Facebook Hochschulmarketing

Die Uni Hamburg macht demnächst auch Facebook.

Das ist erstmal nichts besonderes und daher scheinbar nicht weiter interessant, allerdings war wohl dies erfreulicherweise der Anlass eine Veranstaltungsreihe zum Thema Social Media und Hochschulmarketing abzuhalten. Kürzlich fand in deren Rahmen eine Veranstaltung statt, in der Menschen aus der Praxis von den Erfahrungen speziell mit der Plattform Facebook berichtet haben.

Den Anfang machte Markus Trapp, der für die Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) ein (für mich) auffälliges und umfassendes Social Media Marketing betreibt, dass ich auch schon sehr praxisbezogen kennenlernen durfte.

Als Student an der UHH komme ich des öfteren in den Genuß die Angebote der SUB nutzen zu dürfen. Auf einen Blogbeitrag von mir über spezifische Angebote der SUB reagierte Markus Trapp sehr schnell und umfassend. Neben der Verbreitung meines Blogartikels auf den Social Media Kanälen der SUB und der Kommentierung des Beitrages erhielt ich zusätzlich eine persönliche E-Mail, in der mir Herr Trapp für den seiner Ansicht nach gelungenen Artikel dankte. Das nur als Information, um sich darüber klar zu werden, dass Social Media weit mehr beinhaltet als Informationen oder Werbung zu veröffentlichen – es geht um Interaktion, was durch den Begriff “Social” eigentlich ausreichend angedeutet sein sollte, ich mir aber selbst immer wieder ins Gedächtnis rufen muss, weil ich in der Regel in Social Media Kanälen produziere oder konsumiere und weniger interagiere.

Diese Auseinandersetzung von Herrn Trapp mit meinem Blogartikel hat sich gewissermaßen auch gelohnt, denn wäre ich nicht durch die Kontaktaufnahme durch Herrn Trapp zu mir persönlich angesprochen worden, hätte mich sein Vortrag vielleicht weniger interessiert oder möglicherweise wäre ich auch garnicht erst dort gewesen. Folglich würde ich jetzt gerade nicht darüber schreiben…

Was ich damit ausdrücken möchte ist, dass Markus Trapp durch seine Tätigkeit für die SUB dazu beigetragen hat, dass ich jetzt gerade diesen Blogartikel verfasse und auch wenn das erstmal unwichtig erscheint – dieser Artikel wird möglicherweise noch sehr lange online sein und von Menschen gelesen werden, die durch ihn auch wieder ein klitzekleines Stück beeinflusst werden. Zunächst mal scheint es mir, als hätte Markus Trapp also seine Arbeit, durch die Interaktion mit mir, erfolgreich betrieben – Die Staats- und Universitätsbibliothek ist im Gespräch und ihre Angebote (wie in meinem Blogbeitrag damals beschrieben) werden bekannter.

Es ist interessant, wie das geschehen ist:

Indem Herr Trapp meinen Blogbeitrag kommentiert hat und mir eine E-Mail geschickt hat, hat er zunächst keinen direkten Mehrwert, bzw. zusätzliche Bekanntheit für die SUB erzeugt. Bestenfalls hat er sie sympathischer gemacht, indem er gezeigt hat, dass sie sich für ihre Benutzer interessiert. Das ist jedoch nicht sein eigentliches Aufgabengebiet (vermute ich).

Worauf ich hinaus möchte, ist meine Einschätzung, dass im Social Media Marketing viel gemacht wird und auch gemacht werden muss, was keinen unmittelbaren Nutzen erzeugt. Konkrete Einzelmaßnahmen, wie das Kommentieren eines Blogbeitrages, oder das Versenden einer E-Mail erscheinen zunächst sinnlos und nicht zweckmäßig. Das könnte auch die Ursache dafür sein, dass WIR, nämlich Ihr als Leser dieses Beitrages und ich als Autor doch in Wirklichkeit eine elitäre Minderheit sind. Die breite Mehrheit in der Bevölkerung (also draußen im Reallife) erscheint mir nicht unbedingt regelmäßig Blogs zu konsumieren und erst recht nicht auf Social Media Kanälen (außerhalb von Facebook) zu interagieren. “Was soll mir das bringen?” kennt man als Frage in diesem Zusammenhang zu genüge und soo einfach lässt sich das auch garnicht beantworten. Wenn man nicht gerade Unternehmer ist und den Erfolg von Social Media Maßnahmen mit Verkaufszahlen zählbar machen kann (oder mit erhöhten Zugriffen auf Onlinemedien, wie im Fall der SUB), fällt es schwer einen persönlichen Erfolg sichtbar zu machen.

Teilweise war mir schon länger klar, warum ich blogge, twittere und auch sonst relativ präsent im Web2.0 unterwegs bin, nämlich wegen Selbstreflexion, Vernetzung, usw.
Ein sehr wichtiges, mir jedoch bislang nur unterbewusst präsentes Element, welches durch ein Gespräch vor einiger Zeit mit Daniel Spielmann an die Oberfläche trat, ist Serendipität bzw. besser verständlich: “Glücksfund”. Ich blogge, twittere und webzwonulle, weil ich mir vorstellen kann, dass daraus irgendwelche, für mich positiven Resultate oder Ereignisse generiert werden. Das gilt wohl für Privatpersonen wie Unternehmen oder auch Hochschulen gleichermaßen.

Markus Trapp referierte in seinem Vortrag weiter vom dezidierten Social Media Konzept der SUB, welches als Hauptbaustein seit Juni 2006 einen Blog enthält, dessen RSS-Feed direkt nach Facebook gestreamt wird. Der Weg der SUB was Social Media angeht ist innerhalb der Bibliotheks-Community umstritten.

Was mir persönlich am Social Media Modell der SUB nicht besonders zusagt, ist der Flaschenhals, der durch Markus Trapp entsteht. Statt alle Mitarbeiter direkt twittern und bloggen zu lassen, gibt es eine Instanz, die darüber entscheiden kann, was wert ist, weltöffentlich präsentiert zu werden und was nicht. Das finde ich nachvollziehbar (es stecken wohl auch keine bösen Absichten und der Wille zur Zensur dahinter, sondern eher mangelnde Kompetenzen der Mitarbeiter), aber irgendwie ist es auch ein wenig schade und es hinterlässt einen ganz leichten faden Beigeschmack.

Immer wieder über alle Vorträge der einzelnen Referenten hinweg wurde die Bedeutung von Facebook betont, das wohl unter gewissen Gesichtspunkten eine höhere Relevanz für weite Bevölkerungsteile erreicht hat, als die Suchmaschine Google.

Auch das Thema Datenschutz war präsent während der Veranstaltung, obwohl es bereits das Thema für den vorangegangenen Termin dieser Veranstaltungsreihe war. Was mir mittlerweile sehr sauer aufstößt und mich wütend macht ist, dass Menschen die nach Datenschutz rufen oft überhaupt keine Ahung (nicht den Ansatz!) von demselben haben und denken, sie hätten ein Recht, anderen Menschen die Veröffentlichung ihres Handelns im Internet zu unterbinden. Mir gehen gerade im Hochschulbereich Forderungen nach (welt-)offenen Kursszenarien, besonders wenn dabei Inhalte von Studierenden betroffen sind, teilweise zu weit. Zwischen diesen beiden vorherrschenden Polen eine vernünftige Diskussion zu führen und das Meer von Ahnungslosigkeit zu bekämpfen ist manchmal sehr ermüdend und scheint teilweise aussichtslos.

Die beiden Vorträge von Herrn Dunkhase von der Leuphana Universität Lüneburg und Herrn Martin Giese von hamburg.de enthielten dann noch viele Grafiken, Zahlen und Informationen, die die Relevanz von Social Media für Unternehmen und Hochschulen darstellten. Speziell der Vortrag von Herrn Giese enthielt auch viele praktische Tipps für die UHH, welche Fehler sie auf Facebook besser vermeiden sollte (Nur als Push-Kanal funktioniert es nicht, man muss schnell und emotional sein, etc.).

Die anschließende Diskussion wurde geleitet von Christina Schwalbe, Leiterin des eLearning-Büros der Fakultät für Erziehungswissenschaften, Psychologie und Bewegungswissenschaften, auf die ich ursprünglich durch ihre Mitherausgabe des Buches “Kontrolle und Selbstkontrolle – Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen“, irgendwann im September/Oktober 2011 aufmerksam geworden bin.

Im Publikum wurden dabei Fragen aufgeworfen (exemplarisch), ob die Unkontrollierbarkeit von Social Media Kanälen problematisch sei, oder wie häufig die einzelnen Kanäle zu bedienen seien. Daran stelle ich fest, dass die Vorbildung unter einigen TeilnehmerInnen der Veranstaltung doch recht dürftig waren, was wieder meine obige Behauptung verfestigt.

“Die breite Mehrheit in der Bevölkerung (also draußen im Reallife) erscheint mir nicht unbedingt regelmäßig Blogs zu konsumieren und erst recht nicht auf Social Media Kanälen (außerhalb von Facebook) zu interagieren. “Was soll mir das bringen?””

Nachtrag: Mittlerweile ist der Videomittschnitt der Veranstaltung auf Lecture2Go verfügbar:

zur Quelle

8 Gedanken zu „Facebook Hochschulmarketing

  1. Markus Trapp sagt:

    Danke für das positive Feedback zur Veranstaltung der Uni Hamburg und zu meiner Social-Media-Arbeit in der Stabi im besonderen. Den Flaschenhals (dass es so aussieht, dass vieles aus der Stabi durch mich kommuniziert wird) größer werden zu lassen, daran arbeiten wir noch. 😉

  2. Daniel Spielmann sagt:

    Angesichts der Tatsache, dass die UHH wohl nicht gerade als modellhaft gelten kann, wenn es um die aktive Auseinandersetzung mit Web 2.0 geht, sind solche Veranstaltungen sehr zu begrüßen – vielen Dank für die Einblicke für Abwesende.

    Es ist erfreulich, wenn die SUB die Relevanz des Mediums erkennt und nach Wegen sucht damit umzugehen. Ich denke, dass Bibliotheken hier in der Pflicht sind, wenn sie nicht alsbald in der Bedeutungslosigkeit unter gehen möchten. Ich kenne die Diskussionen unter Bibliothekaren nur oberflächlich, weiß aber, dass sie geführt werden und viele gute Ideen im Gespräch sind, wie sich die Bibliothek in Zeiten der Digitalisierung aufstellen könnte. Eins scheint mir klar: bibliothekarisches Fachwissen und die professionelle Erfahrung im Umgang mit Wissen sowie der Organisation und dem Management desselben werden durch die Digitalisierung eher nötiger denn überflüssig.

    Ich war bei der hier beschriebenen Veranstaltung nicht anwesend, möchte aber dennoch nicht unerwähnt lassen, dass ich eine zu starke Ausrichtung an Facebook nicht für zielführend halte. Es gibt einige gute Gründe dafür zu behaupten, dass FB in einem PLN nur bedingt von B

    Wie du weißt teile ich Frust und Verdruß, wo durch Zögerlichkeit oder Verweigerungshaltung mancher KollegInnen im HS-Bereich Potenzial ungenutzt bleibt.

  3. Daniel Spielmann sagt:

    Es gibt gute Gründe dafür zu behaupten, dass FB in einem PLN nur bedingt von Nutzen ist. Einen Hauptgrund sehe ich in der Tatsache, dass es vornehmlich ein soziales Netzwerk sein will.
    Auch wir sind mit der Schreibwerkstatt Mehrsprachigkeit dort vertreten und natürlich ist der Gedanke, dort zu sein, wo sich auch die Zielgruppe tummelt, zunächst mal nicht abwegig.
    Ich frage mich jedoch: intendiert man denn als Institution tatächlich SOZIALE Interaktion? Sicher, jede Interaktion ist per definitionem sozial, aber in der Gestalt, in der der Begriff von Facebook von Anfang an gedeutet wurde, scheint er mir nicht passend, betont er doch zu stark das Zwischenmenschliche und lässt dabei Formen des digitalen, vernetzten und offenen Lernens nur als “Nebenwirkung” zu.

    Also: ja, “social” hat mit Interaktion zu tun, ich gebe dir Recht, allerdings suche ich sowohl als Lernender als auch als Vertreter der Institution nach mehr.

    Statt eines sozialen Netz

  4. Daniel Spielmann sagt:

    Statt eines sozialen Netzes suche ich ein lernendes Netz und vermutlich setzen gefade darum immer mehr amerikanische Universitätsbibliotheken auf G+ statt auf FB.

    Ich glaube sofort, dass der Weg der SUB bei manchen v.a. auch an der UHH nicht unumstritten ist. Aber so what – sollten sich die wenigen Engagierten von den Griesgrämen und Miesepetern vom Kurs in die Zukunft abbringen lassen? ich hoffe nicht.

    Es gibt offene und wichtige Fragen , wie etwa den Datenschutz, den du ansprichst und ich hoffe, dass genug Wille da ist, diese Fragen möglichst effektiv und gewinnbringend (gerne auch in Zusammenarbeit mit den betreffenden Konzernen) zu klären.

    Abschließend: Sorry für mein diesmal recht fragmentarisches Kommentierverhalten,. Ich fürchte, dass das Galaxy Nexus, auf dem ich diese Zeilen tippte, mit deinem Kommentar FB sei teilweise relevanter als Google ganz und gar nicht einverstanden ist und daher jetzt dein Blog auf diese Weise torpediert… 🙂

  5. Markus Trapp sagt:

    @Daniel Spielmann: Zum 1. Satz in Kommentar #4:

    Statt eines sozialen Netzes suche ich ein lernendes Netz und vermutlich setzen gerade darum immer mehr amerikanische Universitätsbibliotheken auf G+ statt auf FB.

    Die Staats-und Universitätsbibliothek Hamburg ist auch auf G+. Einfach nach der Website-Adresse ein + eingeben, dann gelangt man zum G+-Account: http://www.sub.uni-hamburg.de/+

  6. Daniel Spielmann sagt:

    Super, @Markus Trapp, da hab ich doch gleich mal gezirkelt…

  7. Sarkis sagt:

    Grundsätzlich sollten Universitäten oder auch andere Einrichtungen ein Social Media Präsenz haben aber dabei sollten sie keinesfalls Kompetenzen auf diese abwälzen bzw. auslagern. Das ist ein Kontrollverlust, der nicht wieder gut zu machen wäre.

  8. Michael Karbacher sagt:

    Mittlerweile ist der Videomittschnitt der Veranstaltung auch auf Lecture2Go verfügbar:

    http://lecture2go.uni-hamburg.de/veranstaltungen/-/v/13394

    (Im obigen Beitrag ist das Video direkt eingebettet).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.