Generation und Gesellschaft (Textarbeit)

Mal wieder eine Textbearbeitung für den Kurs Sozialpsychologie und Sozialisationstheorie II. Dieses mal im Angebot:

Ehmer, Josef (2004): Generationen in der historischen Forschung. In: Szydlik, Marc und Harald Künemund. Generationen: Multidisziplinäre Perspektiven. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV

Josef Ehmer zufolge war die auf Martin Kohli zurückgehende Zuschreibung eines Spannungsverhältnisses von Kontinutität und Wandel sowohl auf die Konzeptionalisierungen von familialen-, als auch gesellschaftlichen Generationen (G.) in der historischen Wissenschaft nicht immer konsens (S.1). Bis in die 1970er Jahre stand insbesondere die Gesellschaft als Basis für G. im Fokus der historischen Betrachtung. Gesellschaft wurde als Gegenbegriff zur Familie verstanden, die aufgrund ihrer Überzeitlichkeit, Individualität und Verschiedenheit nicht als relevant für G. erachtet wurde (S.2). Die strikte Abgrenzung von Familie und Gesellschaft wurde ab 1970 aufgelockert, jedoch aufgrund der konzeptionellen und analytischen Vorteile nicht gänzlich aufgegeben (S.2). Einen Versuch zur besseren Strukturierung vorherrschender Ansichten stellt die Unterteilung in jeweils politische, ökonomische und kulturelle Generationenbegriffe dar, wodurch die Erkenntniserlangung über die Dimensionen gesellschaftlicher G., sowie über ihre Verbindungen zu familialen G. ermöglicht werden soll (S.3).
Für das 18. Jahrhundert lassen sich sowohl gesellschaftliche, als auch familiale Generationenkonzepte ausmachen. So wurde Geschichte bereits als Abfolge gleichzeitig lebender Gruppen ausgemacht, worin sich, verbunden mit der Gleichsetzung von G. und der mittleren Lebenserwartung, ein biologisch/familialer Generationenbegriff ausmachen lässt (S.4). Geprägt von der Aufklärung, und ihrer Fokussierung auf Wissensüberlieferung und Fortschritt, lässt sich bereits die Erarbeitung eines gesellschaftlichen Generationenbegriffs für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ausmachen (S.5).
Eine folgenreiche Bestimmung der G. als „analytisches Instrument“ und Denkform einer „intelectual history“ gelang Wilhelm Dilthey im 19. Jahrhundert, die in seiner genaueren Betrachtung der Jugend und noch wesentlicher auf geistigen Einstellungen als Abgrenzung zu Menschen anderer Jahrgänge liegt (S.7). Für das Ende des 19. Jahrhunderts sind insbesondere die Anfänge genealogischer Generationsbegriffe signifikant, die naturwissenschaftliche Erblichkeitsformeln und Geschichtstheorie miteinander verbinden und in den 1920er Jahren in der Zeugungsfolge als Alternativbegriff zur G. mündet (S.8). Den beiden Weltkriegen und damit zusammenhängenden gesellschatlichen Irritationen ist eine Fokussierung auf Politik und Kultur im Generationenbegriff des 20. Jahrhunderts geschuldet, was sich in zeitgenössischen Bezeichnungen wie „Kriegsjugendgeneration“, „Jahrhundertgeneration“ oder „Hitlerjugendgeneration“ nierderschlägt (S.9). Dies hat dazu geführt, dass die Jugend als prägende Phase für eine Generation hinterfragt wurde und die Möglichkeit der Prägung im höheren Alter verstärkt in betracht gezogen wurde (S. 10).
Zurückgehend auf die Betrachtung familialer Generationen durch die historische Familienforschung, welche ihren Anfang in den 1960er Jahren im angelsächsischen Raum nahm, hat sich der Begriff Kohorte, auch als Gegenbegriff zur G. entwickelt (S.12). Kohorte meint dabei eher eine spezifische Altersgruppe, die durch gleiche historische Ereignisse geprägt ist, während G. für enge, insbesondere familiare Beziehungen stehe (S.12). Geburtenkontrollen und Generationenvertrag sind die aktuellsten Begriffe aus dem Feld der Generationsforschung.

Ein Gedanke zu „Generation und Gesellschaft (Textarbeit)

  1. Fortschritt

    In früheren Zeiten wurde eine Vielzahl von Rudersklaven benötigt, um Schiffe zu bewegen; heute gibt es dafür Dieselmotoren. Nur was die Basis allen menschlichen Zusammenlebens (Makroökonomie) und die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung (Geld) betrifft, hat die halbwegs zivilisierte Menschheit keinerlei Fortschritte gemacht:

    http://www.deweles.de/files/untergang.pdf

    Dass eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt, sich noch immer eine politische Seifenoper leistet, die sich der sinnfreien Aufgabe widmet, etwas „regeln“ zu wollen, was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Kapitalismus befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt, ist umso erschreckender, als dass wir mit dem eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation nicht erst seit der Erstveröffentlichung von „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ (Silvio Gesell, 1916) im Rückstand sind, sondern schon seit fast zwei ganzen Jahrtausenden:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

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