Die CommSy-Philosophie

Die Diskussion über universitäre Internetplattformen ist in meinem Umfeld ein Dauerbrenner und das nicht nur, weil ich damit beruflich zu tun habe. Immer wieder erläutern Lehrende, dass sie Material noch nicht einstellen konnten, weil ihnen die Benutzung von STiNE, Commsy oder OLAT Probleme bereitet und immer wieder höre ich von Kommilitonen, dass sie irgendwo nicht reingekommen sind oder einfach grundsätzlich genervt davon sind überhaupt irgendwas tun zu müssen um an Material zu einer Veranstaltung zu kommen (was des öfteren als Grundsatzkritik an universitären Internetplattformen formuliert wird).

Vor diesem Hintergrund diskutieren scheinbar auch Entscheidungsträger an der UHH den Sinn und Unsinn, unterschiedliche Internetplattformen zu betreiben. Warum sollten an der Uni Hamburg unterschiedliche Plattformen wie CommSy, OLAT, STiNE, Lecture2Go, sowie viele weitere (Mahara am ZHW, Moodle am UKE, WordPress an der EPB) betrieben werden? Genügt nicht eine einzige? Oder brauchen wir vermutlich sogar noch viele weitere?

Neben Unterscheidungen, wie beispielsweise in Lernplattformen (CommSy, OLAT) und Hochschulmanagementsystem (STiNE) liesen sich viele weitere Differenzierungen der vorhandenen Internetplattformen vornehmen.

Es ist auch möglich, die Philosophie hinter den Plattformen zu betrachten und die unterschiedlichen Systeme danach zu kategorisieren.

Bewusst wurde mir das duch eine Aufzeichnung der Veranstaltung “Die CommSy-Philosophie: Ein Pfad im Dschungel einer Open-Source-Entwicklung” aus dem Jahr 2009.

Exkurs: Auf dieses Video bin ich ausgerechnet deshalb gestoßen, weil in der iTunes University nur alte Inhalte von der Universität Hamburg zu finden sind. Vielleicht war man auf irgendeiner Ebene nicht davon begeistert, dass auch Veranstaltungen, die nicht dem eigenen Wunsch, sich als exzellente Universität zu präsentieren, über die iTunes University zu finden sind. Bis die Lecture2Go-Plattform selbst, von der die Videos nach  iTunes gestreamt werden, ein ausreichend hohes Maß an Aufmerksamkeit erfährt, dass es aus Sicht von Entscheidungsträgern notwendig werden könnte, die Sichtbarkeit nicht-exzellenter Videos auch dort einzuschränken, ist vielleicht nur noch eine Frage der Zeit. Sollte es dazu kommen, werde ich es wissen lassen 😉

In dem damaligen Vortrag berichteten die “Väter” von CommSy, Iver Jackewitz und Matthias Finck über die zehnjährige Geschichte der CommSy Plattform. Hier das Video um sich ein eigenes Bild machen zu können:

Mir persönlich erscheinen insbesondere folgende Inhalte des Videos wichtig (bzw. teilweise handelt es sich um meine Interpretation davon):

Gleichberechtigung der Nutzer (keine Lehrenden/Studierendenrolle), sozialer statt technischer Regeln, sowie ein Medienmix sind elementare Eigenschaften von CommSy, die bei der Entwicklung und Weiterentwicklung der Plattform berücksichtigt werden.

CommSy versteht sich dabei als Bestandteil, bzw. ein Werkzeug eines Werkzeugkastens, im Gegensatz zu einem schweizer Taschenmesser, dass es nicht sein möchte (das ist wohl eine Anspielung auf OLAT – Das schweizer Taschenmesser LMS).

Es besteht die Gefahr einer didaktischen Verarmung duch online-Plattformen.

Das finde ich ganz elementar, weil auch ich immer wieder feststelle, dass die Möglichkeiten von Onlineplattformen die Didaktik (bzw. pseudo-Didaktik) bestimmen und nicht umgekehrt, wie es sein sollte.

Damit meine ich, dass viele Lehrende oft zunächst bestimmte didaktische Szenarien umsetzen möchten (z.B. Studierende sollen die Online-Plattform zur Diskussion nutzen), dann aber durch die vorgegebenen Möglichkeiten dazu verleitet werden, auch noch dutzender weiterer Möglichkeiten mitauszuwählen (“Ahh, Terminvergabe geht auch mit der Plattform XYZ… dann wähle ich das einfach mal mit dazu aus…”).

Das ist häufig nicht sinnvoll, weil es gut umsetzbare, durchdachte Szenarien zunichte macht und stattdessen in einem Wulst aus unüberschaubaren, schwer zu verwaltenden Mischmasch-onlinekursen endet, die insbesondere diejenigen Studierenden nachhaltig vor den Kopf stoßen, die ein niedriges Maß an Internetkompetenz besitzen und daher oftmals garnicht wissen, dass es nicht so sehr die eigene Unfähigkeit ist, die dazu führt, dass man nicht in der Lage ist, die Onlineplattform richtig zu bedienen, sondern dass dafür der schlecht gemachte Kurs mindestens mitverantwortich ist.

Das Szenario sollte die Grundlage der Anforderungsermittlung sein, sonst droht Featuritis.

3 Gedanken zu „Die CommSy-Philosophie

  1. Sina sagt:

    Ursprünglicher spontaner FB Kommentar, nun hier (ohne den Artikel zu lesen, kann mir erst heute Abend die Zeit dazu nehmen!):

    Hatte vor Monaten mal Lecture2Go auf die Pinnwand geschrieben mit einer Nachfrage, erhielt allerdings nicht einmal eine Antwort – sehr schade 🙁 .. da sollten die Zuständigkeiten klarer verteilt werden.
    Außerdem wäre es sehr schön, wenn die Zukunft von eLearning und Lecture2Go mal etwas skizziert werden würde – können wir auf Aufnahmen weiterer Vorlesungen hoffen, wovon ist das abhängig, wie können wir Studenten einen Beitrag leisten?, …

    Meine ersten Gedanken dazu 🙂

  2. Daniel Spielmann sagt:

    “Genügt nicht eine einzige? Oder brauchen wir vermutlich sogar noch viele weitere?”
    Himmel hilf, bloß nicht! 🙂 Offene Systeme gerne immer wieder mal, aber weitere geschlossene tun wirklich nicht Not.
    Mir ist gerade heute wieder aufgefallen, wie angenehm es wäre, EIN System zu haben, mit dem man praktisch alles machen kann. Aktueller Anlass: gezieltes Teilen von Dateien mit anderen, allerdings nur mit ausgewählten Leuten, die sich nicht erst irgendwo anmelden müssen sollen und keine Zugänge zu Uni-Systemen haben. Meine Antwort hier vorerst: Dropbox. Leider.

    Ich stelle auch ab und an fest, dass sich die Unzufriedenheit anderer Lehrender auf die Haltung der Studierenden universitären Systemen gegenüber niederschlägt. Ich würde mir manchmal wünschen, manche Lehrende hätten lieber weiter analoge Lehre gemacht, statt den Studierenden Abneigung digitalen Werkzeugen gegenüber zu vermitteln.

    Die Sache mit der Didaktik unterstreiche ich absolut – ich hatte dir ja schon mal gesagt, dass mich persönlich das inzwischen mehr interessiert als Plattformfragen – von welchen ich aber weiter sehr hoffe, dass andere sie sich stellen, denn es sind wichtige Fragen…

  3. Michael Karbacher sagt:

    Michael

    Moin Sina,
    danke für den Kommentar!

    Ich glaub zu den Beteiligungsmöglichkeiten mach ich nochmal nen eigenen Blogeintrag, da habe ich mir nämlich auch schon öfter Gedanken gemacht und auch schon mit diversen Studierenden aus unterschiedlichsten Fachrichtungen gesprochen…
    Zu den Zuständigkeiten hast du absolut Recht, das ist bei Lecture2Go besonders unübersichtlich, weil es neben dem Lecture2Go Team im Rechenzentrum auch noch Lecture2Go zuständige bei den dezentralen eLearning-Büros (z.B. eLearning-Büro der WiSo-Fakultät für unseren Fachbereich) gibt und neuerdings hat auch das zentrale eLearning-Büro in diesem Bereich zu tun…

    Bei der Anfrage von damals (hab auf der L2Go Facebookseite nachgesehen) hätte ich sogar Antworten parat, weil ich die betreffende Veranstaltungen selbst gefilmt habe, dazu schreibe ich dir seperat nochmals, bzw. beantworte den Post bei FB von damals…

    @Daniel: Ich glaube die Sorge, dass zusätliche Plattformen an der UHH angeschafft werden ist im Moment eher unbegründet.

    Ich glaube der Wunsch nach Bequemlichkeit und alles in einer Plattform vorfinden zu wollen ist vermutlich der Hauptgrund, wieso es so umfassende LM-Systeme wie Moodle und OLAT gibt.
    Bzw. liegt darin auch die Daseinsberechtigung für diese an der UHH.

    Sooo geschloßen, dass man nicht auch weltöffentliche Kurse und Inhalte generell erstellen könnte, sind diese Systeme übrigens auch nicht, diese Möglichkeit wird allerdings nur selten genutzt und angefragt bzw. ist damit noch nicht automatisch ein suchmaschinenfreundliches Verhalten verbunden…
    Wenn man OLAT-Kurse nicht nur für registrierte Nutzer, sondern auch für Gäste publiziert, dann kann über die URL zum Kurs jeder auf die Kursinhalte zugreifen (im Sinne von welt-öffentlich).

    z.B. ist kein OLAT-Account nötig um z.B. mein testweise (und inzwischen etwas veraltetes) eingerichtetes OLAT-ePortfolio einzusehen ( http://eportfolio.michael-karbacher.de ).

    Deswegen denke ich nicht, dass der Hauptdiskussionspunkt offene VS. geschlossene Plattform lauten sollte, sondern dass es auf spezifische Werkzeuge für bestimmte Anforderungen (z.B. Dropbox für Datentransfer, CommSy als Gruppenarbeitsraum, WordPress als Blogsoftware, Mahara als ePortfoliotool) VS. schweizer-Taschenmesser LMS, das alles können soll und jedes erdenkliche eLearning-Szenario abdecken können muss, hinausläuft.

    Das ist ja irgendwie auch einer der Punkte, der im Video für CommSy gemacht wurde.

    Weitergedacht stelle ich dann fest, dass einzelne, spezifisch angepasste Software Produkte (WordPress, Dropbox, Mediawiki, phpBB, etc. etc.) den in OLAT implementierten ähnlichen Produkten natürlich an technischem Umfang überlegen sind und für sich genommen, wenn man nicht mehr möchte und braucht, die besseren Lösungen darstellen würden.

    Dazu käme der Synergieeffekt, dass Studierende beim Umgang mit verschiedensten Plattformen dann möglicherweise auch informationstechnische Grundbildung erfahren würden, die manche ja als wesentlich erachten und die meiner Ansicht nach schon mehr gefördert werden sollte als dies aktuell der Fall ist.

    Nur: Wer soll das bezahlen? Wenn man es richtig, mit öffentlich-rechtlicher Gründlichkeit macht und dann auch noch Support anbietet, wird es wesentlich teurer, als das, was aktuell für eLearning ausgegeben wird (sag ich mal so pauschal, ohne es untermauern zu können, das sollte man mal genauer untersuchen).

    Die Alternative, öffentlich angebotenen Pendants (grundsätzlich extern/cloud gehostete Software) zu verwenden finde ich schwierig.
    US Amerikanische Verhältnisse, wo dann möglicherweise auch mal die Google Produkte (z.B. Docs zum synchronen bearbeiten von Dokumenten) Einzug in die Universitäten halten wünsche ich mir nicht! Weder sollten wir uns von kommerziellen Anbietern abhängig machen, in dem wir universitäre und private Erzeugnisse Studierender dort hosten, noch sollten diese Inhalte auf Servern gehostet werden, die nicht der eigenen universitären Kontrolle unterliegen.

    Damit wird es dann schon schwierig, das Tor für kleine Webanwendungen für spezifische didaktische Szenarien, aufzumachen.

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