Bewältigungsstrategien – Bloggen als Distinktionsmittel

Bei Gesprächen über meine Offenbarung, mich umfänglich der Soziologie widmen zu wollen, ist eine regelmäßige Entgegnung, dass mein eigentliches Ziel, mit oder innerhalb der Soziologie, noch unklar erscheint.

Gefühlt nähere ich mich der Antwort auf die Frage, was ich mit soziologischen Theorien und Methoden eigentlich erreichen möchte, mittlerweile stark an. Aus diesem Grund möchte ich zwischen die Beiträge über soziologische Theorien und Methoden hier im Blog, einen weiteren, stärker selbstreflexiven Beitrag einschieben.

Bereits kurz nach Beginn meines Studiums der Sozialökonomie habe ich begonnen in einem Bereich zu arbeiten, in dem Hochschuldidaktik im Fokus steht. Es interessiert und fasziniert mich, wie innerhalb der Institution Universität Hamburg versucht wird, institutionelle Bildungsprozesse zu erforschen und umzugestalten um letztlich Individuen bessere Unterstützung und Lernmöglichkeiten zu ermöglichen.

Gerade an der Universität Hamburg wurde hier in den letzten Jahren, insbesondere dank dem Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung, eine Menge getan. So ist beispielsweise die sogenannte ZEITLast-Studie weit über die Grenzen Hamburgs, mindestens im Bereich der erziehungswissenschaftlich geprägten Erforschung von Hochschulen, eine Pflichtlektüre.

Meiner Einschätzung nach sind didaktischen Methoden jedoch relativ enge Grenzen gesetzt. Entscheidender (und interessanter) als die Gestaltung und Organisation von Bildungseinrichtungen sind in meinen Augen die persönlichen Strategien zur Bewältigung von Problemen, in, aber insbesondere auch außerhalb von Bildungseinrichtungen, die Individuen aufgrund ihrer sozialen Herkunft zur Verfügung stehen. Dabei geht es auch nicht nur um finanzielle Mittel, sondern insbesondere darum, wie man mit Problemen umgeht, wie schnell man aufgibt, welche Kontakte man knüpft, ob es gelingt Motivationsquellen zu finden um mit den teils willkürlichen und drögen Anforderungen im Studienalltag zurecht zu kommen etc.

Das Interessiert mich. In diesem Bereich möchte ich etwas machen. Vielleicht nur, um mich selbst gegen eine Klasse zur Wehr zu setzen, von der ich mich selbst ausgeschlossen fühle.

Das hier insbesondere Pierre Bourdieu relevant ist, ist mir klar. Beim Besuch der 3. Bildungssoziologische Forschungswerkstatt der Sektion Bildung und Erziehung, der deutschen Gesellschaft für Soziologie, hatte ich auch bereits Gelegenheit mich mit einigen zeitgenössischen Forscher_Innen, sowie aktuellen Forschungsprojekten, die in meine angestrebte Richtung gehen, vertraut zu machen.

Eine Idee die ich im Wintersemester, in Form meines empirischen Praktikums, verarbeiten möchte lautet: Bloggen ist ein Distinktionsmittel

Meine These lautet, dass Kommunikation im Social Web, also Twitter, Google+, oder in Blogs, insbesondere innerhalb von sozial gehobenen Milieus stattfindet und ein Distinktionsmittel gegenüber unteren Milieus darstellt, deren Mitglieder nicht in der Lage, oder nicht gewillt sind, sich in Form von Blogbeiträgen oder Tweets auszudrücken, bzw. zur Schau zu stellen.
Präsenzen im Internet, in Form von Blogs oder Profilen bei G+, Twitter, etc., stellen soziales Kapital dar, das auf unterschiedliche Weise profitabel genutzt werden kann.
Eine weitere These ist, dass lediglich Facebook unter den Social Media Diensten auch von unteren Milieus genutzt wird, wobei der Grund dafür herauszuarbeiten ist.

Natürlich werde ich daran noch zu basteln haben. Damit sei aber zunächst nachgetragen was, innerhalb bzw. mit der Soziologie, ich erreichen möchte.

Empfehlen möchte ich Leser_Innen, die in der Soziologie fremd sind, und mit meinem Beitrag daher nichts anfangen können, diesen Film über Pierre Bourdieu und sein Hauptwerk: Die feinen Unterschiede.

2 Gedanken zu „Bewältigungsstrategien – Bloggen als Distinktionsmittel

  1. Die Idee reift und der erste Kommilitone hat auch schon Interesse bekundet, die Frage mit mir zu bearbeiten.

    Zwei Links auf die ich an dieser Stelle verweisen möchte, auch um sie später noch parat zu haben sind diese:
    http://www.schmidtmitdete.de/lehre/weblogseminar0809
    Entscheidend ist hier insbesondere die verlinkte Literatur.

    http://www.schmidtmitdete.de/archives/707
    Hier wird die Frage aufgeworfen, wie viele Blogs es in Deutschland gibt.

    Für die methodologische Herangehensweise habe ich verschiedene Ideen.

    Vorzugsweise würde ich gerne aus der Grundgesamtheit der Blogger_Innen eine Stichprobe ziehen und mit diesen Personen narrative Interviews über ihre Gründe für das Bloggen führen, welche ich gerne habitushermeneutisch untersuchen würde. Gleichzeitig würde ich deren Blogs einer Untersuchung unterziehen wollen um aus den Blogs Kategorien herauszuarbeiten, in die sich Bewältigungs-strategien oder -maßnahmen einsortieren lassen.

    Ich weiß noch nicht, inwiefern sich eine Stichprobe ziehen lassen soll, wenn die Grundgesamtheit nicht auszumachen ist. Dafür muss ich in meinen empirischen Lehrbüchern noch genauer suchen um auf diese Frage eine Antwort zu finden.

    Wenn sich das grundsätzlich so nicht machen lässt, würde ich ausschließlich versuchen, mit der Grounded Theory Blogs inhaltlich nach Bewältigungs-Kategorien zu analysieren.

    Anmerkungen und Ideen sind herzlich willkommen.

  2. […] ich das bereits in einem anderen Beitrag kurz angerissen habe, möchte ich mich im Rahmen meines empirischen Praktikums mit Bloggen, als einer sozialen Handlung, […]

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