukunft fakultätsübergreifender Einrichtungen o.ä.) dort tatsächlich entschieden werden können.

Studierende sind aufgrund ihres Drohpotenzials (Bildungsstreiks, etc.) hochschulpolitisch nicht unwichtig. Für konkrete Ziele scheint mir Lobbyismus bei den eigentlichen Entscheidungsträgern zunächst jedoch zweckmäßiger.

Stellt sich also die Frage wer denn an einer Hochschule Entscheidungsträger ist…

Dass ich bis vor kurzem nicht die geringste Ahnung hatte, wie die Universität Hamburg überhaupt strukturiert ist und wer worüber entscheidet habe ich auf der Campus Innovation 2011 gelernt, wo eine Podiumsdiskussion zum Thema unternehmerische Hochschule stattfand. Ehrlich gesagt habe ich da zunächst nur Bahnhof verstanden 🙂


(Zur Quelle auf Lecture2Go.de)

Mittlerweile ist das etwas besser geworden, weshalb ich mir die Aufzeichnung dieser Veranstaltung nochmals zur Gemüte geführt habe um diese etwas nachzubereiten.

Teilnehmer der Diskussion waren

Peter Hauptmann Staatssekretär, Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft des Saarlandes
Prof. Dr. Horst Hippler Präsident, KIT Karlsruher Institut für Technologie
Prof. Dr. Stefan Kühl Professor für Organisationssoziologie, Universität Bielefeld
Kai Gehring MdB, Sprecher für Bildungs- und Hochschulpolitik, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Die Diskussion wurde (niveau- und humorvoll) von Jan-Martin Wiarda DIE ZEIT, moderiert.

Auch wenn als Thema der Diskussion nicht so sehr die Frage nach Entscheidungsbefugnissen unterschiedlicher Gremien an Hochschulen zentrales Thema war, kann man doch viele Informationen darüber in ihr finden.

Was ist eine unternehmerische Hochschule?

Äh… hmmm! Diese Frage konnte nicht so recht beantwortet werden, weil es sich dabei wohl um einen Modebegriff handelt, der von unterschiedlichsten Personen unterschiedlich ge- und mißbraucht wurde und wohl auch noch wird. Das diffuse Bild, welches davon gezeichnet wurde, hat etwas mit Effizienzsteigerung, Kostenreduktion, Kundenorientierung, effiziente Ressourcenverwendung, Ökonomisierung und mit einer Abkehr von einer Gremienuniversität zu tun.

Kurz gesagt: Hinter dem Begriff steckt nichts konkretes und die gröbsten Fehler die mit der sogenannten “Ökonomiesierung der Hochschulen” einhergingen, wie beispielsweise eine einfache Umbenennung von Rektor in Vorstandsvorsitzender wurden wohl wieder revidiert.

Prof. Dr. Kühl bemerkte dabei, dass sich Unternehmen dadurch auszeichnen, dass sie sich refinanzieren können, was bei Universitäten nicht der Fall ist. So etwas wie unternehmerische Hochschulen gäbe es also schlichtweg nicht.

Wo werden Entscheidungen getroffen?

Nachdem das eigentlich angedachte Thema also im Konsens aller Beteiligten ein Stück weit verworfen werden konnte, nahm man sich spannenderen Fragen, wie etwa der Autonomiefrage an. Dazu gehören die Punkte: Welche Gremien oder Personen dürfen Entscheidungen treffen, Wie unabhängig von der Politik sollten Hochschulen sein und wie sollten universitäre Entscheidungsgremien zusammengesetzt sein?

Die wichtigsten Gremien innerhalb von Universitäten scheinen Hochschulrat, Präsidium/Rektorat und an dessen Spitze Universitätspräsident zu sein. Von außen werden Universitäten von der Politik (Landesministerien), sowie Drittmittelgebern auf die ein oder andere Weise mitbeeinflußt.

Drittmittel

Drittmittel bedeutet nicht, dass Mittel aus dem privatwirtschaftlichen Sektor kommen. Die meisten Drittmittel sind wohl öffentliche Gelder, bzw. Gelder von Einrichtungen, die sich selbst widerum aus öffentlichen Geldern finanzieren. Während der Diskussion wurden die DFG, die Europäische Union und das BMBF genannt. Es gibt insofern eine Drittmittelproblematik, als dass die Beantragung derselben Zeit frisst, die für die Foschung nicht mehr zur Verfügung steht. Außerdem werden Forschungsforhaben durch Drittmittel nicht vollständig finanziert, was selbst für drittmittelfinanzierte Projekte eine Grundfinanzierung notwendig macht. Nach Angabe des Moderators hat es in den letzten 10 Jahren bundesweit eine Steigerung der Grundfinanzierung um 6% gegeben, während die Drittmittel um 20% gestiegen sind. Die Bedeutung von Drittmitteln nimmt also enorm zu. Wahrscheinlich zu Ungunsten der Grundfinanzierung. Die Kriterien, nach denen die Vergaben erfolgen werden von bestimmte Fachdisziplinen oder einzelne Forschungsvorhaben möglicherweise weniger erfüllt werden als von anderen, wodurch es zu einer möglicherweise falschen Steuerung von Forschung in eine bestimmte Richtung kommen könnte.

Der Hochschulrat

An der Universität Hamburg hat der Hochschulrat neun ehrenamtlich tätige Mitglieder, von denen jeweils vier vom Akademischen Senat der UHH, sowie vier von der Stadt Hamburg bestimmt werden. Diese acht Mitglieder wählen das neunte Mitglied dazu (Quelle). Auch einen Vorsitzenden wählt sich der Rat.

Über die Bedeutung des Hochschulrates war man sich bei der Diskussion nicht völlig einig, insbesondere ob dieser die Möglichkeit hat, sich bei kontroversen Themen gegenüber dem Präsidium durchzusetzen. Prof. Dr. Kühl vertrat eher die Meinung, dass der Hochschulrat eine Stärkung des Präsidiums und des Präsidenten darstellt und wenig Entscheidungsbefugnisse hat.

Grundsätzlich gehören zum Aufgabenbereich des Hochschulrates wohl weniger tagespolitische Entscheidungen, als vielmehr die Diskussion um strukturelle Fragen.

Fazit

Ich persönlich bin zu der (möglicherweise banalen) Erkenntnis gelangt, dass die Entscheidungsträger für fakultätsübergreifende Belange also der Hochschulrat und das Präsidium sind. An der Uni Hamburg sind dies also 14 Personen (9 Hochschulräte, der Präsident, drei VizepräsidentInnen sowie die Kanzlerin). Wobei die Bedeutug des Präsidiums im Vergleich zum Hochschulrat doch weit höher zu sein scheint.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.